Pardess Hanna
Alle zusammen für ein Abschiedsfoto: Hora Aviv Pardess Hanna Karkur und ihre deutschen Freunde. Fotos: Iris Kannenberg

Halver/Lüdenscheid. Tel Aviv. Und da sind sie zurück in Israel. Gut gelandet in Tel Aviv sind die insgesamt 15 jungen Tänzer und Tänzerinnen von Hora Aviv Pardess Hanna Karkur, zusammen mit ihren Begleitern nach zehn aufregenden Tagen wieder wohlbehalten in ihrem Heimatland gelandet.

Kreuz und quer durch die Republik

_DSC0609
Marie, Ido, Inbar und Moritz

Sie haben ihren Aufenthalt im Rahmen des deutsch-isralischen Austausches, der seit 25 Jahren in Halver statt findet, sichtlich genossen und schlossen ihn nach einer Reise kreuz und quer durch die Republik mit einer furiosen Tanzvorführung am Mittwoch ab in Halver ab (wir berichteten).

Geschafft und glücklich

Andrea reich bekommt ein Abschiedsgeschenk von ihrer "Truppe". Sie ist sichtlich gerührt.
Andrea Reich bekommt ein Abschiedsgeschenk von ihrer „Truppe“. Sie ist sichtlich gerührt.

Andrea Reich, die Leiterin und erklärter Liebling der Gruppe, resümiert dann auch auf Facebook kurz und sehr treffend: „Das waren tolle zehn Tage. Keiner krank, keiner verletzt, Keiner verloren. Meine israelische Gruppe ist auf dem Weg nach Tel Aviv und ich auf dem Weg nach Hause in mein Bett. Geschafft und glücklich.“

Erstes Interview beim Grillabend

Das war das Resümee eines Erwachsenen, dem sich sicher alle Gastfamilien und sonstige Betreuer anschließen. Aber was sagen die jungen Leute selbst dazu? Vier davon wurden gleich zu Anfang von TACH gemeinsam befragt. Das war bei einem Grillabend im Bürgerhaus und da waren sie gerade mal einen Tag in Deutschland. Da saßen sie vor mir: Inbar und Ido sowie ihre deutschen „Pendants“ Marie und Moritz. Die jungen Israelis zu diesem Zeitpunkt mit großen Augen und völlig aufgedreht von der Tatsache, tatsächlich in Deutschland zu sein. Soooo viele neue Eindrücke!

Green, clean and calm

Der Wassertanz. Nichts ist kostbarer in Israel als Wassr.
Der Wassertanz. Nichts ist kostbarer in Israel als Wassr.

Die beiden antworteten dann auch wie aus einem Munde auf die Frage: „Was haltet ihr bis jetzt von Deutschland?“ „Green, clean and calm!!!“ (grün, sauber und ruhig). Inbar schwärmte von den Bäumen, dem Wald und dem vielen Wasser, den Flüssen, die sie gesehen hatten. Und das Essen, auch super. Und die Deutschen an sich und insbesondere.

Jede Gruppe ist halt anders

Die beiden Interviewpartner sieht man rechts und links im Bild. Und in Action.
Die beiden Interviewpartner sieht man rechts und links im Bild. Und in Action.

Sie erzählten aber beide auch von ihrer Heimat und dass ihre Familien keinen Moment gezögert haben, sie auf diese Reise in ein Land zu senden, dass sie selbst teilweise als Flüchtlinge verlassen mussten. Dass sich alle freuen, dass dieser Austausch statt findet und dass sie super gespannt sind auf die Berichte der Jugendlichen.

Ihre deutschen Freunde waren zu diesem Zeitpunkt noch eher verhalten. Austauscherprobt waren beide, jedoch wussten sie noch nicht wirklich, was da auf sie zukam. Jede Gruppe ist halt anders;-)

Zehn Tage später und ein Interview weiter

Ein jemenitischer Tanz.
Ein jemenitischer Tanz.

Zehn Tage später und ein Interview weiter: Die vier stehen vor mir, haben sich in den Armen und können es gar nicht fassen, dass die Zeit so schnell vergangen ist. Sie wollen sich nicht trennen. Auf keinen Fall. Auf meine Frage an Inbar und Ido, was ihnen am besten gefallen hat in Deutschland, kommt spontan, laut und sehr entschieden ein: „Alles!!“, danach noch einmal erläuternd von Imbar: „Die Gemeinschaft mit den Deutschen, die Gastfamilien, Berlin, die Bäume, der Regen, die Spiele.“ Ido, der gerade mal 15 Jahre alt ist und dabei tanzt wie Nurejew persönlich, ergänzt: „Der Familienabend. Da haben wir Spiele gespielt und gegessen, es war wie eine richtige Familie. Unsere Gastfamilien sind so toll!“

Die beiden deutschen Jugendlichen sind ebenfalls begeistert. Sie sprechen von einer ganz besonderen Erfahrung, neuen Freundschaften, aufregenden Tagen, an denen sie alle komplett zusammen gewachsen sind. Leuchtende Augen haben sie alle vier.

Sie wollen sich nicht trennen

Der Tanz der Blumen. Wer schon einmal in Israel war, weiß, dass es unzählige Arten dort gibt.
Der Tanz der Blumen. Wer schon einmal in Israel war, weiß, dass es unzählige Arten dort gibt.

Man sieht es ihnen an, dass sie sich nicht trennen wollen. Auf meine Frage, ob wir die zwei Tänzer wiedersehen, antworten die beiden mit etwas Wehmut, ja, Ido vielleicht schon, Inbar nicht. Sie muss, wie alle jungen Israelis mit 18 Jahren zur Armee. Und sie ist schon fast 17. Aber sie will wiederkommen, vielleicht nach der Army als Betreuerin von Hora Aviv Pardess Hanna Karkur. Wer weiß?

Der Austausch ist gelungen …

Um uns herum „tobt das Leben“. Deutsche und Israelis liegen sich in den Armen. Die Gastfamilien tauschen sich noch untereinander aus, überall sieht man in müde aber strahlende Gesichter. Dieser Austausch ist gelungen. Ein weiteres Mal! Und auch diesmal ist er wieder ein Wunder. Als Nachfahrin von „Überlebenden“ kann ich aus eigener Perspektive bezeugen, dass es nicht weniger ist, als das.

… und macht Hoffnung

Sie wollen sich nicht trennen.
Sie wollen sich nicht trennen.

Niemand hätte vor 70 Jahren gedacht, dass so etwas möglich ist, dass Deutschland und Israel sich einmal so nahe sein werden. An diesem Abend sind alle glücklich. Und geben Hoffnung. Denn: wenn es gelungen ist, diesen unendlichen Abgrund zwischen Juden und Deutschen, der nach dem Holocaust zwischen den beiden Völkern klaffte, mit soviel Leben und echter Vergebung zu füllen, dann besteht Hoffnung für Frieden für jeden kriegerischen Zustand auf diesem Planeten, für jedes Volks, das mit einem anderem Kämpft. Für alle! Frieden ist möglich! Gerade dieser Austausch führt es uns allen deutlich vor Augen. Es gibt eigentlich keine Entschuldigung mehr dafür, es nicht wenigstens zu versuchen.

Wir sehen uns in zwei Jahren in Halver

Israelis und Deutsche sind sich nach diesen gemeinsamen zehn Tagen wieder ein Stück näher gekommen. Nächstes Jahr geht´s von Deutschland aus nach Israel! Daher: שלום shalom,  להתראות lehitraot und  תודה todah!!!! (Frieden, auf Wiedersehen und Danke). Wir sehn uns in zwei Jahren in Halver. Zum nächsten Besuch.

 

Unterstütze uns auf Steady

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here