Als Valerij Kechter (Foto) 1994 von Kasachstan nach Deutschland übersiedelte, erwartete ihn zunächst ein Schock. Die Arbeitsvermittlung hatte für ihn keinen Job. Dabei ist Valerij Kechter ein vielseitiger Mann. In seiner Heimat hat er erfolgreich als Musiklehrer, Konzertmeister, Dirigent, Violinsolist und Klavierstimmer gearbeitet. Sollte die Musik in seinem Arbeitsleben keine Rolle mehr spielen? Das wäre eine Katastrophe gewesen. 20 Jahre später blickt er zurück und lacht.



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„Ich habe alles gehabt“

Bei seiner Verabschiedung aus den Diensten der Städtischen Musikschule Lüdenscheid erinnerte er sich. Er wurde wieder Musiklehrer, gab Konzerte mit dem Lüdenscheider Kammerorchester und stimmte sogar wieder Klaviere. „Ich habe alles gehabt, was ich für meine persönliche Entwicklung brauchte“, sagte der Vollblutmusiker bei der Feierstunde anlässlich der Verabschiedung in den Ruhestand.

Alles andere wäre für den Mann, der von der kasachischen Republik als „verdienter Künstler“ ausgezeichnet worden ist, wohl eine Tragödie gewesen. „Ich kann ohne Musik nicht leben“, bekennt er. Das war es wohl, was ihn zu der Eigeninitiative antrieb, die Bürgermeister Dieter Dzewas im offiziellen Dankesschreiben an Valerij Kechter hervorhebt.

Neustart alles andere als einfach

„Mit der Musik sind die 18 Jahre an der Musikschule wie ein einziger Augenblick verflogen“, blickte der Geigenlehrer am Mittwoch auf seine Zeit in Lüdenscheid zurück. Der Neustart in Deutschland war alles andere als einfach. In Kasachstan unterrichtete Valerij Kechter wenige sorgsam ausgewählte Schüler. „Viele von ihnen machten anschließend Karriere in internationalen Orchestern.“ In Lüdenscheid hatte er plötzlich bis zu 40 Mädchen und Jungen vor sich, die Geige spielen wollten oder sollten. „Nur wenige halten durch.“ Einige von denen, die nicht vorzeitig den Bogen aus der Hand legten, schafften mit Unterstützung von Valerij Kechter Top-Platzierungen beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ als Regional- und Landesebene.

Das Erfolgsrezept lautet „Üben, üben, üben . . .“

„Die Geige ist ein schwieriges Instrument“, sagt der Musiklehrer.  Es gebe nur ein Erfolgsrezept, nämlich: „Üben, üben, üben . . .“ Bei vielen Kindern und Jugendlichen sei das Interesse groß, ein Musikinstrument zu lernen, bestätigt Fachdienstleiter Franz Schulte Huermann. „Aber es gibt eben auch sehr viele Ablenkungsfaktoren.“ Dem stimmt auch Johannes Gehrung zu. Er tritt als Geigenlehrer an die Stelle von Valerij Kechter.

Kechter bleibt dem Lüdenscheider Kammerorchester treu

Moderne Formen der Zerstreuung werden den Neu-Ruheständler nicht von der Musik ablenken. „Klar werde ich erst einmal eine gewisse Zeit lang nichts tun. 50 Jahre Arbeit für die Musik haben mich erschöpft“, räumte er am Mittwoch ein. Dann geht’s aber gleich wieder los. „Ich werde meine Noten ordnen und mich meinen Schallplatten und CDs widmen.“ Der Geiger wird auch wieder Proben des Lüdenscheider Kammerorchester besuchen und bei Auftritten zu seinem Instrument greifen. Ach ja: „Wenn die Musikschule mal Hilfe brauchen sollten, bin ich jederzeit da“, versichert Valerij Kechter. Als Vollblutmusiker kann er eben nicht von seiner Leidenschaft lassen.

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