Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Die als Solidaritätskundgebung für den Erhalt von Dura in Plettenberg und Selbecke angekündigte Demonstration am heutigen Samstag machte deutlich: Die Dura-Belegschaft der beiden Sauerländer Werke hat den moralischen Rückhalt der Politiker in Stadt und Land, in der kompletten Bevölkerung ist die Tragweite der drohenden Entlassung von bis zu 1000 Mitarbeitern aber immer noch nicht angekommen.

Auf 300 bis 350 schätzte die Polizei die Zahl der Demonstranten, die sich am Mittag vor dem Dura-Werkstor versammelten. Auf dem Weg zum und auf dem Alten Markt stießen noch einige Leute dazu, so dass etwa 400 Menschen den Rednern unterm Stephansdachstuhl zuhörten. „Zu wenig“, war immer wieder aus den Reihen der Teilnehmer zu vernehmen.

Solidarität zeigten auf jeden Fall große Teile der Politik in Stadt und Land. Die Erste Bevollmächtigte der IG Metall im Märkischen Kreis, Gudrun Gerhardt begrüßte namentlich Plettenbergs Bürgermeister Ulrich Schulte, die Bundestagsabgeordnete Petra Crone (SPD), die Landtagsabgeordneten Inge Blask (SPD) und Gordon Dudas (SPD), den Generalsekretär der SPD in NRW Andre Stinka, Lüdenscheids Bürgermeister Dieter Dzewas sowie Bernd Schildknecht und Bernd Benscheidt vom Vorstand des DGB-Kreisverbands. Solidarische Grüße ließ die Bundestagsabgeordnete Christel Voßbeck-Kayser (CDU) ausrichten.

Zwölf Monate Unsicherheit und Angst

Bürgermeister Ulrich Schulte (mit rote Jacke und Hut) bekundete einmal mehr seine Solidarität mit den Dura-Mitarbeitern. Foto: Bernhard Schlütter
Bürgermeister Ulrich Schulte (mit rote Jacke und Hut) bekundete einmal mehr seine Solidarität mit den Dura-Mitarbeitern. Foto: Bernhard Schlütter

Vor fast genau einem Jahr, am 18. November 2015, hatte die Geschäftsleitung von Dura Leisten & Blenden angekündigt, einen erheblichen Teil der Arbeitsplätze in den Werken Plettenberg und Selbecke abzubauen. Daran erinnerte Bürgermeister Ulrich Schulte. Auf Nachfrage habe man ihm mitgeteilt, dass sei eine Zielvorstellung, einen konkreten Plan habe man noch nicht. „Und das ist bis heute so geblieben“, stellte Schulte fest. Was bliebe, seien zwölf Monate der Unsicherheit und Angst der Duraner um ihre Arbeitsplätze. „So geht man nicht mit Menschen um!“ Schulte musste auch feststellen, dass die Manager im fernen US-Amerika nicht interessiere, was ein Bürgermeister sich für seine Stadt vorstelle. „Ich kann leider nicht mehr tun, als Ihnen meine persönliche Solidarität zu versichern.“

Auch die weiteren Rednerinnen und Redner beschrieben das Verhandlungsgebaren der Dura-Führung und ihren Umgang mit der Belegschaft als „unglaublich“ (Petra Crone) und „Schweinerei“ (Andre Stinka). Stinka sprach den Einsatz von Arbeitern aus Portugal per Werkvertrag an, die übrigens auch weiterhin samstags in Plettenberg zum Einsatz kommen. „Wir dürfen uns nicht gegeneinander ausspielen lassen. Die NRW-Landesregierung sieht da genau hin“, versprach er. Inge Blask stellte fest, dass die Forderung der Geschäftsleitung nach Mehrarbeit und die Ankündigung von Stellenabbau widersinnig seien. Sie forderte die Dura-Führung auf, unverzüglich über einen Sozialplan zu verhandeln.

Stellenabbau bei Dura träfe ganz Plettenberg

Foto: Bernhard Schlütter
Torsten Kasubke Foto: Bernhard Schlütter

Ein massiver Stellenabbau bei Dura betrifft nicht nur die Mitarbeiter selbst. „Im Eiscafé, in der Pizzeria, beim Spanier – egal, wohin ich in den vergangenen zwölf Monaten in Plettenberg gegangen bin, überall grüßten mich Dura-Mitarbeiter. Wer geht ins Eiscafé, in die Pizzeria, zum Spanier, wenn sie ihre Arbeitsplätze verlieren?“ versuchte Torsten Kasubke, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall im Märkischen Kreis und Verhandlungsführer der Dura-Arbeitnehmer, einmal mehr, die weitreichenden Konsequenzen aufzuzeigen. „Das ist in Plettenberg, bei den Plettenbergern immer noch nicht angekommen“, stellte er mit Blick auf die Beteiligung an der Solidaritätskundgebung fest. Den Politikern gab er mit auf den Weg, dass die Mitbestimmung der Betriebsräte bei Werkverträgen gesetzlich verankert werden müsse.

Donnerstag sollen Verhandlungen weitergehen

Betriebsratsvorsitzender Faruk Ikinci dankte allen Teilnehmern der Solidaritätskundgebung. Er kündigte an, dass am nächsten Donnerstag die Verhandlungen mit einer Videokonferenz fortgesetzt werden sollen. „Wir hoffen, dass wir dann zu einem Abschluss kommen.“ Erst am vergangenen Mittwoch war ein kurzfristig anberaumtes Gespräch von der Arbeitgeberseite erneut abgebrochen worden.

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