Stadthalle
Die Meinerzhagener Grünen haben beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) angeregt, die Stadthalle auf ihre Denkmalwürdigkeit zu überprüfen. Foto: Wolfgang Teipel

Meinerzhagen. Langwierige Prozesse legen den Ratsbürgerentscheid zur Zukunft der Stadthalle vorerst auf Eis. Wie die Stadt Meinerzhagen mitteilt, hat der Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen hat beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) – Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen die Prüfung der Denkmalwürdigkeit der Stadthalle angeregt. Dies geht aus einer Mitteilung des Landeskonservators an die Stadt Meinerzhagen hervor. Für die Stadt bedeutet dieses Vorgehen vor allem zweierlei: Der nun zu erwartende Prozess verlagert die Entscheidung über die Zukunft der Stadthalle von der Bürgerschaft der Stadt selbst zunächst zu einer einzelnen Behörde. Auch alle Ideen, Debatten und Optionen zur möglichen Gestaltung liegen nun zunächst auf Eis. „Damit stellt dieser Schritt einen fundamentalen Einschnitt in die laufenden Entwicklungen dar“, heißt es in einer Mitteilung von Bürgermeister Jan Nesselrath.

Entscheidung auf nicht ortsansässige Behörde verlagert

Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung geplant, über eine Empfehlung im Rat die Entscheidung über die Zukunft der Stadthalle in die Hand der Bürgerinnen und Bürger zu geben und einen Ratsbürgerentscheid durchzuführen. Mit dem Hinweis an den LWL ist jetzt allerdings der Ortsverband Bündnis 90/Die Grünen vorgeprescht und hat die Entscheidung von der Bürgerschaft auf eine nicht ortsansässige Behörde verlagert. „Der LWL in Münster wird nun die Weichen zur Zukunft der Stadthalle stellen.“, schreibt der Rathaus-Chef. Aufgrund einer jetzt anstehenden Prüfung werde der LWL über die Denkmalwürdigkeit der Stadthalle entscheiden.

Kriterien nach dem Denkmalschutzgesetz

Als wesentliche Grundlage dienen die strengen Kriterien des Denkmalschutzgesetzes, das vor allem bauhistorisch-architektonische Gesichtspunkte berücksichtigt. Weitere Aspekte wie die konkrete städtebauliche Perspektive, die weitere Finanzierung oder auch wirtschaftliche Einflussfaktoren spielen dabei keine Rolle.

Zurzeit wird das Umfeld der Stadthalle aufbereitet. Foto: Wolfgang Teipel
Zurzeit wird das Umfeld der Stadthalle aufbereitet. Foto: Wolfgang Teipel

„Natürlich wird die Stadt Meinerzhagen die Arbeit des LWL unterstützen und begleiten“, versichert der Bürgermeister. Doch indem dieses Verfahren angestoßen wurde, sind sowohl dem Rat der Stadt – dessen Fraktionen sämtlich von Beginn in die Überlegungen zur Zukunft der Stadthalle eingebunden waren – als auch und vor allem den Bürgerinnen und Bürgern an diesem Punkt Einflussmöglichkeiten aus den Händen genommen worden. Deshalb sei der von der Stadt angestrebte Ratsbürgerentscheid bis auf weiteres hinfällig.

Kontroverse und konstruktive Diskussion

Nachdem die Stadt ihre ersten Ideen vorgestellt hatte, war eine Vielzahl von künftigen Szenarien ins Gespräch gekommen. So wurde eine kontroverse, aber durchaus auch konstruktive Diskussion über die Zukunft des Stadtzentrums angestoßen. Nun sei dagegen eine kreative Auseinandersetzung mindestens bis zum Abschluss der Prüfung nicht mehr möglich, glaubt Jan Nesselrath. Auch wäre die Feststellung eines Denkmalwertes der Stadthalle selbst bei sich ändernden Rahmenbedingungen nicht mehr revidierbar. „Damit ist die Bürgerschaft jetzt und unter Umständen auch künftig in ihrer demokratischen Mitwirkung beschnitten. Auch die Verwaltung muss sich in ihrer Arbeit auf diesen Fall einrichten, der für alle künftigen Maßnahmen bindend sein wird.“

Auflagen durchaus möglich

Gleichzeitig wäre eine Eintragung der Stadthalle als Denkmal in die Denkmalliste der Stadt Meinerzhagen voraussichtlich mit Auflagen bei künftigen Baumaßnahmen verbunden. Dabei ist damit zu rechnen, dass diese Auflagen nicht nur den Bau selbst, sondern die unmittelbare Umgebung des Denkmals betreffen. Entsprechend wären strenge Vorgaben für alle Modernisierungsschritte und aufwändige Arbeitsabläufe bei der Sanierung der Stadthalle und bei baulichen Maßnahmen in der Umgebung zu erwarten: Deren Vereinbarkeit mit den Denkmalbestimmungen steht klar vor eventuellen Mehrkosten oder Aspekten wie dem Klimaschutzgedanken.

„Operation zunächst eingefroren“

„Die eigentliche Frage, ob und in welcher Form die Stadthalle erhalten bleiben soll, ist jetzt erst einmal in den Hintergrund gerückt“, resümiert Bürgermeister Jan Nesselrath. „Die Auseinandersetzung zum Thema war in den vergangenen Wochen sehr lebhaft. Das zeigt, wie wichtig dieses Thema für die Menschen hier in der Stadt ist, und ich bin froh, dass wir diese Diskussion angestoßen haben. Die Stadtverwaltung hängt dabei nicht an einer bestimmten Idee. Vielmehr geht es uns darum, gemeinsam den besten Weg zu finden, wie wir mit der in die Jahre gekommenen Stadthalle umgehen. Mit der Prüfung des Denkmalstatus sind alle anderen Optionen nun zunächst eingefroren.“

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