Mit grünen Luftballons machten Gegner der Windenergieanlagen vor dem Rathaus auf sich aufmerksam. Foto: Bernhard Schlütter
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Plettenberg. Großes Interesse fand die Informationsmesse Windenergie, zu der die Stadtverwaltung am Donnerstag (16. März) in den Ratssaal eingeladen hatte. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nutzen die Gelegenheit, sich über die in Planung befindlichen Konzentrationszonen für Windenergie, die ggf. damit verbundenen Baumaßnahmen und möglichen Folgen kundig zu machen. Gut war vor allem, dass nicht allein Projektentwickler und Befürworter von Windkraftanlagen vertreten waren, sondern auch die Gegner von Windrädern in Plettenberg und generell ihre Positionen darstellten. So konnten sich die Besucher/-innen ein komplettes Bild machen, das zur Meinungsbildung beiträgt.

3000 qm pro Windrad

Foto: Bernhard Schlütter

Am Stand der PNE AG, die die Windräder auf der Hohen Molmert und auf den Höhen über dem Lennetal bei Ohle (Lenne-West) bauen will, informierte u.a. Projektentwickler Matthias Tiedemann Interessierte über die Auswirkungen während der Bauzeit. „Jedes Windrad beansprucht nach der Fertigstellung eine Fläche von etwa 3000 Quadratmetern“, schilderte er. Dazu kämen noch mal 2000 qm während der Aufbauphase. Die benötigten Wege im Wald müssten auf 4,50 Meter Breite ausgebaut werden. Anhand von Visualisierungen zeigte er in einer Präsentation, wie die Windräder von verschiedenen Standpunkten im Stadtgebiet zu sehen sein würden. Die Wege würden nach der Aufbauphase so weit zurückgebaut, dass Wartungs- und Rettungsfahrzeuge zu den Anlagen gelangen können. Für die durch die Windenergieanlagen beanspruchten Flächen würden in gleicher Größe Ausgleichsflächen im Sinne des Naturschutzes geschaffen. „Nach 20 Jahren werden die Anlagen komplett zurückgebaut und die ursprüngliche Fläche wieder hergestellt“, erklärte Tiedemann. Dafür müsse z.B. PNE schon beim Bau der Anlagen eine finanzielle Rücklage bilden.

Ausgleichsmaßnahmen vorgeschrieben

Für und wider Windenergie – im Ratssaal hatten beide Positionen Platz. Foto: Bernhard Schlütter

Das unterstrich Lukas Siebert vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Auf lange Sicht würden die Waldflächen gleichsam verdoppelt. Darüber hinaus strebe Wald und Holz an, dass das Land NRW die Erträge aus Windkraft in klimafreundliche Maßnahmen investiert. „Die Kommune kann durch Gewerbesteuereinnahmen profitieren, aber auch durch die vorgeschriebene Wiederherstellung von Straßen nach Abschluss der Baumaßnahmen“, zählte Siebert auf. Der Landesbetrieb sei grundsätzlich um den Ausgleich zwischen den verschiedenen Interessen bemüht. Dazu zähle auch die gleichmäßige Verteilung von Entschädigungszahlungen unter Grundstücks- bzw. Waldbesitzern und anderen Nutzern wie Jägern.

Windräder gehören nicht in den Wald

Foto: Bernhard Schlütter

Windräder sind gleichzusetzen mit Industrieanlagen und gehören nicht in den Wald: Diese Position vertritt der Verein Gegenwind Plettenberg. Mit vielfältigem Informationsmaterial wiesen die Mitglieder um den 1. Vorsitzenden Robert Lützenkirchen auf gesundheitliche Risiken von Windrädern für Menschen hin, aber auch auf die ihrer Überzeugung nach verheerenden Folgen für Tiere und Landschaft. Gegenwind Plettenberg e.V. zweifelt nach wie vor das erstellte Artenschutzgutachten für Hohe Molmert/Wüstung Höhe und Lenne-West an. „Wir haben Vorkommen vom Roten Milan und Schwarzstorch nachgewiesen und Horst-Standorte dokumentiert, aber davon will der Gutachter nichts wissen“, prangerte Robert Lützenkirchen an. Positiv stellt er fest, dass die Windkraftgegner nach wie vor im Dialog mit den Ratsmitgliedern und der Verwaltung ständen. „Leider nicht mit dem Bürgermeister“, merkte Lützenkirchen an. Ulrich Schulte war allerdings während der Informationsmesse im Ratssaal und führte auch am Stand von Gegenwind Plettenberg lange Gespräche.

Teilnehmer der Informationsmesse

  • Stadtverwaltung Plettenberg
  • Energie-Agentur NRW
  • Netzwerk Windenergie NRW
  • Landesbetrieb Wald und Holz NRW
  • Gegenwind Plettenberg e.V.
  • Gegenwind Südwestfalen
  • PNE Wind
  • CUBE Engineering GmbH
  • Büro für Landschaftsplanung Mestermann

Windenergieanlagen Thema in Ratssitzung

In der Ratssitzung am Dienstag, 21. März (17 Uhr), wird die Verwaltung über den Verfahrensstand bei der Änderung des Flächennutzungsplans zur Darstellung von Konzentrationszonen für Windenergieanlagen berichten. In der Sitzungsvorlage wird dieser bereits grundsätzlich dargestellt.

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1 KOMMENTAR

  1. Wie schade, dass man wieder der Industrie und insbesondere der Energiewirtschaft den Vortritt vor der Natur geben will. Wo die Natur mit ihren zusammenhängenden Wäldern und Bächen doch (vor allem auf der hohen Molmert und im dortigen Gebirge) zu den unbestrittenen Potenzialen der Stadt Plettenberg gehört. Den positiven Aufwind, den der P-Weg und das sporteln in den Wäldern rund um Plettenberg der Stadt eingebracht hat, wird so blitzschnell wieder zunichte gemacht. Und anstatt dieses Potenzial zu nutzen und zu fördern, zerstört man es unwiederbringlich, Alternativen werden nicht aufgezeigt. Seltene Tierarten, wie der Rotmilan, werden vertrieben oder getötet. Nicht dass die Anwohner der netten kleinen Dörfchen in unmittelbarer Umgebung wie Grimminghausen, Selscheid, Erkelze, Winterhoff etc. nicht schon genug von ihrer Lebensqualität hätten abgeben müssen. Der Verkehr zum Aquamagis, den man auch ohne weiteres woanders herleiten könnte, ist dort beträchtlich und der Müll, den die Insassen arglos aus dem Fenster ihres PKW werfen, tut sein Übriges.
    Als ich dort vor kurzem spazieren war, traute ich meinen Augen nicht, wie viel Müll dort an den Dorfstraßen liegt. Hier schafft es die Stadt ja noch nicht einmal die Natur zu bewahren, im Gegenteil. Der dort liegende Plastikmüll wird einmal im Jahr mit samt dem Bewuchs durch das Mähwerk gejagt und zerkleinert liegen gelassen. Gelangen die Giftstoffe halt noch besser und schneller ins Grundwasser.
    Da fehlen mir echt die Worte, passt aber traurigerweise ins Gesamtbild der derzeitigen Politik.

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