Friedrich Karl Schmidt trug bei der Versammlung eine Reihe von Fragen vor, die aus dem Stadtteil an ihn herangetragen worden waren.

Lüdenscheid. Die Behörden weisen Lüdenscheid immer mehr Flüchtlinge zu. Die Unterbringung wird immer schwieriger, ob kurz-, mittel- oder auch langfristig. Die Folge: Schon heute befasst sich die Stadtverwaltung mit einer Ausweitung des Standortes Grundschule Schöneck. Neben der Herrichtung der Turnhalle ist zudem eine Container- oder Zelthallensiedlung auf dem ehemaligen Sporthallengelände geplant. Am Mittwoch ging ein Raunen durch die Pausenhalle der Hauptschule, als Bürgermeister Dieter Dzewas bei einer Bürgerversammlung im Foyer der Hauptschule Stadtpark verkündete, dass dort mittelfristig rund 500 bis 600 Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche leben werden. „Sie schaffen hier ein Ghetto mit allen Problemen, die sich daraus ergeben, wenn so viele Menschen auf engstem Raum leben“, gab eine Sprecherin zu bedenken.

Müssen Obdachlosigkeit verhindern

Alternativen habe die Stadt nicht, argumentierte der Rathaus-Chef. „Wir müssen Obdachlosigkeit verhindern“, sagte er. Er gehe auch davon aus, dass an anderen Stellen im Stadtgebiet solche Siedlungen auf Zeit eingerichtet werden müssten. Der Wohnungsmarkt im unteren Preissegment sei leergefegt. Schon klopften Geschäftemacher bei ihm an, die jetzt für horrende Preisvorstellungen heruntergekommene Immobilien versilbern wollten.

Keine Sicherheit für 2016

Offen ist, mit welchen Zahlen Lüdenscheid in den kommenden Jahren zu rechnen hat. „Wir stellen uns auf die Zahlen von 2015 ein“, sagte Dieter Dzewas. Das bedeute eine Zuweisung von mindestens 1000 Menschen auch im nächsten Jahr. Sicher sei das allerdings nicht.

Damit liegt er ganz auf der Linie der Arnsberger Bezirksregierung. Es gebe keine abschließende Einschätzung für 2016, ließ die Regierungspräsidentin am Mittwoch verlauten. Auch auf eine Zahl von rund 500 000 von Nordrhein-Westfalen wollte sich die Bezirksregierung nicht festlegen.

Provisorien auch an weiteren Stellen in der Stadt

Stüttinghausen solle keinesfalls zum Schwerpunkt für die Unterbringung von Flüchtlingen ausgebaut werden, betonte Martin Bärwolf, Fachbereichsleiter Planen und Bauen bei der Stadt Lüdenscheid. „Wir müssen auch an anderen Stellen der Stadt aktiv werden, weil wir mit Tausenden von Flüchtlingen rechnen“, sagte er. „Eine Sonderlast Schöneck wird es nicht geben“, betonte auch der Bürgermeister.

Martin Bärwolf räumte ein, dass das ehemalige Sportplatzgelände für den Bau vor Einfamilienhäusern vorgesehen gewesen sei. Die aktuelle Entwicklung erfordere aber eine schnelle Umplanung. „Auf bürokratische Hemmnisse dürfen wir keine Rücksicht nehmen“, stellte er fest.

Auf sinkende Einwohnerzahlen eingestellt

Die Stadt Lüdenscheid habe sich in den Planungen der vergangenen Jahre auf sinkende Einwohnerzahlen eingestellt. Deshalb fehle jetzt preiswerter Wohnraum, der anerkannten Asylbewerbern angeboten werden könne.

Mechthild Börger von der Flüchtlingshilfe appellierte: "Gehen Sie auf die Menschen zu."
Mechthild Börger von der Flüchtlingshilfe appellierte: „Gehen Sie auf die Menschen zu.“

„Wir sind mit vielen Investoren und Wohnungsgesellschaften im Gespräch, um diese Probleme zu lösen“, versicherte der Bürgermeister.

Viele offene Fragen

Sorgen und Besorgnis: Was man für die Flüchtlinge tun könne? Warum sie hinter Zäunen eingepfercht seien? Ob die Lebensqualität in Lüdenscheid leiden werde, wenn so viel Geld aufgewendet werden müsse, um Not abzuwenden? Wie die Stadt eine eventuell drohende Ghettoisierung verhindern wolle? Wie die Integration voranschreite? Bei der Bürgerversammlung tauchten zahlreiche Fragen auf, die nicht abschließend beantwortet werden konnten.

Mechthild Börger von der Lüdenscheider Flüchtlingshilfe empfahl am Mittwoch: „Gehen Sie auf die Menschen zu. Lächeln Sie sie an. Kommen Sie mit ihnen ins Gespräch.“ So könne jeder Einzelne Werte vorleben und einen Beitrag zur Integration leisten.

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