Vor der Gefahr durch Wildunfälle im frühjahr warnt die TÜV-Station in Lüdenscheid. Foto: TÜV

Lüdenscheid.  Mal trotten Wildschweine über die Straße, mal springt ein Reh auf die Fahrbahn. Fast 250.000 Unfälle mit Wild gab es allein im Jahr 2013 auf deutschen Straßen. Dabei bleibt es meist nicht bei Schäden an Tier und Blech. Die Experten der TÜV-Station Lüdenscheid verraten, wie man das Risiko eines Wildunfalls verringern kann und was im Fall des Falles zu tun ist.

Nicht nur dort, wo Warnschilder stehen, steigt jetzt das Risiko von Wildunfällen, wenn die Tiere auf der Suche nach frischem Gras oder neuen Revieren Straßen kreuzen. „Bei Tempo 60 prallt ein kleiner Rehbock mit einer Wucht von etwa einer Tonne auf das Fahrzeug“, so Dieter Renner, Leiter der TÜV-Station Lüdenscheid. „Bei einem ausgewachsenen Rothirsch sind es sogar fast fünf Tonnen – das entspricht dem Gewicht eines Elefanten.“

Vorausschauend fahren

Die TÜV-Experten raten: „Vor allem in den Morgenstunden und der Abenddämmerung sollte man jetzt besonders aufmerksam, vorausschauend und etwas langsamer fahren und beide Straßenränder gut im Auge behalten.“ Nachts sollte man so häufig wie möglich mit Fernlicht fahren, denn in den Lichtkegeln wirken die Augen der Tiere wie Reflektoren und eine mögliche Gefahr lässt sich früher erkennen. „Wenn Tiere im Scheinwerferlicht auftauchen, sollte man abblenden, damit sie nicht auf das Licht zulaufen“, sagt TÜV-Fachmann Dieter Renner. „Kurzes Hupen kann die Tiere verscheuchen.“ Außerdem gilt: Ein Tier kommt selten allein. Bei einem einzelnen Reh am Fahrbahnrand unbedingt das Tempo drosseln – der Rest der Gruppe ist sicher nicht weit.

Wenn es zu einem Unfall kommt, ist die Reaktion des Fahrers besonders wichtig, um die Folgen so gering wie möglich zu halten. „Auf keinen Fall sollte man dem Tier ausweichen“, warnt Renner. „Bei einem Ausweichmanöver kommt der Wagen möglicherweise ins Schleudern. Man läuft Gefahr, von der Straße oder in den Gegenverkehr zu geraten.“ Daher gilt: Wenn ein Tier auf der Fahrbahn auftaucht, rasch abbremsen, gegebenenfalls abblenden und kurz hupen. Wenn das Wild nicht wegläuft und ein Aufprall unausweichlich ist, sollte der Fahrzeugführer das Lenkrad ruhig und fest halten und versuchen, die Spur zu halten – trotz aller Tierliebe. „Das Verletzungsrisiko ist so deutlich geringer für den Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer“, erklärt Renner.

Unfall melden und dokumentieren

Wie bei anderen Unfällen auch gilt es anschließend, den Unglücksort zu sichern: Warnblinker anschalten, die Warnweste anziehen und Warndreieck aufstellen. Außerdem gilt die Unfallmeldepflicht bei der Polizei: „Wer den Zusammenstoß mit einem Tier nicht meldet, selbst wenn das Tier ihn überlebt hat, begeht Fahrerflucht“, warnt Renner. Die Polizei verständigt auch den zuständigen Jäger, der sich um das angefahrene Tier kümmert. „Bei Schäden am Auto ist es zudem sinnvoll, den Schaden für die Versicherung zu dokumentieren“, rät der Stationsleiter. Die TÜV-Experten in Lüdenscheid können mit einem Schadengutachten helfen.

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