Klimaschutz
Hermann-Josef Freiherr von Hövel zeigt das Mini-Windrad aus dem Büro der städtischen Klimaschutzbeauftragten. Bald soll auf dieser Fläche auf dem Berghahn eine 195 Meter hohe Windkraftanlage stehen. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Leichter Nieselregen legt sich über die Lüdenscheider Wälder. Hermann-Josef Freiherr von Hövel steht auf dem Berghahn hoch über der Versetalsperre. Der Diplom-Forstwirt hält ein kleines Windrad als Holz in der Hand. Es stammt aus dem Büro der städtischen Klimaschutz-Managerin Sara Kunkel. Hinter ihm eine rund 2500 Quadratmeter große gerodete Waldfläche. Schon im ersten Quartal 2017 soll eine Windkraftanlage mit einer Gesamthöhe von 195 Metern und einer Leistung von drei Megawatt (Typ E 115, Hersteller Enercon) in Betrieb gehen.

Bauherr und Betreiber der Anlage, die den Strombedarf von 2000 Haushalten decken kann, ist die „Windkraft Versetalsperre GmbH & Co. KG“. An ihr sind die Stadtwerke Iserlohn (70 Prozent) und Mark-W (30 Prozent) beteiligt. „Die Beteiligung weiterer Stadtwerke aus der Region ist vorgesehen“, heißt es in einer Mitteilung der Projektgesellschaft.

Zentraler Punkt im Klimaschutzkonzept der Stadt

„Mit dem Bau dieser Anlage wird ein weiterer zentraler Punkt des Klimaschutzkonzeptes der Stadt Lüdenscheid umgesetzt“ freut sich Sara Kunkel. Drehen sich die mächtigen Rotoren wie geplant, verbessere sich die jährlich Klimabilanz der Stadt jährlich um rund 5200 Tonnen Co2. Ein, um ein Modewort zu benutzen, nachhaltiges Projekt.

Hermann-Josef von Hövel, Thomas Adomeit (Stadtwerke Iserlohn), Klimaschutzbeauftragte Sara Kunkel sowie Klaus Leßmann und Uwe Haring (beide Mark-E) miteinem Bauplan für die Anlage. Foto: Wolfgang Teipel
Hermann-Josef von Hövel, Thomas Adomeit (Stadtwerke Iserlohn), Klimaschutzbeauftragte Sara Kunkel sowie Klaus Leßmann und Uwe Haring (beide Mark-E) miteinem Bauplan für die Anlage. Foto: Wolfgang Teipel

Für Hermann-Josef Freiherr von Hövel, dessen Familie zahlreiche Wälder, unter anderem im Raum Hagen und im Märkischen Kreis gehören, ist Nachhaltigkeit nichts Neues. „Der Begriff wurde vor 300 Jahren von einem Forstmann geprägt“, lacht er. Nicht mehr entnehmen als nachwächst, so hält es seine Familie seit inzwischen über 300 Jahren.

Projkt läuft seit 2013

Über Windenergie habe er schon länger nachgedacht, berichtet der Forstwirt aus Havixbeck. Nach der Reaktor-Katastrophe von Fukushima und der von der Bundesregierung ausgerufenen Energiewende, sei er zur Tat geschritten. Von Hövel ging selbst auf die regionalen Energieversorger zu und so kam das Projekt mit einem Artenschutzgutachten 2013 in Gang.

„Anfragen hatte ich en masse“, blickt der Forstwirt zurück. Sie passten nicht zu seinen Vorstellungen von Waldwirtschaft und Nachhaltigkeit. Auf dem Berghahn lässt sein Wunsch nach schonendem Umgang mit der Natur umsetzen.

Vorhandener Forstweg wird genutzt

Ein bereits vorhandener Forstweg wird zur Anlieferung der Bauteile genutzt. Über diesen Weg sind schon viele Langholztransporter gerollt. Er muss lediglich an einigen Stellen ein wenig aufgeweitet und geschottert werden. Über diese Verbindung läuft auch die Kabeltrasse Richtung Schwiendahl. Hier wird Mark-E neben einer bereits vorhandenen eine zweite Station errichten.

Als Standort wählten Eigentümer und Projektgesellschaft schließlich einen lichten Fichtenbestand, der durch Borkenkäfer, Blitzschlag und den Orkan Kyrill in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Leßmann: „Kompromisse machen“

Aus Klein mach Groß . . . Foto: Wolfgang Teipel
Aus Klein mach Groß . . . Foto: Wolfgang Teipel

„Es ist wahrscheinlich nicht der ertragreichste Standort“, sagt Klaus Leßmann, Elektotechnikmeister der Mark-E. „Aber alles andere passt.“ Man müsse eben Kompromisse machen. Die Fachklinik Spielwigge liegt einen Kilometer entfernt. Bis Schwiendahl seien es rund 600 Meter. „Damit sind alle Abstände nach dem Bundesimmissionsschutz eingehalten.“ Niemand könne sich vom Schattenwurf der Rotoren oder Lärm bedrängt fühlen.

Unsichtbar wird die 195 Meter hohe Windkraftanlage allerdings nicht. Vom Parkplatz an der Klamer Brücke oder auch vom Kreisverkehrs Piepersloh aus wird sie deutlich zu sehen sein.

Co2-Emissionen bis 2030 halbieren

Klaus Leßmann und auch Hermann-Josef Freiherr von Hövel denken schon weit in die Zukunft. „Sollte es in 25 Jahren eine bessere Form der Energiegewinnung geben“, sagt der Elektrotechnikmeister, „könnte die Anlage komplett zurückgebaut werden.“ Selbst vom Betonsockel werde nichts übrig bleiben. „Dann könnten meine Urenkel hier spielen“, meint von Hövel. Das sei an Standorten ehemaliger AKWs undenkbar.

Für Sara Kunkel bedeutet das Projekt auch ein Stück Energiewende „made in Lüdenscheid“. Allerdings betont die Klimaschutzmanagerin: „Wir dürfen das Gesamtziel nicht aus den Augen verlieren.“ Immerhin habe sich Lüdenscheid verpflichtet, seine Co2-Emissionen von 718.000 Tonnen im Jahr 2007 bis zum Jahr 2030 zu halbieren. Die neue Windkraftanlage könne dazu nur einen Bruchteil beisteuern. Ihr Fazit lautet: „Die bisherigen Überlegungen gehen nicht weit genug. Wir brauchen mehr Klimaschutzprojekte dieser und anderer Art.“

 

 

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