Nur wenige Besucher konnten sich vorstellen, dass allein auf dem umzäunten Sportplatzgelände zwischen 500 bis 1000 Menschen leben können.

Lüdenscheid. Auf dem ehemaligen Sportplatz Höh im Südosten der Stadt sollen zur Unterbringung von Asylbewerbern voraussichtlich zweigeschossige Holzhäuser in Ständerbauweise errichtet werden. Ein Containerdorf oder eine Zelthallensiedlung auf der eingezäunten Fläche unterhalb des Wasserhochbehälters ist damit vom Tisch. Das teilten Bürgermeister Dieter Dzewas und Sozialdezernent Thomas Ruschin am Freitagabend bei einer Informationsveranstaltung in der Auferstehungskirche mit.

Schnell preiswerten Wohnraum schaffen

Auch wenn es sich mancher der rund 200 Besuchern heute noch nicht so recht vorstellen konnte: Hier könnten, auch für längere Zeit, durchaus zwischen 500 und 1000 Menschen leben. „Wir sind darauf angewiesen schnell preiswerten Wohnraum zu schaffen“, sagte der Rathaus-Chef. Das gelte übrigens nicht nur für Asylbewerber und anerkannte Asylanten.

Viele sind auf günstige Mieten angewiesen

Der Sportplatz, der Ende der 1950er Jahre gebaut wurde, ist verwaist.
Der Sportplatz, der Ende der 1950er Jahre gebaut wurde, ist verwaist.

Es gebe durchaus zahlreiche Menschen in Lüdenscheid, die auf günstige Mieten angewiesen seien. Noch vor wenigen Monaten sei es kaum vorstellbar gewesen, dass der soziale Wohnungsbau hätte angekurbelt werden müssen. Jetzt sei kaum die Zeit vorhanden, günstigen Wohnraum zu schaffen. Bei der Sportplatzfläche werde es voraussichtlich nicht bleiben. Auch die Rätherwiesen könnten mittelfristig bebaut werden. „Die ganze Sache ist explodiert.“

Bebauung der Rätherwiesen vorgesehen

Die technischen Voraussetzungen für die notwendigen Ver- und Entsorgungseinrichtungen könnten ohne Probleme geschaffen werden. Auf Dauer müsse über die Rätherwiesen eine zweite Zufahrt geschaffen werden. Über die eventuelle Bebauung des Geländes werden voraussichtlich 2017 gesprochen werden müssen.

Wöchentlich werden 100 Asylbewerber zugewiesen

Zurzeit werden Lüdenscheid wöchentlich rund 100 Asylbewerber zugewiesen. „Ob diese Zahlen steigen oder sinken, wie viele dieser Menschen in Lüdenscheid bleiben – das alles kann heute niemand mit Gewissheit sagen“, bekannte Dieter Dzewas. „Wir steuern im Nebel und müssen es schaffen in einem schwierigen Verfahren möglichst wirtschaftlich zu arbeiten“, sagte er.

Vor diesem Hintergrund kalkuliere die Stadt auf Dauer mit Menschen, die auf preiswerten Wohnraum angewiesen seien. Die neuen Wohnungen auf dem Sportplatz Höh seien deshalb mittelfristig nicht nur für Asylbewerber und anerkannte Asylanten vorgesehen.

Sinkende Preise für Wohneigentum?

Ghettobildung, sinkende Preise für Wohneigentum im Umfeld der neuen Siedlung, Schwierigkeiten bei der Integration, Verkehrsprobleme auf der ohnehin stark belasteten Herscheider Landstraße – das waren die Stichworte, die in der anschließenden Diskussion auftauchten.

Selbstverständlich werde die Stadt alles tun, um die Entwicklung von Parallelgesellschaften in Lüdenscheid zu verhindern, versicherte Thomas Ruschin. Er selbst glaube, dass Deutschland aus den Fehlern der 1970er Jahre gelernt habe. Allerdings: „Es gibt keine letzte Sicherheit. Da muss man sich auch mal was trauen“, stellte er fest.

Die Stadt wird jetzt ihre Planungen weiter verfolgen. Sobald Details vorliegen, sollen sie in einer weiteren Versammlung besprochen werden, versicherte der Bürgermeister.

 

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