Claudia Vogel (links) und Gülcan Aktas von der Migartions- und Integrationsstelle der AWO, Lüdenscheid. Fotos: Kannenberg Design & Kommunikation.

Lüdenscheid. Nichts wird im Moment so kontrovers in unserer Gesellschaft diskutiert wie das Thema „Flüchtlinge und Migranten“. Die einen sind dafür, die Türen unseres Landes weit aufzumachen, sind hilfsbereit und offen für die Menschen, die aus anderen Ländern zu uns kommen, die anderen sind strikt dagegen und greifen mitunter sogar zur Gewalt, um dieser Einstellung Nachdruck zu verleihen. Welcher vernünftige Bürger hätte sich nicht schon einmal fremdgeschämt für das Verhalten und die eher peinlichen Kommentare so mancher Mitbürger, die auch heute noch meinen, dass Deutsch-Sein sei allein ihr Verdienst und nicht einfach der Tatsache geschuldet, das man ohne irgendwelches eigene Zutun das große Glück hatte, im sogenannten „Wohnzimmer der Welt“ geboren zu sein.



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Flüchtlingsdiskussion zieht weite Kreise

Die Flüchtlingsdiskussion zieht sich durch alle Kreise und Gesellschaftsschichten und manchmal hat man den Eindruck, die Kluft zwischen Vernunft, Verständnis und Hilfsbereitschaft oder ganz einfach roher Gewalt wird immer größer. Hier stößt so mancher an seine Grenzen und blickt eher hilflos auf die nicht immer nur verbalen Schlachten, die sich die einzelnen Meinungsträger da unter anderem liefern.

Nichtsdestotrotz läuft, fast unbemerkt, schon lange im Hintergrund eine ganze „Maschinerie“ von Hilfsangeboten für anerkannte und nicht-anerkannte Flüchtlinge, die dafür sorgt, dass sich Menschen, die in unserem immer noch sehr, sehr reichen Land Schutz suchen, aus welchem Grund auch immer, nahtlos in unsere Gesellschaft integrieren können.

Arbeitsmarkt braucht Nachwuchs

Dazu gehören auch die Bürger aus den EU-Ländern, die oft einfach aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland einwandern, um hier, in einem Land, das bis vor kurzem noch seine Überalterung beklagte und ganz real dringend Nachwuchs in allen Bereichen der Arbeitswelt sucht, Arbeit zu finden.

Oft sind das die Besten aus ihren eigenen Ländern, die trotz Ausbildung, Studium oder beidem in ihrer jeweiligen Heimat einfach keine Arbeit finden und sich nun, zum Wohle unserer Gesellschaft, dem deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stellen. Das heißt, dass wir auch hier als Gesellschaft mitnichten nur eine soziale Last tragen, sondern mehr als genug von der Tatsache profitieren, dass andere Ländern es sich gerade leisten können oder müssen, ihre oft gut ausgebildete und dazu meist junge Bürgerschaft an Länder wie Deutschland zu verlieren, das sich freuen darf, mit diesem Potential an Menschen, die Lücken zu schließen, die durch eine eher kinderfeindliche Politik in unserem mittlerweile überalterten Land entstanden ist. Denn SO darf man das durchaus auch einmal sehen, statt sich nur über Zuwanderung zu beklagen.

Die AWO ist …

Die AWO ist eine Einrichtung, die sich schon viele Jahrzehnte der Integration von EU- und Nicht-EU-Bürgern verschrieben hat. Die AWO wurde bereits 1919 durch die Sozialdemokratin Marie Juchacz gegründet und hatte von jeher das Ziel, Massenverelendung – damals noch der deutschen Arbeiterschaft – durch praktische Selbsthilfe in einer Vielzahl von Diensten und Einrichtungen zu begegnet. Die AWO unterhielt und unterhält Mittagstische, Werkstätten und Beratungsstellen. Heutzutage eben auch die Beratungsstelle für Migration und Integration direkt neben dem Lüdenscheider Job-Center.

Beratungsstelle für Migration und Integration

Claudia Vogel, Leiterin der Migrationsstelle
Claudia Vogel, Leiterin der Migrationsstelle

Begrüßt werde ich an diesem Tag von den beiden Frauen, die das Ganze stemmen. Gülcan Aktas ist für die Integrationsagentur (IA) zuständig, Claudia Vogel leitet die Migrationsberatung für erwachsene Erstzuwanderer (MBE). Die zwei Frauen sind mir sofort sympathisch, ich fühle mich wohl in ihrer Gegenwart.

Ich bekomme Kaffee und sitze schon nach wenigen Minuten ganz entspannt zwischen den beiden. Es entsteht ein zwangloses Gespräch über die Arbeit der beiden Frauen, die im Moment eigentlich unterbesetzt sind und denen man anmerkt, dass sie trotzdem oder gerade deswegen mit ganzen Herzen dabei sind.

Zwischendurch wird immer wieder geklopft und Menschen unterschiedlichster Couleur stecken den Kopf durch die Tür. Alle haben Anliegen, Gülcan geht zwischendurch raus, um uns nicht zu stören. Dann sitzen wir wieder beisammen und ich bekomme sehr, sehr schnell einen Eindruck davon, was diese Beratungsstelle leistet. Beide Beraterinnen sprechen mehrere Sprachen, die sie auch brauchen, denn hierhin kommen viele anerkannte Flüchtlinge aus der ganzen Welt, um sich über deutsche Spachkurse zu informieren, Hilfe bei der Wohnungs- und Arbeitssuche zu finden und vieles mehr.

Großer Andrang in der Beratungsstelle

Eigentlich geht es um das komplette Leben der Neuankömmlinge. Wobei nicht nur anerkannte Asylanten hierher kommen, sondern eben auch migrationswillige EU-Bürger. Die Beraterinnen gehen auf Wunsch zudem mit zu Ämtern, setzen sich dazu und übersetzen, klären und helfen, wo sie können. Wobei man sich sehr schnell fragt, wann genau die zwei das alles machen, denn das ganze Haus ist an diesem Tag voller Menschen. Alleine in der Stunde, die ich dort verbringe, stecken vier Beratungssuchende den Kopf durch die Tür, drei sitzen vor der Tür und weitere vier kommen mir entgegen, als ich gehe. Abgesehen von den vielen Frauen mit ihren Kindern, die an diesem Tag das Haus bevölkern, die Angebote der zahlreichen Beratungsstellen der AWO in Anspruch nehmen oder einfach nur zusammensitzen und Gemeinschaft pflegen.

Ein Haus voller Leben

Gülcan Aktas, Leiterin der Intergrationsstelle.
Gülcan Aktas, Leiterin der Intergrationsstelle.

Dieses Haus ist voller Leben. Man wird sofort von dieser Lebendigkeit erfasst, sobald man die Räume betritt. Als ich Gülcan und Claudia frage, ob ihnen das nicht manchmal zu viel wird, lachen beide und verneinen. Ok, es geht oft sehr turbulent zu, da sind sie sich einig, aber es ist eben auch ein gutes Gefühl, in diesen besonderen Zeiten etwas für die Menschen tun zu können, zu sehen, wie sie sich integrieren, eigenständig werden, die Sprache lernen und dann irgendwann ganz auf eigenen Beinen stehen können.

Und beide betonen mehrmals, dass 99 Prozent der Einwanderer so schnell wie möglich Deutsch lernen möchten, um so schnell wie es irgendwie geht, Arbeit zu finden und eben KEINE Belastung dazustellen für das Land, das sie aufgenommen hat. Was dem landläufigen Vorurteil, die Migranten kämen nur zu uns, um die Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen ein weiteres Mal komplett den Wind aus den Segeln nimmt.

Der Job ist Herzenssache

Anrührend auch die Besorgnis, mit der die beiden das, was sich gerade weltweit an Flüchtlingsdrama abspielt, zur Kenntnis nehmen. Für die beiden Frauen ist ihr Job nicht bloß Job, sondern eben auch Herzenssache. Gut, wenn man sich als Fremder so gut aufgenommen fühlen darf.

Claudia Vogel leitet die Migrationsstelle und unterstützt damit Menschen, die noch nicht länger als drei Jahre in Deutschland sind oder gerade hier ankommen. Die Beratung ist breit gestreut: Sie vermittelt Sprach- und Integrationskurse, berät die Hilfesuchenden bei den vielfältigen Fragestellungen, die mit dem Leben in Deutschland verbunden sind und vermittelt ihnen weitere Unterstützung zu anderen Beratungs- und Informationsdiensten, wenn das nötig sein sollte. Diese Beratungen sind selbstverständlich vertraulich und kostenfrei. Wer einen Termin bei ihr machen möchte, erreicht sie unter:

Migrationsberatung für erwachsene Erstzuwanderer (MBE)
Frau Claudia Vogel
Lüdenscheid – Christine-Schnur-Weg 3 (ehemals Duisbergweg 3), 58511 Lüdenscheid, Tel: 02351 381898, Fax: 02351 390523, Mail: vogel@awo-ha-mk.de
Lüdenscheid – (im Kreishaus) Heedfelder Str. 45, Dienstag 9 – 12 Uhr; Raum 70. Anmeldung unter 02351 381898

Gülcan Aktas ist zuständig für die Integrationsagentur (IA) und teilt sich mit Claudia Vogel einen Raum. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Unterstützung und Zusammenarbeit in Projekten, bei der Weiterbildung für Familiendienste, die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen, die Organisation und Durchführung von Seminaren und Kursen zusammen mit Integrationsräten, Kindertagesstätten, Familienzentren und vielen anderen. Beratungen von Einzelpersonen finden nur im Ausnahmefall statt, ihre Aufgabe ist es eher, zusammen mit den Hilfesuchenden eine Brücke zu den anderen Beratungsdiensten zu schlagen oder den Kontakt zu anderen Wohlfahrtsverbänden herzustellen. Wer einen Termin mit Frau Aktan machen möchte:

Integrationsagentur Lüdenscheid (zuständig für Lüdenscheid, Werdohl, Meinerzhagen, Kierspe): Frau Gülcan Aktas, Christine-Schnur-Weg 3 (ehemals Duisbergweg 3), 58511 Lüdenscheid, Tel: 02351 381898, Fax: 02351 390523, Mail: aktas@awo-ha-mk.de.

Die AWO bietet zudem viele andere Angebote im Bereich „Soziale Dienste für Menschen mit Migrationshintergrund“ an. Auch und ganz speziell für jugendliche Migranten über den Jugendmigrationsdienst im südlichen Märkischen Kreis.

Wer sich informieren möchte oder Hilfe braucht, findet unter diesem Link ein entsprechendes Angebot: http://www.awo-ha-mk.de/mastercms/templates/index.php5?Select_id=35520c50-01d3-9513-2544-036c6245d9d4

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1 KOMMENTAR

  1. Ich denke, dass es nicht nur schwarz und weiss gibt, also solche, die dafür oder dagegen sind.
    Die Frage ist ja auch, wie es stattfindet und wieso.
    Nicht sollen ein paar Millionen Einwanderer aus Afrika/Nahost mal eben integriert werden, die aus wirtschaftlichen Gründen oder jugendlichem Leichtsinn die Reiselust packte.
    Ich wusste nicht, dass die AWO hier eine Rolle übernommen hat, erstaunlich.
    Mich würde mal interessieren, was Arbeiterwohlfahr macht, wenn eine zwangsverheirates Kind kommt, was dann gemacht wird. Das ist ja eins der Elends dieser Länder.
    Man sollte auch einiges mal hinterfragen oder?
    Viele dieser Mädchen sind nun hier und viele bringen sich in der Heimat wegen dem Missbrauch um.
    Ich würde mich freuen, wenn mehr hinterfragt wird, was hier eigentlich los ist.

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