Anne Hunfeld von der betrieblichen Gesundheitsförderung der AOK und Referent Dr. med. Gerhard Hildenbrand, Leiter der Klinik für Psychosomatische Medizin und Physiotherapie am Klinikum Hellersen. Foto: Wolfgang Teipel

Lüdenscheid. Stress, nein danke! Das ist leichter gesagt als getan. 52 Prozent aller Arbeitnehmer fühlen sich gehetzt und unter Druck gesetzt. Die Zahl von Krankschreibungen aufgrund psychischer Leiden nimmt zu. Sie führen mit durchschnittlich 25,2 Tagen pro Fall zu besonders langen Fehlzeiten im Job. Was ist zu tun? Dr. med. Gerhard Hildenbrand hat eine gut Botschaft: „Veränderung ist möglich“, sagte er am Donnerstag bei einer Veranstaltung der AOK zur Themenreihe „Gesunde Unternehmen“. Allerdings verschwieg der Leiter der Klinik für Psychosomatische Medizin und Physiotherapie am Klinikum Hellersen vor rund 70 Führungskräften und Betriebsräten aus der Region auch nicht die Schwierigkeiten.

„Gesunde Mitarbeiter sind wichtig für das Wohl von Unternehmen.“ Diese Gleichung machte Diplom-Sportlehrerin Anne Hunfeld von der betrieblichen Gesundheitsförderung der AOK zum Beginn der Veranstaltung im Roten Saal des Kulturhauses auf.

Beschleunigung und Entfremdung

Dr. Gerhard Hildenbrand schilderte anschließend, wie Beschleunigung und Entfremdung zu psychischen Belastungen führen können. Immer mehr in immer kürzerer Zeit zu erledigen überfordere den Menschen. Wachstum, Beschleunigung und Innovation seien aber das Kennzeichen der modernen Gesellschaft. Alles werde nach der aktuellen Leistungsfähigkeit beurteilt. Das ziehe negative Folgen für die Lebensweise, die Lebensorientierung und die Lebenserfahrung der Menschen nach sich. „Mancher findet erst in der Klinik wieder zu mehr Ruhe und sich selbst“, sagte der Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie. „Wir hetzen dem guten leben hinterher und verpassen es gerade dadurch“, zitierte er den deutschen Soziologen und Politikwissenschaftler Hartmut Rosa.

Besinnung auf Lebensleistungen

Ein gutes Leben und auch ein gutes Arbeitsleben benötigten eine Verringerung der Geschwindigkeiten und der Dynamik des sozialen Systems auf ein verträgliches Maß. Nur so könne die Resonanz geschaffen werden, die Verbindung zu anderen bringe. Dr. Gerhard Hildenbrand wirbt für die Besinnung auf Lebensleistungen und lehnt den täglichen Kampf um Anerkennung ab. „Das bedeutet aber nicht, dass ich auf dem Sofa sitze und die Hände in den Schoß lege.“

Arbeit sei gesund, wenn sie anspruchsvoll sei und Autonomie sowie Lern- und Entwicklungschancen gewähre, gab er den Führungskräften mit auf den Weg. Gesunde Arbeit müsse von Vertrauen, Fairness und transparenten, gerechten Verfahrensweise bestimmt sein.

Für den Einzelnen sei es wichtig, seine psychische Energie zu regenerieren und zu regulieren und zwar in der Arbeits- und in der Lebenswelt. Dazu könne es auch gehören, mal einen Termin abzusagen.

 

 

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