Die Bäume links und rechts vom Stephansdachstuhl wollen viele Plettenberger/innen als Schattenspender und aus ökologischen Gründen erhalten wissen. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Mit einem Kompromiss zum Alten Markt endete die Bürgerversammlung zum Thema Bäume in der Innenstadt am Donnerstagabend (12. Oktober). Zufrieden sind dennoch weder Baumschützer noch Befürworter der Fällung der Platanen am Stephansdachstuhl.

Ein Baumgutachter soll die Platanen auf dem Alten Markt daraufhin untersuchen, ob sie 1. einen starken Rückschnitt verkraften, 2. durch umfangreiche Tiefbauarbeiten auf dem Alten Markt nicht dauerhaft geschädigt und letztlich zerstört werden, 3. durch ihr Wurzelwachstum auch die zukünftige Pflasterung nach oben drücken. Das Ergebnis des Gutachtens soll die Grundlage für die politische Entscheidung im Rat für oder gegen die Fällung der Bäume am Stephansdachstuhl sein.

Erneut großes Interesse

Annette Maus (Initiative Stadtbäume) referierte über die Bedeutung von Bäumen für den Insektenschutz. Foto: Bernhard Schlütter

Das Interesse war erneut groß. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger waren in den Ratssaal gekommen. Sie hörten zunächst ein Referat von Annette Maus von der Initiative Stadtbäume, die die Bedeutung von Bäumen, insbesondere der Platanen am Alten Markt, für den Insektenschutz hervorhob. Landschaftsarchitekt Timo Herrmann (bbz) stellte dann die überarbeitete Planung für die Innenstadt vor. Im Gegensatz zum ersten Entwurf, der die Fällung von 43 Bäumen und gut 20 Neupflanzungen vorsah, sind es jetzt nur noch vereinzelte Bäume, die entfernt werden sollen. Auf dem Kirchplatz z.B. möchte Herrmann nur noch eine noch recht junge Linde am Gemeindehaus fällen; ein anderer Baum an der Kirchstraße würde um einige Meter versetzt. Der Bereich Maiplatz wurde ausgeklammert, da dort frühestens in fünf Jahren die Bagger anrücken.

Neuartige Sitzordnung: Im inneren Carrée sitzen die Protagonisten, außen herum alle weiteren interessierten Bürgerinnen und Bürger. Foto: Bernhard Schlütter

Kämpften die Baumschützer schon beim Kirchplatz zäh gegen die Fällung auch nur eines Baumes, während Anne Jeromin, Presbyterin der Evangelischen Kirchengemeinde, noch einige Bäume an der Nordseite der Christuskirche zur Fällung vorschlug, weil sie die Kirche verschatten und mit ihrem Laub deren Dachrinnen verstopfen, prallten beim Thema Platanen am Stephansdachstuhl die Meinungen unvereinbar aufeinander. Wobei sich vor allem die Baumschützer unnachgiebig zeigen.

Klaus Lehnert von der Initiative Stadtbäume erläuterte seinen Vorschlag zur Neugestaltung des Alten Marktes unter Erhalt der neun Platanen. Foto: Bernhard Schlütter

Timo Herrmann würde aus gestalterischen Gründen am liebsten alle neun Platanen entfernen, hat in seinem Entwurf aber die drei Bäume an der Rückseite des Stephansdachstuhls stehen lassen. „Der Stephansdachstuhl ist ein Alleinstellungsmerkmal Plettenbergs und sollte zur Geltung kommen“, sagt er. Klaus Lehnert von der Initiative Stadtbäume führte aus, dass gerade die Kombination des Dachstuhls mit den Bäumen den Reit ausmache. Für die Seniorenvertretung betonte Dörte Kaul, dass die Platanen als Schattenspender unverzichtbar seien.

Bürgermeister ist für „praktische Lösung“

Bürgermeister Ulrich Schulte bezeifelt, dass die Bäume den notwendigen starken Rückschnitt verkraften. Zudem soll der Alte Markt im Zuge der Innenstadterneuerung komplett erneuert werden, um seinen Zweck als Veranstaltungsplatz noch besser erfüllen zu können. Dabei sollen auch Versorgungsleitungen verlegt werden, damit die unansehnlichen Stromkästen nicht mehr benötigt werden. „Bei diesen Tiefbauarbeiten können Wurzeln beschädigt werden. Was nützt es, wenn wir den Platz fertig haben und dann die Bäume absterben?“ Sein Vorschlag, den er als „praktische Lösung“ ansieht: Die Platanen entfernen, den Platz herrichten und dann neue Bäume pflanzen, die von Anfang an richtig beschnitten werden.

Vom Ergebnis des Gutachtens wird nun abhängig gemacht, ob die bestehenden Platanen stehen und beschnitten werden oder die Bürgermeister-Lösung zum Zuge kommt.

Für Baumschützer gibt es keine Alternative zu den Platanen

Die am Mittwoch trotz guter Moderation von Volker Vorwerk (Agentur Bürgerwissen) nicht immer sachlich geführte Diskussion gipfelte in der unverhüllten Verdächtigung, dass die Stadt bzw. das Planungsbüro einen „Gefälligkeitsgutachter“ bestellen könnte, der die Platanen sozusagen kaputt schreibt. Außerdem gaben die Baumschützer zu verstehen, dass sie auch bei einer für sie negativen Aussage des Gutachters sich weiter für den Erhalt der Platanen einsetzen wollten.

Als Kosten für das Gutachten gab Timo Herrmann geschätzte 5000 Euro an. Außerdem würde es zwei bis drei Monate dauern, ehe das Gutachten vorliege. Im Planungsausschuss soll im November dennoch schon einmal die Planung für die Innenstadt beschlossen werden, um im Frühjahr 2018 die Arbeiten ausschreiben und im Sommer beginnen zu können. Die Details für den Alten Mark sollen dann im Zuge der Ausführungsplanung eingearbeitet werden. Die notwendigen Entscheidungen werden im Rat getroffen. Eine weitere Bürgerversammlung zu diesem Thema wird es nicht geben.

Zur Bürgerversammlung hat Günter Heerich auch einen Leserbrief geschrieben.

 

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