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Die IG Metall ruft zu eine Schweigemarsch auf. Er soll am Dienstag, 9. August, stattfinden. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Dura hat die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern abgebrochen. Das steht in einer Pressemitteilung, die heute von der von Dura beauftragten Agentur Brunswick herausgegeben wurde. Nach mehrmonatigen Verhandlungen, bei denen es einige Fortschritte gab, hätten neue Forderungen der IG Metall zum Abbruch der Verhandlungen geführt. „Diese Forderungen sind aus Sicht der Verhandlungsführer von Dura nicht akzeptabel“, teilt der Unternehmenssprecher mit. Die IG Metall zeigte sich in einer ersten Reaktion befremdet. „Das ist ein verstörender Vorgang. Wir hatten den Eindruck, wir seien gerade auf der Zielstrecke und könnten gemeinsam eine Zukunft für DURA in Plettenberg vereinbaren“, sagte IG Metall-Verhandlungsführer Torsten Kasubke.

Die Pressemitteilung von Dura

In den vergangenen Monaten ist Dura in den Verhandlungen den Arbeitnehmervertretern stark entgegen gekommen. Das Unternehmen hatte Aufträge und eine Finanzierung bis zum 31. Dezember 2017 in Aussicht gestellt sowie eine Beschäftigungsgarantie für jahresdurchschnittlich 500 Arbeitnehmer gegeben. Im Gegenzug hatten die Arbeitnehmervertreter eingewilligt, über den nötigen Stellenabbau konkret zu verhandeln. Darauf hatte man sich bereits verständigt. Diese Vereinbarungen wollte die IG Metall nun nicht länger akzeptieren und stattdessen einen Sozialtarifvertrag erzwingen. Der Abschluss eines Sozialtarifvertrags war aktuell nicht zielführend, da man in den Verhandlungen noch gar nicht an diesem Punkt angelangt war.

„Wir können nicht weiterverhandeln, solange sich Betriebsrat und IG Metall nicht zu ihren bereits gemachten Zusagen bekennen.“

„Die neuen Forderungen der IG Metall waren absurd und nicht tragbar. Hier wurde verantwortungslos mit dem Schicksal mehrerer hundert Mitarbeiter umgegangen. Wir sahen keine Grundlage für eine Weiterführung der Gespräche“, erklärt Verhandlungsführer Jerry Lavine, Duras Executive Vice President und Chief Program Officer. „Sollte die IG Metall die wirtschaftliche Realität anerkennen und sich ihrer Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern bewusst werden, ist Dura bereit, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Aktuell sehen wir diese Bereitschaft bei der IG Metall jedoch nicht.“

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Dura-Eigentümerin Lynn Tilton Foto: www.duraauto.com

Duras Eigentümerin Lynn Tilton hatte sich persönlich eingebracht und mehrfach an die Vernunft der IG Metall appelliert: „Ich habe in gutem Glauben Zugeständnisse gemacht, damit Plettenberg und Selbecke eine Zukunft haben“, so Frau Tilton. „Die Art der Verhandlungsführung auf Arbeitnehmerseite hat mein Vertrauen in sie jedoch nachhaltig beschädigt. Wir können nicht weiterverhandeln, solange sich Betriebsrat und IG Metall nicht zu ihren bereits gemachten Zusagen bekennen.“

Die Reaktion der IG Metall

Für Mittwochvormittag vereinbarten die Vertreter von Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite die Fortsetzung der Verhandlungen um die Zukunft des Automobilzulieferers DURA in Plettenberg. Dennoch blieb die Arbeitgeber-Verhandlungsdelegation dem Treffen fern. „Das ist ein verstörender Vorgang. Wir hatten den Eindruck, wir seien gerade auf der Zielstrecke und könnten gemeinsam eine Zukunft für Dura in Plettenberg vereinbaren“, sagt IG Metall-Verhandlungsführer Torsten Kasubke. Vor zwei Wochen habe man noch stundenlang bis in den Morgen verhandelt. Auch vor diesem Hintergrund könne sich der Gewerkschafter das Verhalten der Dura-Verhandler nicht erklären.

„Wenn wir gemeinsam über die Zukunft von Dura diskutieren, muss zwingend auch über die Zukunft der Menschen diskutiert werden, die ihren Arbeitsplatz verlieren.“

Als einzige Motivation für das Fernbleiben der Arbeitgebersituation könne sich Kasubke nur die Diskussion über ein mögliches Sozialplanvolumen vorstellen. „Wir wollten nicht über den Sozialplan im Detail diskutieren, das wäre in der Zukunft auszuhandeln gewesen. Wenn wir allerdings gemeinsam über die Zukunft von Dura diskutieren, muss zwingend auch über die Zukunft der Menschen diskutiert werden, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Wir verhandeln auch in ihrem Auftrag. Erst wenn wir wissen, wie viel Geld für ein Sozialplan zur Verfügung steht, kann man über mögliche Freiwilligenprogramme und die größtmögliche Sozialverträglichkeit sprechen. Die Mitarbeiter müssen sich frühzeitig darauf einstellen können, was nun mit ihnen passiert“, so Kasubke.

Gewerkschaft und Betriebsräte haben auf unvoreingenommene Gespräche gehofft. „Wenn man aber zentrale Themen ausschließen will, kann man nicht zu guten Ergebnissen kommen. Das kommt einem Diktat über die zu behandelnde Tagesordnung gleich. Das können wir als gleichberechtigte Verhandlungspartner nicht akzeptieren“, stellt Kasubke fest.

Keine Sonntags- und Mehrarbeit

Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Foto: Wolfgang Teipel
Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Foto: Wolfgang Teipel

Verwundert äußert sich Kasubke zur ersten Stellungnahme von Dura. „Wir halten uns an gemachte Zusagen und distanzieren uns vom Vorwurf, absurde Forderungen zu stellen“, stellt Torsten Kasubke fest. Vielmehr sollte sich die Gegenseite fragen, was man von einem Angebot halten solle, im Jahr „jahresdurchschnittlich“ 500 Arbeitsplätze erhalten zu wollen. „Das können im ersten Halbjahr 1000 Arbeitsplätze und im zweiten null sein“, rechnet er vor.

Betriebsratsvertreter und IG Metall haben aus diesem Vorgang erste Konsequenzen gezogen: Die von Dura geforderte Genehmigung von Sonntags- und Mehrarbeit werde bis auf Weiteres nicht genehmigt. Außerdem werde nun innerhalb der Tarifkommission über erste Warnstreiks diskutiert. Kasubke: „Natürlich sind wir enttäuscht. Dennoch bleiben wir kampfbereit. Es bleibt festzuhalten, dass der Arbeitgeber den Verhandlungstisch verlassen hat. Unser Appell richtet sich an die Gegenseite, wieder über die Zukunft von Dura in Plettenberg zu verhandeln.“

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3 KOMMENTARE

  1. Diese Verhandlungen sind hart aber das Automobil gescheft ist an für sich ein hartes gescheft ich denke wenn man sich gegen seitig entgegen kommt wird man sicherlich zur einem gutem Ergebnis kommen. Man darf es nicht vergessen alles ist immer ein geben und nehmen. Wichtig ist immer das beide Seiten zufrieden ist. Natürlich muss eine immer den kürzeren ziehen. Das ist das gleiche wie mit unsrem Lieferanten der Lieferant will natürlich noch weiter Liefern dafür muss er unsere Anforderungen erfühlen zu mindestens zu Gunsten der Fa.Dura das heißt er beißt irgend wo in das sauere Apfel schmeckt im nicht aber er tut es verdauen. Letzt etlich kommt mann zur eine Einigung. Ich meine hier mit müssen wir auch in einen sauren Apfel beißen, dass wird kommen ob wir es wollen oder nicht. Warum es so weit gekommen ist ? Diese Frage sollten wir uns intern Fragen. Da gibt es ein guter Sprich Wort befor man das Problem Extern gesucht wird sollte mann dies Intern suchen . Die Fa.Dura ist Stark und hat alles was es braucht mann muss nur mit dem was mann hat umgehen können zu richtigen Zeit die richtige Entscheidung treffen.

  2. a) Lustig nur, daß man immer auf die Klunker der Reichen schaut. Was ist ein Klunker für 950 Mitarbeiter? Null komma nix. Nehmen wir an, er kostete 100.000€, so sind es für alle einmalig 105€! Juhuu, die Firma ist gerettet. Selbst 1 Mill sind nur 1050€ für jeden – einmalig. Das bringt nix.
    b) Bin selber nicht reich, aber ich kann rechnen. Die Autozulieferer rechnen derzeit alles auf Null. VW sagte damals, die 6 Milliarden müssen hälftig von den Lieferanten abgezwickt werden. Jetzt wurden 14 Milliarden draus. Und die EU will, daß VW freiwillig an die VW-Besitzer etwas zahlt. Freiwillig, weil es hier nicht die verrückten Gesetze der usa gibt, die VW hätte brechen können. Bin selbst beim Zulieferer – wir kämpfen um jeden Cent!
    c) In dem Umfeld will die Gewerkschaft sich nichts diktieren lassen, steht der Mensch im Vordergrund blablablabla. Noch ein Problem obendrauf.

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