Ansicht einer Lüdenscheider Kleingartenparzelle im Juli
Grüne Erholungsinsel in der Stadt – Der Schrebergarten dient zur Naherholung, bietet Entspannung vom Stress im Berufsleben, ist Lieferant für frisches Obst und Gemüse in Bio-Qualität, ist das perfekte Klassenzimmer für (Klein-)Kinder und Jugendliche. (Foto: Jentsch)
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen! (Foto: F.Jentsch)
Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!

Hätte man mir jemand vor einigen Jahren gesagt, ‘Du wirst Obst und Gemüse im eigenen Kleingarten pflanzen’, dann hätte ich mit Sicherheit schallend gelacht und den Kopf geschüttelt. Schrebergärtner, Laubenpieper in einer Laubenkolonie? Wir? – So ein Quatsch! Doch schon Wilhelm Busch schrieb einmal: “Aber hier, wie überhaupt, kommt es anders, als man glaubt.”



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Der richtige Kleingarten

2012 fing es an. Unser Kleinkind wurde zwei und der Drang nach draußen zu kommen immer größer. Unsere Wohnung ist eigentlich perfekt, allerdings können wir den Garten des Vermieters nicht nutzen. Der Balkon und umliegende Spielplätze des Stadtteils sind kein Ersatz für eine Familie, die gerne an der frischen Luft ist. Per Zufall stach uns eine Annonce in der Tagespresse ins Auge ‘Nachpächter für Kleingartenparzelle gesucht’. Eigentlich eine gute Idee. In den folgenden zwei Wochen klapperten wir die Lüdenscheider Kleingartenanlagen ab, recherchierten im Internet und kontaktierten kurzerhand den Vorstand des Vereins, der uns am meisten zusagte. Zusammen mit ein paar Vorstandsmitgliedern besichtigten wir drei oder vier Parzellen. Wiederum zwei Wochen später vollzogen wir den Wechsel. Mitgliedsantrag und Pachtvertrag für ca. 300 qm Gartenfläche inkl. Gartenlaube wurden unterschrieben, die Ablösesumme gezahlt.

Wichtige Kriterien bei unserer Suche: Kinderfreundlichkeit (gepflegte! Spielplätze), Erreichbarkeit, Größe der Gärten, symphatische Mitgärtner, Vereinsaktivitäten, Strom- und Wasserversorgung in der Anlage.

Tipps zur Gartenübernahme

  • Bevor man sich für einen Schrebergarten entscheidet, sollte man sich darüber im Klaren sein, welche Arbeit auf einen zukommt. Ein Kleingarten muss gepflegt und bewirtschaftet werden. Der Garten muss nicht perfekt sein, doch vor dem Sonnenbad auf der Hollywoodschaukel steht zunächst einmal das Unkrautzupfen!
  • Natürlich kann man den privaten Anzeigen in der Tagespresse nachgehen, allerdings werden Gartenwechsel und Ablösesumme sowie alle Pachtmodalitäten über den Vorstand eines Gartenvereins gelöst. Das hört sich im ersten Moment sehr nach Bürokratie und Fremdbestimmung an, macht jedoch Sinn. Unser eigener Garten war zum Beispiel vom Vorpächter privat inseriert worden und lag auf Internetportalen preislich ca. 1000 bis 2000 Euro über dem, was der Garten tatsächlich wert war.
  • Bedingung für die Pacht eines Kleingartens ist die Mitgliedschaft im jeweiligen Kleingartenverein – Keine Angst, die Vereine freuen sich über Nachwuchs und beharren nicht auf die strikte Einhaltung der Regeln für eine Bewirtschaftung nach dem Motto ‘10 Salatköpfe gepflanzt, 20 müssen es sein’
  • Der Wert einer Parzelle wird durch eine offizielle Gartenbewertung festgelegt. In einer Inventarliste werden jede Pflanze und jeder Baum je nach Pflegezustand mit Betrag X versehen. Hinzu- oder abgezogen werden bauliche Maßnahmen wie zum Beispiel: die Laube bzw. Hütte, Beetumrandungen, Wegpflaster, usw. . Versteckte Mängel oder unerwartete Schäden sollten binnen 6 Monaten dem Vorstand gemeldet werden.
  • Vorsicht bei nicht genehmigten ‘Schwarzanbauten’! Diese sollten in der Regel vom Wert abgezogen und/oder vom Vorpächter entfernt werden. Werden Schwarzanbauten geduldet, dann steht man selbst dafür gerade. Spätestens dann, wenn man irgendwann den Garten wieder abgeben möchte.
  • Gartengeräte und Gartenmobiliar gehören übrigens nicht zur Parzelle. Diese können oft günstig vom Vorpächter übernommen werden. In der Regel sollte man die Hütte besenrein übernehmen, sofern es keine gesonderte Vereinbarung mit dem Vorpächter gibt.

Inzwischen sind wir im zweiten Gartenjahr angelangt – ein Fass ohne Boden, aber wir lieben es!

Es gibt viel zu tun, packen wir es an!

In diesem Sinne…
Frohes Schaffen!

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