Das Team vom (T)Raumland an der Bräuckenstraße verbreitet gute Laune.

Lüdenscheid. Das Lüdenscheider (T)Raumland ist nicht unbedingt ein Ort zum Träumen. Das Second-Hand-Warenhaus des Evangelischen Perthes-Werkes zählt aber zu den Plätzen, an denen Träume wahr werden können. Hier werden hochwertige Möbel, Textilien, Haushaltsgeräte, Geschirr und mehr zum kleinen Preis verkauft. „Mit unserem Angebot wollen wir zeigen, dass wir auch den Menschen Wertschätzung entgegenbringen, bei denen das Geld nicht so locker sitzt“, sagt Franziska Mauersberger. Die 25jährige Betriebswirtin leitet seit Januar 2014 die Einrichtung, die Artikel aus zweiter Hand verkauft. „Und das sind nicht die schlechtesten“, sagt die junge Frau. Beim Besuch von UnserLünsche steht ein Kaffee-Geschirr von Rosenthal auf dem Tisch. Solch feine Ware steht auch in den Regalen.

Niemand soll sich als Bittsteller fühlen

Die Bewirtung mit eleganten Tassen kann als Symbol für Vieles stehen. Im (T)Raumland sind alle willkommen, die aus den verschiedensten Gründen beim Einkauf auf preiswerte Ware angewiesen sind. Bei Vorlage eines SGB II-Bescheides, z.B. erhalten die Kunden zusätzlich einen Rabatt in Höhe von 20 % des Kaufpreises. An der Bräuckenstraße werden keine Billig-Artikel über eine Resterampe verscherbelt. Jeder kann hier kaufen. Die Kundenstruktur soll sich mischen, es soll kein Angebot sein, bei dem sich jemand als „Bedürftiger“ empfindet. Es wird auch nichts verschenkt, der Preis, der zu zahlen ist, drückt auch die Würde aus, denn niemand soll sich wie ein Bittsteller fühlen.

Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit

Dazu kommt: Hinter dem Secondhand-Verkauf steht auch der Gedanke der Nachhaltigkeit. „Es wird einfach zu viel weggeworfen“, sagt Franziska Mauerberger. Dass das nicht sein muss, beweist das (T)Raumland Tag für Tag. Von den rund vier Tonnen Bekleidung, die hier monatlich angeliefert werden, gehen 2,5 Tonnen in den Verkauf. Der Rest ist hier zur Weitergabe nicht geeignet und wird anderweitig verwertet. Aus diesem Grund ist das (T)Raumland Teil des Fairwertungs-Netzwerkes. Informationen dazu gibt es unter http://www.fairwertung.de/info/wir/wer-ist-dabei/index.html#E.

Beteiligung an den „Fairen Wochen“

Möbel, Bücher, Deko-Stücke, Handtaschen, Schuhe und mehr – wer ein wenig Zeit mitbringt, findet eigentlich immer das Passende. Vom 12. bis 26. September hatten Franziska Mauersberger und ihr Team zusätzliche Ideen im Angebot. Das (T)raumland beteiligte sich an den „Fairen Wochen“, bei denen bundesweit über 2000 Aktionen den Gedanken der Nachhaltigkeit stärker in der Öffentlichkeit verankern sollen „Bewusster Konsum trägt zu mehr Gerechtigkeit im Welthandel bei“, erläutert Franziska Mauersberger. Wer könnte besser dazu beitragen als das (T)Raumland, das durch das Perthes-Werk diakonisch geprägt ist. So heißt es in den Grundaussagen des Perthes Werkes: „Wir sind überzeugt, dass Gemeinschaft nur dann gelingt, wenn sie Starke ebenso wie Schwache einschließt. Wir setzen durch unser Handeln Zeichen der Hoffnung.“ Das gilt auch für den globalen Handel.

Berufliche Förderung

Einrichtungsleiterin Franziska Mauersberger.
Einrichtungsleiterin Franziska Mauersberger.

Das (T)Raumland ist kein „normaler“ Secondhand-Laden, sondern es bietet speziell Menschen, die am Arbeitsmarkt wegen langer Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Behinderung ausgegrenzt sind Möglichkeiten der beruflichen Förderung, der dabei erzielte Lohn soll unabhängig vom Jobcenter machen. Viele der Beschäftigten befinden sich in dem Förderprogramm „Öffentlich geförderte Beschäftigung“ Zu 75 Prozent des Arbeitgeberbrutto-Lohnes übernimmt die Arbeitsagentur. Den Rest muss das Perthes-Werk durch den Verkauf der Gebrauchtwaren erwirtschaften.

Dazu kommt das Ziel, diese Mitarbeiter in ein dauerhaftes und unbefristetes Beschäftigungsverhältnis auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bringen. Regelmäßig stehen Schulungen zur Schaufenstergestaltung, zur Kundenansprache, zur Führung von Verkaufsgesprächen und mehr auf dem Programm, dabei sollen die Kompetenzen der Mitarbeitenden gestärkt werden. Alle machen mit. Das führt zu einer guten Atmosphäre im Team. „Manchen Mitarbeiter blühen richtig auf“, freut sich Franziska Mauersberger, die richtig stolz ist auf ihr Team.

Rechnung muss aufgehen

Ist das (T)Raumland also so etwas wie ein Paradies? Die Leiterin wehrt ab. Manches funktioniere auch nicht. Das Café wurde vor einiger Zeit aufgegeben. Auch das (T)Raumland muss scharf kalkulieren. Immerhin erwartet das Perthes-Werk als Träger am Ende des Geschäftsjahres eine schwarze Null, denn auch in der Wohlfahrtspflege, in der die Ressourcen immer begrenzter werden, muss die Rechnung aufgehen.

Alle Fotos © Guido Raith

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