Theaterwerkstatt Schalksmühle
Sven Schneider (Mitte) als Vincent Larchet versteht die ganze Aufregung nicht.

Schalksmühle. Ein argloser Scherz führt im neuen Stück der Theaterwerkstatt Schalksmühle zur Explosion. Weil der erfolgsgewohnte Makler Vincent Larchet bei einem Abendessen mit Freunden ankündigt, seinen Sohn Adolphe nennen zu wollen, wird der Abend zum Desaster. „Das ist kein Vorname, sondern die Verherrlichung von Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, empört sich Gastgeber Pierre Garaud, Professor für Literatur und ganz linksliberaler Bildungsbürger. Niemand dürfe sein Kind nach Adolf Hitler benennen. Was sich daraus entwickelt, genoss das Premierenpublikum am Samstag, 24. Januar, im PZ Löh in vollen Zügen.

Misstöne am marokkanischen Büffet

Die treuherzige Erklärung, der romantische Schriftsteller Benjamin Constant habe mit dem Roman „Adolphe“ die Vorlage für die Namensgebung geliefert, verfängt in der kleinen Gesellschaft nicht. Pierres Gattin Elisabeth ist ebenso entrüstet wie der gemeinsame Freund Claude. Anna, die Gattin des Maklers, ahnt von den Misstönen am marokkanischen Büffet der Garauds noch nichts. Die werdende Mutter trifft mit erheblicher Verspätung ein.

Theaterwerkstatt Schalksmühle
Das zunächst friedliche Essen am marokkanischen Büffet der Garauds ufert später völlig aus.

Großbürgerliche Spielchen

Die Freunde streiten gern und oft. Ein großbürgerliches Spielchen. An diesem Abend aber entzündet sich ein vergifteter Zank – jeder gegen jeden. Die „Adolf“-Idee jedenfalls lässt Höflichkeitsfassaden fallen. Schließlich nutzt es auch nichts, als klar wird, dass die werdenden Eltern den Sohn nach dem Vater von Vincent und Elisabeth „Henri“ nennen wollen.

Plötzlich liegen die Nerven blank

Intellektuelle Dünkel, Vorurteile, unterdrückte Konflikte feiern fröhliche Urstände, Missverständnisse werden produziert, Be- und Empfindlichkeiten ausgelebt, Persönlichkeitsmacken angeprangert, alte Rechnungen beglichen und Wunden aufgerissen. Sven Schneider als Vincent Larchet glänzt dabei als Provokateur. Ständig wechseln dabei die Fronten, Koalitionen, Täter- und Opferrollen. Schließlich liegen die Nerven der kleinen Gesellschaft blank. Familiengeheimnisse werden offenbart und Beziehungen scheinen plötzlich in Trümmern zu liegen. Elisabeth verzieht sich ins Schlafgemach, Anna braust in Begleitung von Claude mit dem Wagen ihres Gatten nach Hause. Zurück bleiben Makler Vincent und Gastgeber Pierre, die ihren Kummer in Alkohol ertränken.

Happyend ohne Feindseligkeiten

Mit dem Stück „Der Vorname“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patelliere, als Drehbuchautoren seit vielen Jahre ein bewährtes und erfolgreiches Team, hat die Theaterwerkstatt eine turbulente und höchst unterhaltsame Komödie ausgewählt. Sie kratzt am bürgerlichen Selbstbildnis und zeigt, wie schäbig auch gut situierte Persönlichkeiten auftreten können, wenn sie erst einmal richtig in Fahrt kommen. „Der Vorname“ ist das erste Theaterstück des Autorenteams und zugleich ein großer Publikumserfolg. Zurzeit wird das Werk mit dem Originaltitel „Le Prénom“ in mehr als 15 Ländern gespielt.

Beim Happyend sind übrigens alle Feindseligkeiten wieder begraben. Anna und Vincent bekommen keinen Sohn, sondern eine Tochter. Pech eben, wenn ein Ultraschallbild falsch interpretiert wird. So wird Henri zu Francoise, benannt nach der Mutter von Anna und Vincent. Mutter Francoise, so will es das Boulevard-Stück, ist übrigens nicht die ewig trauernde Witwe, für die sie Vincent immer gehalten hat. Sie ist seit Jahren die Geliebte des Posaunisten Claude. Auch so ein gut gehütetes Geheimnis, das ohne den Streit um „Adolphe“ oder „Adolf“ kaum das Licht der Welt erblickt hätte.

Mitwirkende: Uwe Baumann als Pierre Garaud, Simone Thewes als Elisabeth Garaud-Larchet, Markus Schwarz als Claude Gatignol. Sven Schneider als Vincent Larchet, Claudia Baumann als Anna Caravati, Hendrik vom Heede als der Erzähler, Regie Ingrid Kämper.

Hinter den Kulissen: Miriam Baumann, Michael Lynker, Felicitas von Biedersee, Florian Baumann, Dietmar Wilde, Beate Leyendecker, Benjamin Katte und Andreas Stach.

Nächste Vorstellung: Samstag, 31. Januar, 18 Uhr

Karten unter der Telefonnummer 0 23 55/84-0

oder per email:

 kulturbuero@schalksmuehle.de

Der Eintritt beträgt 12 €, ermäßigt 9€/6€

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