Der THW-Ortsverband Lüdenscheid feierte einen gut besuchten "Tag der Offenen Tür". Fotos: Kannenberg

Lüdenscheid. Am Samstag, 2.5.2015 lud der THW-Ortsverband Lüdenscheid zu seinem diesjährigen „Tag der offenen Tür“. Der bestens besuchte Tag begann mit einer Ordensverleihung an den Ortsvorsitzenden Herrn Klaus Cordt für seinem jahrzehntelangen Einsatz für das THW. Dazu gaben sich die Politiker aller Parteien und Vertreter des THW-Landesverbandes ein Stelldichein.

Klaus Cordt (mitte) wurde für seinen jahrzehntelangen Einsatz für den THW mit einem Orden ausgezeichnet.
Klaus Cordt (mitte) wurde für seinen jahrzehntelangen Einsatz für das THW durch Herrn Walter Aperdannier (rechts) Geschäftsführer des Landesverbandes in Dortmund mit dem Ehrenzeichen in Bronze geehrt.

Der Tag richtet sich besonders an die an diesem langen Wochenende daheim gebliebenen Familie und ihre Kinder. Extra dafür hatte das THW 3 Hüpfburgen geordert. Es wurde gespielt, gegessen und gefeiert. Das Wetter spielte mit. Die Stimmung war gut. Was für Kinder und Erwachsene besonders interessant war, waren die praktischen Vorführungen der beiden besonderen Sägen, die das THW als Bergungseinheit dringend benötigt.

Das Publikum durfte dabei zusehen, wie diese beiden Spezial-Sägen Beton und auch Glas schnitten. Das besondere daran: Die Betonsäge schneidet erschütterungsfrei und kommt besonders nach Erdbeben oder Explosionen mit Verschütteten zum Einsatz. Eine Innovation, die Menschenleben rettet. Erschütterungsfreies Sägen ermöglicht ein „Hineinschleichen“ in Betonberge. Zum Beispiel in Krisengebieten, in denen Personen verschüttet wurden, können die Helfer sich so vorsichtig an die Verschütteten heran arbeiten. Derzeit kommt die Säge zum Beispiel im Erdbebengebiet in Neapel zum Einsatz.

Diese Sägen retten Menschenleben. Z.B. gerade in Nepal.
Diese Säge rettet Menschenleben, z.B. gerade in Nepal.

Das gleiche gilt für Säge Nummer zwei, durch die es möglich ist, Glas splitterungs- und erschütterungsfrei zu durchschneiden. Eine Säge, die bei schweren Zugunglücken zum Einsatz kommt. Der THW ist bei dem Kauf dieser Säge auf Spenden angewiesen und würde sich sehr freuen, wenn es Menschen gäbe, die ihn dabei unterstützen würden. Angesichts der Tatsache, dass jeder Bürger vielleicht einmal in so eine Katastrophen-Situation kommen könnte und dann der Einsatz des THW ihm vielleicht das Leben rettet, ist es doch verwunderlich und beschämend, dass das Geld für so eine wichtige Innovation vom Träger nicht einfach zur Verfügung gestellt wird. Spenden sind hier daher  ausdrücklich erwünscht.

THW Nachwuchs.
THW-Nachwuchs;-)

Ein wenig zur Geschichte des THW-Lüdenscheid: Der THW-Ortsverband-Lüdenscheid wurde am 25. September 1952 von Erich Paßmann gegründet. Die erste Unterkunft bezog man mit 14 Helfern im 4. Obergeschoss der Bergsche-Fabrik in der Gustav-Adolf-Str. Die heimische Holzindustrie spendete fleißig Kant- und Rundhölzer, so dass auch geübt werden konnte.

Das erste Fahrzeug des THW-Lüdenscheid war ein Fahrrad und von 1954 bis 1960 zog der THW vom 4. Obergeschoss in eine Lagerhalle auf dem Bundesbahngelände um, wo er allerdings 1962 wieder hinaus musste und in einer alten Ziegelei unterkam. Hier hatte man dann auch die drei ersten richtigen Fahrzeuge und durfte sich vom Fahrrad verabschieden. Dazu kamen drei aktive Sprengmeister. In einem Ortsverband. Demzufolge sah man im ganzen Umkreis von Lüdenscheid keine höheren Industrieschornsteine mehr.

Zum Glück kein Fahrrad, sondern eine Lebensrettungsinsel auf vier Reifen.
Zum Glück kein Fahrrad, sondern eine Lebensrettungsinsel auf vier Reifen.

1970 musste die alte Ziegelei dann auch verlassen werden und 1971 wurde die Unterkunft in Gevelndorf bezogen. Der jetzige Neubau auf Bundesgelände wurde 1987 in Auftrag gegeben und am 14. Mai 1988 fand die Einweihung statt. Das THW-Lüdenscheid hat sich fest dazu entschlossen, sich von niemandem mehr von dort vertreiben zu lassen und die nächsten 100 Jahre dort zu bleiben. Wäre schön, wenn es das schaffen würde!

Der Tag der offene Tür war denn auch sehr gut besucht. Kleine und große Besucher staunten über den Fahrzeugpark des THW, den man normalerweise ja nur von weitem zu sehen bekommt. Oder im Vorbeifahren. An diesem Tag wurde alles ganz genau erklärt und man durfte sich auch einmal hinter das Steuer setzen. Natürlich ohne Schlüssel zum Starten. Überhaupt sah man ganze Familien, die dem THW als Ehrenamtliche dienen. Großvater, Vater und die Kinder, alle in THW-Uniform. Dabei auch viele Mädchen, die mindestens genauso begeistert ihre Uniform tragen wie die Jungen und genauso engagiert sind.

Maximilian Lowisch, Mitglied beim Stab des THW Lüdenscheid freute sich über den Besuch des Wuppertaler THW. Auch aus Essen, war der THW extra angereist, um die Lüdenscheider zu besuchen. Die Ortsgruppen verstehen sich.
Maximilian Lowisch (mitte), Mitglied beim Stab des THW Lüdenscheid freute sich über den Besuch des Wuppertaler THW. Auch aus Essen waren THWler extra angereist, um die Lüdenscheider zu besuchen. Die Ortsgruppen verstehen sich.

Ehrenamt hat auch beim THW, der fast nur aus Ehrenamtlichen besteht, eine tragende Funktion. Schön, dass es immer wieder aufs neue und generationsübergreifend Menschen gibt, die sich für andere engagieren und dabei sogar ihr Leben einsetzen.Und zwar ohne wenn und aber.

Einer der spektakulärsten Einsätze, die der THW-Lüdenscheid in den letzten zwei Jahren mitgemacht hat, war der Einsatz bei der Flut um Magdeburg herum. Der Einsatzbefehl kam Samstagnachmittag um 16 Uhr und um 18 Uhr gings von Hagen aus schon ins Katastrophengebiet. Hier wurde dann gemeinsam mit Feuerwehr und Bundeswehr fünf Tage lang die Flut bekämpft, Menschen gerettet, Wasser aufbereitet.

Auch bei dem Sturmtief Elon im Juni letzten Jahres wurde der Lüdenscheider THW ins Ruhrgebiet abkommandiert, um dort die vielen Schäden zu beheben und da zu helfen, wo in den teilweise schlimm verwüsteten Städten, wie Essen, Not am Mann war.

Jungen und Mädchen sind gleichermaßen willkommen beim THW.
Jungen und Mädchen sind gleichermaßen willkommen beim THW.

Die Lüdenscheider können wirklich stolz sein auf ihre Ortsgruppe des THW. Motivierte, gute Leute, die es zu unterstützen gilt. Sie brauchen, wie alle Ehrenämter, noch mehr Nachwuchs, Menschen, die Lust haben, etwas sinnvolles mit ihrer Freizeit anzufangen und nicht nur zu nehmen, sondern auch etwas zurückzugeben. Was man davon hat? Das Gefühl, Teil von etwas Außergewöhnlichem zu sein. Von etwas, das bleibt und unser aller Leben aktiv gestaltet und berührt. Sogar Leben rettet. Das sollte Motivation genug sein.

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