Sterbehilfe
"Hilfe zum Sterben - Hilfe im Sterben": Zu diesem Thema diskutierten Petra Crone, Peter Alte, Klaus Majoress, Marion Döbbelin, Dr. med. Holger Reimann und Thorsten Skodra.

Lüdenscheid. Am Ende des Lebens steht der Tod. Für manche Menschen kommt er plötzlich. Andere erleben auf dem Weg zum Tod unvorstellbares Leid, körperliche Qualen und seelischen Schmerz. Sie könnten diesen Weg verkürzen. In Deutschland ist der assistierte Suizid, also die Beihilfe zur Selbsttötung, vom Grundsatz her nicht strafbar. Der Sterbewillige muss aber jemand finden, der ihm die todbringende Substanz zur Verfügung stellt. Wer verfügt über den Tod als letztes Menschenrecht?

Verbot aktiver Sterbehilfe?

Für alle eine schwierige Entscheidung. Auch für die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Soll die organisierte Suizidhilfe verboten werden? Aus der Debatte über diese Frage soll im neuen Jahr ein neues Gesetz entstehen, das sowohl die geschäftsmäßige Suizidhilfe durch Vereine als auch die gewerbsmäßige Suizidhilfe durch kommerzielle Anbieter unter Strafe stellen könnte. „Ein hoch emotionales Thema“, sagt die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone. Unter dem Schlagwort „Hilfe im Sterben – Hilfe zum Sterben“ hatte sie am Donnerstag, 11. Dezember, zu einem Podiumsgespräch ins Lüdenscheider Kulturhaus eingeladen.

Petra Crone sucht Entscheidungshilfen

Die Politikerin sucht im Gespräch Entscheidungshilfen. „Die Vorschläge sind breit gefächert“, berichtete sie am Donnerstag. „Sie reichen vom Verbot der aktiven Sterbehilfe bis zur Freigabe.“ In der Diskussion spielten rechtliche, ethische, moralische, medizinische und auch religiöse Aspekte eine Rolle.

„Aktive Sterbehilfe ist Tötung auf Verlangen“, sagte Podiumsteilnehmer Peter Alte, Leiter des Amtsgerichtes Lüdenscheid. Für den Juristen ist die Rechtslage klar. Tötung auf Verlangen könne mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Diskussionswürdig ist für ihn allenfalls der assistierte Suizid, allerdings auch nur in der Zusammenarbeit mit Ärzten. Ein klares „Nein“ zu aktiver Sterbehilfe formulierte auch Klaus Majoress, Superintendent des Kirchenkreises Lüdenscheid. Passive Sterbehilfe, also das Nichtergreifen oder Nichtfortführen lebenserhaltender Maßnahmen, seien eine andere Sache. Klaus Majoress forderte den Ausbau der Hospizarbeit und der Palliativmedizin. „Dann könnte die Gesellschaft einen wichtigen Schritt nach vorn machen.“

Ruf nach dem Tod ein Schrei nach Hilfe

Der „Ruf nach dem Tod“ sei auch ein Schrei nach Hilfe, sagte Marion Döbbelin, Leiterin des Lüdenscheider Hospizes. Das Leben noch zu leben, auch angesichts von Schmerz und Angst – das sei im Hospiz mit Hilfe von professioneller Betreuung und Sterbebegleitung möglich. Klaus Majoress kritisierte an dieser Stelle der Diskussion Versäumnisse der Politik. „Es kann doch nicht sein, dass das Hospiz nur von Spenden leben muss.“ Da müsse die Politik dran arbeiten.

Dr. med. Holger Reimann, Mediziner aus Meinerzhagen, wies auf die schwierige Lage vieler Mediziner hin. „Sie sind zum Heilen und Helfen ausgebildet, aber nicht für die Begleitung Sterbender.“ Schmerztherapie sei erst seit wenigen Jahren ein Thema im Medizinstudium.

Sterbehilfe
Das Thema aktive Sterbehilfe ist ein heißes Eisen. © ursule – Fotolia.com

Thorsten Skodra, Leitender Oberarzt der Palliativstation am Klinikum Hellersen, glaubt, dass sich für viele Menschen die Frage nach aktiver Sterbehilfe nicht stelle, wenn sie über die Möglichkeiten der Palliativmedizin informiert seien. Allerdings wies er auch darauf hin, dass der Heilauftrag der Medizin manchmal auch zu einer reinen Sterbeverzögerung führe. Die Mittel der Palliativmedizin reichten aus, um Todkranken ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen, sagte Thorsten Skodra.

In der Diskussion mit dem Publikum kamen ausschließlich Stimmen zu Wort, die sich gegen die aktive Sterbehilfe aussprachen. Vertreter des Sterbehilfevereins Dignitas, die ebenfalls eingeladen waren, hatten ihre Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt.

Hinweise auf Patientenverfügung

Stattdessen kamen zahlreiche Hinweise auf das Thema Patientenverfügung. „Mit einer solchen Verfügung können wir verhindern, dass am Ende unseres Lebens Dinge passieren, die wir so nicht wollen“, sagte eine Besucherin.

Auch Klaus Alte plädierte für eindeutige Patientenverfügungen. Er mahnte die Politik zu größter Vorsicht. „Wir haben eine schlechte Rechtslage“, sagte der Jurist. „Deshalb sollte nicht beschlossen werden, was die Lage noch komplizierter macht.“

 

 

 

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