Roman Kappius und Wolfgang Opitz bilden den aktuellen Vorstand der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen. Sie stellten sich den Fragen der TACH!-Redaktion. Foto: Wolfgang Teipel

Kierspe/Meinerzhagen. Mit doppelter Kraft voraus: Vor 25 Jahren haben sich die beiden Stadtsparkassen Kierspe und Meinerzhagen zur Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen zusammengeschlossen. Aus den ehemals selbstständigen Instituten im oberen Volmetal wurde am 1. Januar 1992 ein Geldhaus. Das möchte die Sparkasse am 10. Januar zusammen mit ihren Kunden bei einer Dankeschön-Gala in der Stadthalle feiern.



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Vor 25 Jahren war die Zukunft der Sparkassen ebenso ein Thema wie heute. Die Herausforderung heißt: Als regionale Institute in einer globalisierten (Banken)Welt erfolgreich zu sein. Was waren die Beweggründe für den Zusammenschluss? Wurde er zur Erfolgsgeschichte? Wird es noch 25 Jahre so weitergehen? Dazu äußern sich Vorstandsvorsitzender Wolfgang Opitz und Vorstandsmitglied Roman Kappius im Gespräch mit der TACH!-Redaktion.

TACH!: Wer gab eigentlich den Impuls zur Fusion?

Wolfgang Opitz: Den Verantwortlichen in der Politik und in den Sparkassen schwebte im Jahr 1990 der Zusammenschluss aller Sparkassen im Kreis Lüdenscheid und ehemaligen Kreis Altena zur Großsparkasse Lüdenscheid vor. Dr. Helmut Kessler bzw. der Sparkassenverband Münster hatten die Mc Kinsey-Studie vorab in Auftrag gegeben.

TACH!: Warum eine solch große Sparkasse?

Roman Kappius: Diese Studie kam zu de. Schluss, dass sich Sparkassen vor der Vollendung des EU-Binnenmarktes zu schlagkräftigen Einheiten mit einer Bilanzsumme von mindestens einer Milliarde D-Mark zusammenschließen sollten.

Wolfgang Opitz: Später wurde der Betrag sogar noch auf drei Milliarden D-Mark erhöht. Absehbar war, dass die große Lösung, die dem Verband vorschwebte, politisch nicht umzusetzen war.

TACH!: Was passierte danach?

Wolfgang Opitz: Die Sparkassen Kierspe und Meinerzhagen griffen die Idee einer Fusion auf, die bereits 1975 angestrebt, dann aber aus unterschiedlichen Gründen fallengelassen worden war. Danach ging es schnell. Zwischen dem 7. Juni und dem 3. Juli 1991 beschlossen die zuständigen Gremien die Fusion der beiden Institute und die Vereinigung von Kierspe und Meinerzhagen zum Sparkassenzweckverband Kierspe-Meinerzhagen.

Horst Wemhoener, Jürgen Kiuppis, Hans Körner und Theo Schrülkamp bildeten den erstemn Vorstand der neuen Sparkasse. Foto: Sparkasse
Horst Wemhoener, Jürgen Kiuppis, Hans Körner und Theo Schrülkamp bildeten den erstemn Vorstand der neuen Sparkasse. Foto: Sparkasse

Dieser Beschluss fiel in eine aufregende Zeit. Der größte Börsencrash der Nachkriegszeit 1987 lag nur wenige Jahre zurück, der Ostblock war kollabiert, mit der Wiedervereinigung vollzog sich in Deutschland ein gesellschaftlicher Wandel historischen Ausmaßes, niemand wusste, wie sich die digitale Revolution auswirken würde. Außerdem war klar, dass eine neue europäische Währung eingeführt werden sollte.

Wolfgang Opitz: Auf all das mussten sich auch die Sparkassen vorbereiten.

TACH!: Ist es gelungen?

Roman Kappius: Die Entscheidung war für die wirtschaftliche Entwicklung des oberen Volmetals von großer Bedeutung. Die Einwohnerzahl in beiden Orten war durch den Zuzug durch Ostdeutschland enorme gewachsen. Die Neubürger lösten einen regelrechten Bauboom aus. Das Kreditvolumen beider Sparkassen nahm stark zu. Der Zusammenschluss legte schließlich die solide Basis für die weitere Entwicklung.

Wolfgang Opitz: Zusätzlich vertiefte die Fusion die intensive interkommunale Zusammenarbeit, die in Bereichen wie etwa der Bildung, dem Polizei- und Rettungswesen und der Sozialarbeit längst Realität geworden war. Für die neue Sparkasse lässt sich diese Entwicklung sehr gut an Zahlen festmachen. Startete das erste gemeinsame Geschäftsjahr 1992 mit einer Bilanzsumme von 596 Millionen Mark (304,7 Millionen Euro) so steuern wir aktuell auf eine Bilanzsumme von über 700 Millionen Euro im Jahr 2016 zu. Eine Verdoppelung also.

Roman Kappius: Parallel dazu setzte eine enorme technische Entwicklung ein. Ein Beispiel: Die sparkasseninterne Studie Vision 2010“ ging zu Beginn der 2000er Jahre von 20 Prozent reinen Online-Kunden, 60 Prozent Multikanal-Kunden und 20 Prozent Geschäftsstellenkunden aus. Tatsächlich ist es heute so, dass 55 Prozent aller Sparkassenkunden für das alltägliche Banking ausschließli8ch oder überwiegend das Internet oder Apps nutzen.

TACH!: Was wird sich in den nächsten 25 Jahren ändern?

Wolfgang Opitz: Schwer zu sagen. Es wird darauf ankommen, die Nähe zu unseren Kunden zu halten und auszubauen. Unser Vorteil ist, dass wir in einem klar definierten Wirtschaftsraum arbeiten, in dem unsere Kunden uns und wir unsere Kunden kennen. Sicher werden wir noch mehr Beratung anbieten müssen. Technisch werden wir uns immer wieder an neue Entwicklungen anpassen müssen.

TACH!: Und das Gesicht der Sparkasse?

Wolfgang Opitz: Das wird auch in 25 Jahren noch durch die feste Verankerung in beiden Städten geprägt sein. Beispielsweise durch die beiden Hauptstellen.

25 Jahre – ein Rückblick im Telegrammstil

1991: Zwischen dem 7. Juni und dem 3. Juli 1991 wurde in beiden Städten sowohl im jeweiligen Sparkassen-Verwaltungsrat als auch in den Stadträten die Vereinigung zum Sparkassenzweckverband Kierspe-Meinerzhagen beschlossen, die schließlich zum 1. Januar 1992 vollzogen wurde

 

1992: „Mit doppelter Kraft voraus“. Die fusionierte Sparkasse startete mit einer Bilanzsumme von 304,7 Mio. Euro (596 Mio. DM). Einwohnerzahl im Geschäftsgebiet: rd. 38.000.

1992 Das Filialnetz der Sparkassen wuchs in den neuen Bundesländern rapide und so entsendete auch die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen den Mitarbeiter Armin Kleinhofer in den Osten, um vor Ort wichtige Aufbauhilfe zu leisten

1993  Überweisungen oder Buchungen, die bis zu einer bestimmten Uhrzeit ausgeführt waren, wurden noch zum aktuellen Buchungstag gerechnet. Was danach kam, wurde erst zum nächsten Tag verbucht.

1994  Im Rahmen des 125-jährigen Jubiläums der Sparkasse in Kierspe wird das Kiersper Heimatbuch herausgebracht, welches die Geschichte und Kultur der Volmestadt eindrucksvoll dokumentiert. Zahlreiche Veranstaltungen runden das Jubiläumsjahr ab.

Kinder der Schanhollenschule besichtigten den Tresorraum der Sparkasse. Spk-Mitarbeiterin Rita Kimmel erklärte den Kindern die Sicherheitsanlagen.
Kinder der Schanhollenschule besichtigten den Tresorraum der Sparkasse. Spk-Mitarbeiterin Rita Kimmel erklärte den Kindern die Sicherheitsanlagen.

1995  Weiterer Ausbau der Selbstbedienungseinrichtungen: Geldautomaten sind nun auch in Rönsahl und an der Birkeshöh verfügbar.

1998 Die erste Internetseite der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen geht online. Auf ihr waren nicht nur die Telefonnummern der wichtigsten Ansprechpartner zu finden, sondern außerdem schon die seinerzeit noch sehr exotische Funktion des Homebankings.

1998   Die Sparkasse bereitet sich selbst und die Bevölkerung auf die Einführung des EURO vor: Zahlreiche Informationsveranstaltungen finden starkes Interesse.

1999   Nun können über die Sparkassen-Homepage Börsenkurse abgefragt, Wertpapierorder erteilt sowie das Immobilienangebot abgerufen werden. Zum 30.6.1999 tritt Sparkassendirektor Horst Wemhoener in den Ruhestand.

1999   Über unser »KundenServiceCenter« lässt sich nun vieles telefonisch erledigen und das immer komfortablere Telefonbanking wurde von unseren Kunden mit wachsender Intensität genutzt, was bis heute gilt.

2001  Im Dezember 2001 erhält die private Altersvorsorge einen deutlich höheren Stellenwert (Stichwort: Riesterförderung).

Die D-Mark geht, der Euro kommt

sparkasse-12001  Im Oktober 2001 werden 11 Tonnen EURO-Münzgeld bei der Sparkasse angeliefert. Das EURO-Zeitalter beginnt: Ausgabe der StarterKits in sogenannten Haushaltsmischungen im Wert von 20 DM.

2002  Die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen begleitet erstmals den „Kiersper Stadtlauf“ des TV Kierspe (heute TSV Kierspe) als. Im Laufe der Jahre wuchs der „Kiersper Sparkassenlauf“ zur drittgrößten Laufveranstaltung im Märkischen Kreis heran. Seit dem Jahr 2016 wird der Sparkassenlauf vom Kiersper Schalkefanclub „Die Kerspe-Knappen“ organisiert.

2002 Die Hauptstelle Meinerzhagen wird umgebaut. Es entstehen kommunikative Dialog-Inseln. Es soll sich in den Folgejahren zeigen, dass dieses Konzept von den Kunden nicht angenommen wird.

2002  Ab 2002 gewinnt die E-Mail-Kommunikation immer mehr an Bedeutung. Während sich die Kunden der Sparkasse anfänglich nur an eine zentrale Adresse wenden konnten, erhält wenig später jeder Kundenberater eine persönliche E-Mail-Adresse und steht bis heute im direkten Kontakt zu seinen Kunden.

2002  Im Jahr 2002 konnte man an SB-Terminals seine Geldkarte aufladen.

2004  Mit dem Bestreben, das Leben in Kierspe-Bahnhof zu beleben, schenkt die Sparkasse der Stadt Kierspe zur 1000-Jahr-Feier einen neuen Brunnen des Designers Günter Wermekes im Ortsteil Kierspe-Bahnhof.

2005  Neben umfangreichen Service- und Beratungsangeboten in den Filialen der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen, wird auch das Selbstbedienungsangebot immer weiter ausgebaut. Neben Auszahlungen können seit 2005 auch Kontoauszüge der Mastercard an den SB-Automaten der SPKKM ausgedruckt werden.

2006  Mit der Fußball-WM in Deutschland veranstaltet die Sparkasse das erste Public-Viewing für die Übertragung der WM-Spiele im Kiersper Rathausinnenhof unter maßgeblicher Beteiligung des Bürgermeisters Frank Emde, damals Vorsitzender des Verwaltungsrates, heute (2016) Vorsitzender des Risikoausschusses der Sparkasse. Diese Veranstaltung belegte einmal mehr das starke und gut funktionierende Vereinsleben in Kierspe. Nur durch die enge und engagierte Zusammenarbeit aller beteiligten Vereinsmitglieder bei der Organisation wurde die WM in Deutschland für alle Kiersper zum nachhaltigen Gemeinschafts-Erlebnis.

Wettbewerb für Straßenmusiker

2007  Die Sparkasse ruft den Straßenmusik-Wettbewerb „Meinerzhagener Musikus(s)“ ins Leben, der seither jedes Jahr die Menschen begeistert und den meist jungen Talenten die Chance gibt, ihr Können unter Beweis zu stellen.

2009  Die Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen feiert ihr 150. Jubiläum im Rahmen einer großen Galaveranstaltung mit ihren Mitarbeitern und Kunden in der Stadthalle Meinerzhagen.Darüber hinaus fanden eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen im Jubiläumsjahr mit Kunden statt.

Gala in der Stadthalle Meinerzhagen zum 150-jährigen Bestehen der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen. Der Sparkassenvorstand im Interview mit Matthias Bongard (Mi. mit Mikro). von li.: Erharnd Pierlings, BM und Vorsitzender des Verwaltungsrates, Sparkassendirektor Jürgen Kiuppies, Wolfgang Opitz Vorstandsmitglied und Roman Kappius, Foto: Rüdiger Kahlke
Gala in der Stadthalle Meinerzhagen zum 150-jährigen Bestehen der Sparkasse Kierspe-Meinerzhagen. Der Sparkassenvorstand im Interview mit Matthias Bongard (Mi. mit Mikro). von li.: Erharnd Pierlings, BM und Vorsitzender des Verwaltungsrates, Sparkassendirektor Jürgen Kiuppies, Wolfgang Opitz Vorstandsmitglied und Roman Kappius,
Foto: Rüdiger Kahlke

Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 150-jährigen Jubiläum verabschiedet sich Jürgen Kiuppis in den Ruhestand. Er hat durch die strukturellen Veränderungen während seiner Amtszeit für drei Sparkassen gearbeitet, ohne jemals gewechselt zu haben. Roman Kappius wird neues Vorstandsmitglied und steht fortan dem neuen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Opitz zur Seite.

2010    Das im Jahr 2002 eingeführte Dialog-Insel-Konzept in den Filialen wird wieder verworfen und durch klassische Service-Schalter ersetzt.

Beide Hauptgeschäftsstellen (Meinerzhagen und Kierspe) werden modernisiert. Ein einzigartiges und sehr gut funktionierendes Modell in der Sparkassenwelt: Zwei Hauptgeschäftsstellen, die jede für sich mit allen Produkten, allen Abteilungen, allen Beratungsmitarbeitern und einem Vorstand eigenständig arbeiten und entscheiden. Die Abteilungen S-Vermögensmanagement, Kreditgeschäft, ImmobilienCenter und

VersicherungsCenter werden in diesem Kontext neu ausgerichtet.

2012    Im Sommer 2012 war es möglich, Überweisungen auch an SB-Terminals durchzuführen. Damit war die Sparkasse 7 Tage die Woche, 24 Stunden verfügbar. Anfangs wurde dieser Service nur sehr sparsam in Anspruch genommen. Die Tendenz der Überweisungsaufträge, die über SB-Terminals erfolgen, stieg jedoch ebenso rasant wie Onlineüberweisungen mit dem PC und mobilen Endgeräten. Die Onlinebasis, sich Kontoauszüge am PC auszudrucken, wird geschaffen.

2015:

Im März: Die Service-Filiale Kierspe-Dorf zieht in den neuen Netto-Markt, Schmiedestr. 2.

Im Juni: Die Hauptgeschäftsstelle Kierspe wird umgebaut. Besonders innovativ: Eine fahrbare Wand mit drei Geldautomaten, durch die der SB-Bereich tagsüber in die Kundenhalle integriert ist.

Im September: GS Kierspe-Bahnhof wird zur Service-Filiale umgestaltet.

2016:

Im Mai: Die SB-Filiale Bahnhof eröffnet an neuem Standort Kölner Str. 75. Das Gebäude Kölner Str. 78 (ehem. Hauptstelle der Stadtsparkasse Kierspe) wird an die Stadt Kierspe verkauft.

Das neue Internetbezahlverfahren „paydirekt“ wird eingeführt.

Im Dezember: Die Service-Filiale im Netto-Markt wird fortan als SB-Filiale geführt. Papiergebundene Überweisungen gehen deutlich zurück. 2016 wird nur noch 1/3 der Überweisungen über das klassische Papierformular eingereicht.

 

 

 

 

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