Lüdenscheid. Am Samstagabend fand im Kulturhaus Lüdenscheid das Finale des Poetry-Slams „World of Wordcraft“ statt. „Zeremonienmeister“ Marian Heuser präsentierte einem ausverkauften Haus mit Ninja de la Grande, Nick Pötter, Florian Wintels, Armin Sengbusch (Schriftstehler) und Fabian Navarro eine hochkarätige Auswahl begabter Poetry Slammer, die an diesem Abend bewiesen, dass sie zurecht zu den letzten fünf beim „World of Wordcraft“ gehörten.

Thema „Problemzonen“

Vor einem Publikum, das gleichzeitig als Jury fungierte und den ganzen Abend mit sichtlich Spaß bei der Sache war, ging es bei dem Slammer-Marathon um fast alle Bereiche des menschlichen Lebens.

Ninja verstand es bravourös, als einziges „Mädchen“ in der Riege der Slammer, die Sympathien der Frauen mit Themen wie „Problemzonen“, auf ihre Seite zu ziehen. Auch ihre vier männlichen Konkurrenten nahmen sich des Themas „Mensch“ facettenreich, sensibel und teilweise sehr humorvoll an.

Von Drachen und Königen

So wurden von Fabian Navarro und Florian Wintels z.B. „Märchen“ erzählt. Vom Drachen mit dem Kaugummiautomatenbauch und vom König, der als Supermacho seine weibliche Seite entdeckt. Mit diesem König entschied Florian Wintels ganz am Schluss den Poetry Slam für sich und gewann damit verdient die „Goldenen Feder“.

Bei Armin Sengbusch wurde es still

Aber es wurde auch zwei Mal ganz still im Saal, nämlich immer dann, wenn Armin Sengbusch auftrat. Seine Themen „Bringt mich dieses Leben zum Selbstmord oder zu mir selbst?“ und „Soll ich wirklich eine Beziehung weiterführen, die schon lange keine mehr ist, nur wegen meiner Kinder, die genau an dieser Lüge zugrunde gehen?“ gingen allen spürbar unter die Haut.

Standing Ovations

Genauso ernst waren die Themen der anderen Slammer, die sich um Ablehnung, Andersartigkeit und Akzeptanz drehten. Aber sie wurden großteils sehr humorig verpackt, und so kam man als Zuschauer aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Dann das ganze noch in Reime zu verpacken, auf fünf Minuten herunterzubrechen und das Publikum damit zu begeistern, ist schon eine hohe Kunst. Und das schafften die Slammer alle. Sie begeisterten ihre Fans bis hin zu „Standing Ovations“, mit denen sich das Publikum am Schluss bei den Künstlern bedankte.

Marian Heuser – das Herz der Veranstaltung

Berührend, was Marian Heuser, der sicht- und spürbar das Herz dieses Wettbewerbs ist, zu Beginn dieser Veranstaltung sagte.

Er sprach darüber, wie tief ihn die Terror-Anschläge getroffen haben und dass er sich im Vorfeld ernste Gedanken darüber gemacht hatte, ob so eine Veranstaltung in diesen Kontext passt. Sich aber sehr bewusst dafür entschied, auch, um ein Zeichen zu setzen.

Ein Zeichen gegen Intoleranz, Dummheit, Engstirnigkeit und Terror. Ein Zeichen für die Freiheit, selber zu denken, selber zu fühlen, selber zu entscheiden. „Jetzt erst recht!“ war seine erklärte Message. Und diese Entscheidung hat sich gelohnt. Überhaupt führte er zum wiederholten Mal souverän und sehr intelligent durch diese große Veranstaltung. Seine Slammer standen sichtbar hinter ihm und er hinter ihnen. Die Veranstaltung war gleichermaßen geprägt von Respekt gegenüber Publikum und Künstlern und einer großen Freude an dem, was er da tut.

Freie Meinungsäußerung schützen

Farina Kirmse, die „World of Wordcraft“ seit Jahren maßgeblich mit unterstützt und die von Marian zusammen mit ihrer Mutter Claudia Becker-Kirmse am Schluss der Veranstaltung mit auf die Bühne gebeten wurde, brachte das ganze dann auch auf den Punkt.

Sie machte in einem kurzen Statement noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, freie Meinungsäußerung in gleich welcher Form zu schützen und zu unterstützen. Und dass gerade Formate wie der Poetry Slam zunehmend Anteil daran haben.

Beat-Boxer Kevin O`Neal in Höchstform

Und wodurch könnte Freiheit schöner zelebriert werden als durch Poesie und Musik? Für den musikalischen Rahmen sorgte an diesem Abend ein Beat-Boxer der Sonderklasse. Kevin O`Neal aus Dortmund bewies allen Anwesenden, dass es möglich ist, mit einem einzigen Kehlkopf bis zu sechs verschiedene Rhythmen, Geräusche und Stimmen fast gleichzeitig zu erzeugen.

Von Marian im Vorfeld schon entsprechend vorgewarnt, staunte das Publikum nicht schlecht, dass ein junger Mann in einer grauen Strickjacke, der ganz unauffällig die Bühne betrat, das Kulturhaus mit seinem gewaltigen stimmlichen Können komplett rockte. Die Zuschauer waren begeistert.

Sieger wurde Florian Wintels

Gewonnen hat die von der Lüdenscheider Künstlerin Claudia Becker-Kirmse gestaltete „Goldene Feder“, letztendlich Florian Wintels aus Bad Bentheim.

Er trat im Finale gegen den Hamburger Armin Sengbusch (Schriftstehler) an, der den zweiten Platz belegte. Platz drei ging an Fabian Navarro. Gewonnen haben sie aber eigentlich alle. Ohne Unterschied, was auch die nahe beieinanderliegenden Punktzahlen der Jury demonstrierten.

Enge Zusammenarbeit mit dem Kulturhaus

Lüdenscheid hat mit der von Marian Heuser ins Leben gerufenen „World of Wordcraft“ seit Jahren bundesweit die Nase im Bereich Poetry Slam ganz vorne und ist bei den Fans des Poetry-Slams mittlerweile ein fester Begriff. Der Wettbewerb sorgt regelmäßig für ausverkaufte Häuser. Die Veranstalter freuen sich daher im nächsten Jahr auf eine noch engere Zusammenarbeit mit dem Lüdenscheider Kulturhaus. Eine Symbiose, die, wie dieser Abend bewies, gelungen ist und auf deren Weiterführung man sich schon wegen des deutlich verbesserten Platzangebotes im Verbund mit der besonderen Location freuen darf.

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here