Das Logo der IG Medien, einer der Nachfolgeorganisationen der Industriegewerkschaft Druck und Papier. Horst Wisotzki hat über Jahrzehnte das Leben dieser Gewerkschaft in der Region geprägt. (Repro: Maliga)

 

Von Klaus Maliga

Hagen. Hagen, Haspe und die Gewerkschaftsbewegung der Region trauern um Horst Wisotzki senior: Am Dienstag, 26. Juli, ist der langjährige SPD-Politiker und Gewerkschafter im Alter von 92 Jahren gestorben.

Horst Wisotzki senior verkörperte den aufrechten „Kümmerer“, der sich ohne Eigennutz der Sorgen der Menschen annahm, mit Überzeugungskraft und Hartnäckigkeit gegen Ungerechtigkeiten anging, sich einmischte, weil Demokratie ohne das Engagement der Bürger nun einmal nicht funktioniere.

Von Ostpreußen nach Haspe

Für den gebürtigen Ostpreußen, der schon als Kleinkind nach Haspe kam, bedeutete diese Haltung im gesellschaftlichen Rahmen vor allem den Einsatz für den Stadtteil Haspe und die Arbeitskollegen im Bereich der damaligen Gewerkschaft Druck und Papier. Denn der gelernte Schriftsetzer war von 1949 an bei dem Hagener Unternehmen Gustav Butz & Co beschäftigt, das später von der Firma „Westdruck“ übernommen wurde. Bei „Westdruck“ war der kämpferische Gewerkschafter von 1955 an Betriebsratsvorsitzender und blieb es, bis er Mitte der 1970er-Jahre entlassen wurde.

Kündigung war Politikum

Die Kündigung Horst Wisotzkis hatte seinerzeit großes Aufsehen erregt, war es doch allgemein als Reaktion des Unternehmens auf seinen Einsatz für die „Westdruck“-Kollegen im Druckzentrum in Bathey verstanden worden. Die Druckbranche stand im wirtschaftlichen und technischen Umbruch; auch die schreibenden Kollegen standen vor einem neuen Selbstverständnis: Viele Journalisten sahen sich und ihre berufliche Interessenvertretung bei der IG Druck und Papier besser aufgehoben als bei ihrer Standesorganisation. – Journalismus und Industriegewerkschaft, dass dies in so großer Zahl zusammenging, war in der damaligen Bundesrepublik als Folge der 1968er-Zeit ein neues Denken, auch wenn die organisatorischen Voraussetzungen schon viel früher bestanden. In diesem Kontext war die Gewerkschaft damals eine politische Kraft; Horst Wisotzki und sein kämpferisches Handeln wurden Vorbild und legendär unter den Kollegen. Heute ist die IG Druck und Papier in ver.di, also der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft aufgegangen. Dass das Druckzentrum in Bathey dennoch ein verlässliches Standbein in den gewerkschaftlichen Tarifkämpfen ist – an dieser Prägung hat Horst Wisotzki senior großen Anteil.

Drei Jahrzehnte an der Spitze

Nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit fasste der nun ehemalige Betriebsratsvorsitzende als Organisationssekretär beim Deutschen Gewerkschaftsbund am Standort Iserlohn beruflich neu Fuß. Diese Aufgabe erfüllte er bis zu seiner Pensionierung. Ehrenamtlich hatte Wisotzki seit 1955 auch den Vorsitz des damaligen Bezirks Hagen der IG Druck und Papier inne; Wisotzki war somit rund drei Jahrzehnte lang für das gewerkschaftliche Leben im Bereich Südwestfalen verantwortlich.

Streiter für die Interessen der Bürger

Für Haspe war der Horst Wisotzki, der Vater dreier Söhne und einer Tochter war, der erste Bezirksbürgermeister nach der kommunalen Neugliederung von 1975, bei der dieses Amt geschaffen wurde. Auch hier war er ein tatkräftiger Streiter für die Bevölkerung, die mit der Schließung der Hasper Hütte einen schweren Strukturwandel stemmen musste. 1984 gab er das Amt des Bezirksvorstehers an Karl-Adolf Duhme ab.

Die Trauerfeier für den Verstorbenen, der auch Träger des Bundesverdienstkreuzes war, ist am 2. August um 11 Uhr in der Andachtshalle des Hasper Friedhofes.

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