Lüdenscheid. Am “Tag sechs” der Kulturwoche im Stock wurde es laut und sehr kreativ und es gab eine Überraschung. “Laut & Leise” war eine Woche voller Kultur mit sieben künstlerischen Highlights und eine Initiative des Vereins KultStädte e.V., gemeinsam mit dem Stock, TACH (www.guten-tach.de), localaid.eu, der Soundbäckerei, dem Jazz-Club Lüdenscheid e.V. und der Music Store Musikschule.

Tag sechs hatte es wirklich in sich

Kurz vor dem Auftritt der sponatnsten Band dieses Abends: Rudolf F. Nauhauser, Marian Heuser und Artur Tadevosyan.
Kurz vor dem Auftritt der spontansten Band dieses Abends: Rudolf F. Nauhauser, Marian Heuser und Artur Tadevosyan.

Tag sechs hatte es wirklich in sich. Eigentlich sollten drei Hip Hop Bands unter der Leitung der Soundbäckerei auftreten. Ganz kurzfristig sagte eine der Bands krankheitsbedingt ab und Organisator Robin Brunsmeier, auch als „Binyo“ bekannt, hatte ein echtes Problem.

Aber wozu kennt man die Musikszene im MK so gut wie der bekannte Liedermacher und Rapper Binyo? Er hängte sich also kurzentschlossen mitten in der Nacht ans Telefon, und so kam es, dass der Saxofonist Rudolf F. Nauhauser um 24 Uhr und 5 Minuten einen Anfruf bekam, mit der dringlichen Bitte am nächsten Tag im Stock/Alte Druckerei aufzutreten. Desgleichen passierte dem Gitarristen Artur Tadevosyan, der z.B. regelmäßig mit der John Porno Band unterwegs ist.

Drei hochkarätige Musiker, nachts rekrutiert

Binyo und seine erst nächtlich rekrutierten Musiker. Er hatte eine gute Wahl getroffen.
Binyo und seine erst nachts rekrutierten Musiker. Er hatte eine gute Wahl getroffen.

Zwei hochkarätige Musiker, die eigentlich alles aus dem Stegreif spielen können, wurden also mitten in der Nacht für einen anderen Hochkaräter rekrutiert, nämlich keinen geringeren als Marian Heuser, der seit Januar 2016 in der Formation „Peter Panisch“ ebenfalls als Musiker unterwegs ist.

Auch für ihn sehr überraschend. Aber die drei wären nicht die, die sie sind, wenn sie so eine Herausforderung nicht annehmen würden. Und Binyo, der sich wirklich ernsthafte Sorgen machte und KultStädte, Stock und vor allem sein Publikum nicht enttäuschen wollte, fiel ein Sack Zement vor der Seele.

Spontanste aller Spontanbands

Die wohl spontanste Band dieser Woche: Rudolf F. Nauhauser, Marian Heuser und Artur Tadevosyan.
Die wohl spontanste Band dieser Woche: Rudolf F. Nauhauser, Marian Heuser und Artur Tadevosyan.

Am Freitagabend eröffnete dann die spontanste aller Spontanbands dieser Kulturwoche mit einem grandiosen Auftritt das Konzert. Man hatte als Zuschauer den Eindruck, diese drei hätten schon ewig zusammen gespielt.

Der Funke sprang sofort über und sowohl „Hazefeld“, die Band von Binyo und BassTea als auch die Musiker von 2Seiten waren nicht nur erleichert, sondern schlichtweg begeistert.

Marian Heuser war voll auf dem Punkt

Von ihm hätte man gern noch mehr gehört. Marian als "Peter Panisch".
Von ihm hätte man gern noch mehr gehört. Marian als „Peter Panisch“.

Marian Heuser, der eigentlich in Lüdenscheid war, um seinen 23. Poetry Slam am Samstag im Kulturhaus zu moderieren, war vom ersten Moment an voll auf dem Punkt. Er hat auf der Bühne einfach etwas magisches, eine besondere Strahlkraft, durch die eine Interaktion zwischen Publikum und ihm möglich ist, die außergewöhnlich ist.

Oft bereits ausgetestet bei seinen Slams, funktioniert diese Magie auch ganz genauso gut als Musiker. Und als solcher überzeugt er ohne wenn und aber. Niemand im Raum, der nicht begrüßt hätte, wenn er noch etwas länger die ausgefallene Band vertreten hätte. Dazu das Saxofonspiel von Rudolf und die Gitarre von Artur. Perfekt!

Hazefeld kennen sich seit 20 Jahren

Binyo und BassTea. Auch sie überzeugten als "Hazefeld".
Binyo und BassTea. Auch sie überzeugten als „Hazefeld“.

Nach Marian noch einen draufzulegen, war schwer. Das sah auch Binyo so. Aber, es ist ihm mit Sebastian Kreinberger und „Hazefeld“ durchaus gelungen, den hohen Standard zu halten. Die beiden kennen sich seit über 20 Jahren, was man ihnen definitiv anmerkt. Sie verständigen sich mit „Geheimsprache“, wahrscheinlich schon als kleine Jungs miteinander ausgetüftelt.

Die beiden sind eine Einheit und auch sie haben eine Präsenz, der man sich nicht entziehen kann. Das sagen sie selbst über sich: „Binyo und BassTea, zwei Stimmen, ein Gedanke. Hazefeld ist das musikalische Ergebnis einer jahrelangen Freundschaft, die Konsequenz aus zahlreichen Nacht- und Nebelaktionen und das Pendant zu jeder nebulösen Partycrowd. Im Schleier ihrer gewaltigen Textflut scheitert jeder Versuch die richtige Schublade zu finden. Mal sind sie schnell und lyrisch auf Beats unterwegs, zeigen, wie sehr sie guten deutschen Hip Hop lieben, um anschließend Melodien in feinster Popmanier zu bringen. Ein explosives Gemischt, das jeden Smog wegbläst und durch subtile Nebelschwaden ersetzt.“

Auch Binyo hat ein besonderes Charisma.
Auch Binyo hat ein besonderes Charisma.

Dem kann man fast nichts hinzufügen, außer, dass sie Vollblutmusiker sind, die sich gerade auf den Weg machen, auch die restliche Republik zu erobern. Genauso wie Marian Heuser und der dritte Liveact 2Seiten, der dies bereits erfolgreich getan hat.

Headliner 2Seiten

Der eigentliche Headliner des Liveprogramms war nämlich der Rapper 2Seiten aus Dorsten. Dieser brachte nicht nur seine gewaltige EP Bipolar Express mit, er hatte außerdem über 20 Jahre Erfahrung aus der Ruhrpott- Rapszene dabei. Das merkte man ihm an. Er saß gechillt und völlig ruhig, mit einem Buddha-Lächeln auf einem Hocker in einer Ecke und sah seinen Kollegen erste einmal nur zu. Sehr wohlwollend. Unterstützend. Wohltuend.

Zu seiner Geschichte zählen Features auf wegweisenden Platten von RAG (Ruhrpott AG), ABS, Funky Chris, Roey Marquis II, Monroe, Pal One und weiteren einflussreichen Rappern. Auf seiner eigenen EP wiederum sind namenhafte Rapper wie Pal-One, Meller, Rheza, DJ Cutz Penza, P.Hightower, Absztrakkt und Lakmann zu hören, die zeigen wie etabliert 2Seiten im Rap-Business ist.

2Seiten. Nicht nur Rapper auch Poetry Slammer. 2 Seiten eben

Er brachte den Abend zu einem schöenen Abschluss: der Rapper 2Seiten.
Er brachte den Abend zu einem schönen Abschluss: der Rapper 2Seiten.

Seit 2009/2010 ist er auch als Poetry-Slammer in ganz Deutschland und auch Österreich unterwegs. 2013 hat er auch bei den Deutschsprachigen Poetry-Slam Meisterschaften, in der Sparte Rap-Slam, den ersten Platz gemacht, und war somit Deutschsprachiger Rap-Slam Meister 2013. Derzeit bei 58Muzik gesignt arbeitet er zusammen mit Yo Scheppert an neuen Releases und am zweiten Album. (Quelle Facebook).

Er brachte diesen Abend voller aufregender Live-Acts zu einem schönen und sehr professionellen Abschluss.

Lyrisch, poetisch und dabei gerappt. Seine Texte haben es in sich.
Lyrisch, poetisch und dabei gerappt. Seine Texte haben es in sich.

Krönender Abschluss einer gelungenen Woche

Überhaupt war dieser Abend, der der letzte unter der Leitung von Klaus Sonnabend und KultStädte e.V. war (Samstag stand ganz im Zeichen des Jazz-Club Lüdenscheid e.V.) der krönender Abschluss einer wirklich gelungenen Woche, die so erst einmal als Experiment gedacht war.

Abschliessendes Interview mit Klaus Sonnabend

Nicolas Leitgeb von Sound of Centuries, der die ganze Woche bis auf wenige Ausnahmen für die Technik verantwortlich war, Klaus Sonnabend, 1. Vorsitzender von KultStädte e.V. und Ulrike Starink, der "Finanzminster" des Vereins.
Nicolas Leitgeb von Sound of Centuries, der die ganze Woche bis auf wenige Ausnahmen für die Technik verantwortlich war, Klaus Sonnabend, 1. Vorsitzender von KultStädte e.V. und Ulrike Starink, der „Finanzminster“ des Vereins.

In einem kleinen abschliessenden Interview mit Klaus Sonnabend, dem 1. Vorsitzenden von KultStädte e.V. durch TACH zog dieser ein durchaus wohlwollendes Resümee aus dieser Woche voller Musik, Worten und klangvollen Namen:

„Wir werden uns jetzt als Verein KultStädte e.V. einmal in Ruhe zusammensetzen und das ganze Revue passieren lassen. Natürlich haben wir nicht damit gerechnet, dass diese Woche gleich Massen von Menschen anzieht. Das ganze war erst einmal als Einstieg gedacht, mit dem Ziel, auszuloten, was in so einer Woche läuft und was wir verbessern können.

Alles in allem sind wir jedoch sehr zufrieden. Mit den Künstlern, aber auch mit unsern Kooperationspartnern STOCK, TACH, localaid.eu, Soundbäckerei, Jazz-Club und Music Store Musikschule. Die ganze Woche lief sehr professionell ab und war jeden Abend gut von unseren Partnern begleitet. Bis auf einen Ausfall, nämlich durch Krankheit (2Eck) waren alle Künstler gut vorbereitet und auf dem Punkt. Die Veranstaltungen wurden auch vom Publikum gut angenommen.

Auch sie waren einer der Liveacts. Am Sonntag begannen sie die Kulturwoche mit einem Konzert. HongMut & Friends (Melina Fuhrmann, Nando Andreas, Patrick Honzig und Rudolf F. Nauhauser. An diesem Abend schloss sich der Kreis, mit HonigMut als Zuschauer und Rudolf als Saxofinist für Marian.
Auch sie waren einer der Liveacts. Am Sonntag begannen sie die Kulturwoche mit einem Konzert. HongMut & Friends (Melina Fuhrmann, Nando Andreas, Patrick Honzig und Rudolf F. Nauhauser). An diesem Abend schloss sich der Kreis, mit HonigMut als Zuschauer und Rudolf als Saxofinist für Marian.

Die Berichterstattung stimmte, ebenso Räumlichkeiten und Organisation. An dieser Stelle auch noch einmal ein Dankeschön an das Team des STOCK, die vielen sonstigen Helfer und die beiden lokalen Zeitungen TACH und Lüdenscheider Nachrichten, die uns jeden Tag sehr wohlwollend begleitet und die ganze Woche lückenlos dokumentiert haben. Danke dafür! Wir werden ganz sicher über eine jährliche Fortsetzung dieser Kulturwoche nachdenken!“

Kultur als starkes Fundament

Auch von den Zuschauern wurde die Woche gut angenommen. Nun wird erst einmal ein Resümee gezogen.
Auch von den Zuschauern wurde die Woche gut angenommen. Nun wird erst einmal ein Resümee gezogen.

Das kann man sich für Lüdenscheid, das sich gerade als Kulturstadt ganz neu formiert und viele spannende Künstler aus jeder Sparte von Kunst und Musik zu bieten hat, auf jeden Fall wünschen.

Denn in unsere Kultur und ihre Kulturschaffenden zu investieren lohnt sich gerade in diesen unruhigen Zeiten eines gesamtgesellschaftlichen Umbruchs mehr denn je, ist doch Kultur ein starkes Fundament, das eine Gesellschaft auch dann noch tragen kann, wenn alles andere so scheinbar aus den Fugen gerät.

 

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