Der Einsatz an der Lösenbacher Straße war für die Feuerwehr erst am zweiten Weihnachtstag um 13 Uhr offiziell beendet.

Lüdenscheid. Nach dem Brand in einem Galvanik-Unternehmen an der Lösenbacher Landstraße hat die Feuerwehr am Samstag, 13 Uhr, ihren Einsatz offiziell beendet und die Unglücksstelle offiziell an die Kriminalpolizei übergeben. Die Chemiekalienfässer werden durch Thermokameras überwacht, sodass die Behörden jederzeit über etwaige Reaktionen auf dem Laufenden sind. Die Brandursache ist noch nicht geklärt.

Insgesamt 60 Fahrzeuge vor Ort

Das Feuer war am ersten Weihnachtstag gemeldet worden. Insbesondere die gelagerten Chemikalien und die damit verbundenen Einsatzmaßnahmen hatten die komplette Feuerwehr Lüdenscheid sowie Einsatzkräfte aus dem gesamten Märkischen Kreis auf den Plan gerufen. Am Einsatz waren zeitweise bis zu 250 Einsatzkräfte von Feuerwehr und DRK sowie 50 Mitarbeiter weiterer Behörden und Firmen mit ca. 60 Fahrzeugen sowie Fachberater Chemie beteiligt. Die Werkfeuerwehr Hexion, ein chemischer Betrieb in Iserlohn und die Feuerwehr Halver hatten Einsatzmittel und Personal zur Einsatzstelle entsendet. Die Feuerwehr Altena hatte den Grundschutz für die Stadt Lüdenscheid gewährleistet, um im Falle eines weiteren Einsatzes in Lüdenscheid notwendige Maßnahmen ergreifen zu können.Brand Lösenbacher Landstraße (28)

Ebenfalls beteiligt waren der Märkische Kreis und die Bezirksregierung Arnsberg als Umweltbehörden. Die Lüdenscheider Fa. Steinebach stellte weiteres Material und Arbeitsgerät zur Verfügung. Steinebach-Geschäftsführer Karsten Emmich stand der Einsatzleitung während der gesamten Maßnahme ebenfalls als Fachberater zur Verfügung.

Messungen von Luft und Löschwasser

Eine weitere wesentliche Komponente des Einsatzes war der sogenannte Messzug der Feuerwehr Neuenrade: von diesem wurden sowohl Luftmessungen wie auch Messungen des abfließenden Löschwassers durchgeführt.

„Dabei konnten keine gravierenden Luftverunreinigungen festgestellt werden, die Schadstoffkonzentrationen im abfließenden Löschwasser waren zwar erhöht, stellten aber nach Auskunft der Fachberater, dem Stadtentwässerungsbetrieb Lüdenscheid (SEL) und der Kläranlage kein größeres Problem dar“, heißt es dazu in einer Mitteilung der Feuerwehr.

Kontaminiertes Wasser abgepumpt

Ein Großteil des kontaminierten Löschwassers wurde aus der Löschwasserrückhaltung von der Fa. Lobbe zur anschließenden Entsorgung abgepumpt.

Die Feuerwehr selbst hatte den Brand 12 Uhr unter Kontrolle gebracht. Die anschließenden Bergungsmaßnahmen der betroffenen Chemikalien dauerten bis in den späten Abend.

Straßensperrung am Freitagbend aufgehoben

Das größte Problem waren dabei die Bergungsmaßnahmen von einigen Fässern mit Natriumdithionit. Durch die Brandeinwirkung wurden einige der Fässer beschädigt. Dabei reagiert die chemische Substanz mit Wasser, neigt bei Erwärmung zur Selbstentzündung und regiert heftig bei Hitzeinwirkung oder starker Erschütterung. Aufgrund dieser Eigenschaften sind derzeit Experten damit beschäftigt, die Bergungsmaßnahmen zu planen, um sowohl die beschädigten, als auch die unbeschädigten Fässer sichern zu können.

Für die Dauer der Maßnahmen war die Lösenbacher Landstraße im mittleren Bereich gesperrt. Die Sperrung wurde erst am Abend wieder aufgehoben. Die Anwohner wurden vormittags vorsorglich aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Der Lüdenscheider Bürgermeister Dieter Dzewas machte sich vor Ort persönlich ein Bild von den Einsatzmaßnahmen.

Info Messzug MK: Die Löschgruppe Willertshagen mit dem Gerätewagen Messtechnik (GW-Mess) bildet den Messzug MK. Die Willertshagener Kräfte und der Einsatzleitwagen (ELW) als Komponente des Messzuges des Märkischen Kreises waren vor Ort, weil es sich bei den im Betrieb gelagerten um Natriumdithionit handelt.

Farbloses, giftiges Gas

Wird dieser Stoff erhitzt, bildet sich Schwefeldioxid – ein farbloses, giftiges Gas, welches den charakteristischen Geruch nach „faulen Eiern“ aufweist. Weiterhin kann sich Natriumdithionit bei Kontakt mit Wasser selbst entzünden. Gerade bei dem massiven Löschangriff konnte nicht ausgeschlossen werden, dass der Stoff mit Wasser in Kontakt kommt.

Die Aufgabe des Messzuges des Märkischen Kreises war es, in der nahen Umgebung und in den angrenzenden Wohngebieten mit mehreren Messtrupps stetig Luft- und auch Wassermessungen durchzuführen, um eine erhöhte Konzentration von Schwefeldioxid und somit eine eventuelle Gefährdung für die Anwohner ausschließen zu können. Die Messungen verliefen aber ausschließlich negativ. Es konnte zu keinem Zeitpunkt eine erhöhte Konzentration des Gases gemessen werden.

Das Feuer war nach ca. fünf Stunden unter Kontrolle, sodass der Messzug in großen Teilen wieder von der Einsatzstelle abrücken konnte. Da noch Fässer mit Natriumdithionit aus der Firma geborgen werden mussten, verblieb aber unter anderem der GW-Mess der Löschgruppe noch am Einsatzort, um bei eventuellen Komplikationen bei der Bergung schnell eingreifen zu können. Diese traten allerdings nicht auf, teilte der Messzug der Löschgruppe Willertshagen mit.

 

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