Zahlreiche Bürger nahmen an der Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof teil. Foto: Bernhard Schlütter

Plettenberg. Zahlreiche Bürger/-innen von Jung bis Alt nahmen am Holocaust-Gedenktag (27. Januar) an der Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof an der Freiligrathstraße teil. Das ist zum einen auf die Beteiligung des Albert-Schweitzer-Gymnasiums zurückzuführen, dessen Geschichts-Leistungskurs auch noch die Fortsetzung der Gedenkveranstaltung im Ratssaal gestaltete. Zum anderen dürfte dies auch eine bewusste Reaktion der Plettenberger Bürgerschaft auf Provokationen z.B. des AFD-Politiker Björn Höcke sein, der zum Umdenken bei unserer Vergangenheitsbewältigung aufgerufen und das Holocaust-Mahnmal in Berlin ein „Denkmal der Schande genannt“ hatte.

Ulrich Schulte legte einen Blumenstrauß an der Stele für die Plettenberger Holocaust-Opfer nieder. Foto: Bernhard Schlütter
Ulrich Schulte legte einen Blumenstrauß an der Stele für die Plettenberger Holocaust-Opfer nieder. Foto: Bernhard Schlütter

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrationslager Auschwitz. An diesem Jahrestag erinnern wir in Deutschland an den Holocaust, dem Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Bürgermeister Ulrich Schulte ging in seiner Rede auf die Äußerungen Höckes ein. „So gesehen ist die Stele auf dem jüdischen Friedhof unsere kleine Plettenberger Variante eines Denkmals der Schande. Aber ist diese Formulierung wirklich so falsch. Ob wir in Berlin stehen oder hier vor dieser Stele – ist es nicht beschämend zu wissen, dass wir zu einem Volk gehören, das Millionen von Menschen systematisch umgebracht hat. Wenn wir von den einzelnen Schicksalen der jüdischen Familien hier aus Plettenberg hören oder lesen, haben wir da nicht einen Kloß im Hals?“

Damit solches Unrecht nie wieder geschieht

Foto: Bernhard Schlütter
Foto: Bernhard Schlütter

Die Erinnerung an die Verbrechen, die Gräueltaten, die unser Volk in der Zeit des Nationalsozialismus verübt hat, sei wichtig, damit solches Unrecht nie wieder geschieht. Wir könnten „auch nicht jene Nationen zum Vorbild nehmen, die ihre eigenen Grausamkeiten in Zeiten des Krieges oder der Kolonialherrschaft ignorieren, weil sie Reparationszahlungen oder Imageschäden fürchten. Wenn wir uns diesem begangenen Unrecht stellen, sind wir nicht die Dummen, sondern die Ehrlichen und Starken“, betonte Schulte.

Die komplette Rede von Bürgermeister Ulrich Schulte können Sie hier lesen: gedenktag-auschwitz-2017.

Beklemmende Aufführung im Ratssaal

ASG-Schüler führten im Ratssaal Teile des Dramas "Ermittlungen" von Peter Weiss auf. Foto: Bernhard Schlütter
ASG-Schüler führten im Ratssaal Teile des Dramas „Ermittlungen“ von Peter Weiss auf. Foto: Bernhard Schlütter

Nach der Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof gingen die Teilnehmer alle in den Ratssaal, wo Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Teile des Dramas „Ermittlungen“ von Peter Weiss aufführten. Das Stück basiert auf den Verhörprotokollen der Beteiligten am Massenmord in Auschwitz. Die Schilderungen der Zeugen und die Sichtweisen der Täter enthüllen das Grauen von Auschwitz wirkungsvoller als es jede dramatische Erzählung erreichen könnte. Die Zuschauer im Ratssaal waren sichtlich mitgenommen.

Foto: Bernhard Schlütter
Die Zuschauer waren von der Schüleraufführung sichtlich berührt. Foto: Bernhard Schlütter

Stadtarchivarin Martina Wittkopp-Beine und ASG-Lehrer Dr. Peter Schmidtsiefer hatten zusammen mit den Schüler/-innen des Geschichts-LK die Teilnahme an der Holocaust-Gedenkveranstaltung vorbereitet. „Die Jugendlichen haben sich auf das Thema eingelassen. Das hat Freude bereitet“, erzählte Martina Wittkopp-Beine.

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