Die Feuerwehr Schalksmühle schlägt Alarm. Der Grund: Immer öfter sperren sich Arbeitgeber dagegen, Mitarbeiter für einen Einsatz frei zu stellen. Foto: Wolfgang Teipel

Schalksmühle (ots) – Mittwochvormittag 11 Uhr. Einsatz für die Feuerwehr Schalksmühle: Die Brandmeldeanlage eines Seniorenheims hat ausgelöst. Die Leitstelle alarmiert die Feuerwehrleute von zwei Löschgruppen über digitalen Meldeempfänger.

Ein erfundenes aber realitätsnahes Beispiel

11:10 Uhr: Zwei Feuerwehrmänner treffen am Gerätehaus ein. „Ist sonst noch einer da?“ -„Nein.“

11:15 Uhr:  Zwei weitere Feuerwehrleute erreichen das Gerätehaus. Sonst kam niemand mehr. Keiner will mehr warten, also fahren sie los – mit nur einem Atemschutzgeräteträger.

11:20 Uhr: Die Feuerwehrleute erreichen den Einsatzort. Qualm dringt aus einem Fenster. Menschen rufen um Hilfe. Mit nur einem Atemschutzgeräteträger kann die Feuerwehr hier aber nicht helfen.

11:25 Uhr: Das Feuerwehrfahrzeug der anderen Löschgruppe trifft ein. Vier Mann. Zwei Atemschutzgeräteträger. Es ist still geworden. Niemand ruft mehr um Hilfe.

11:30 Uhr: Der Angriffstrupp betritt das Gebäude und beginnt mit der Menschenrettung.

11:35 Uhr: Zu spät.

Diese kurze ausgedachte Geschichte soll verdeutlichen, dass die Feuerwehr im Einsatzfall auf jeden einzelnen Feuerwehrangehörigen angewiesen ist – erscheint der Einsatzgrund auch noch so übertrieben oder gar überflüssig. Die Geschichte ist zwar ausgedacht, sie ist dennoch nicht weit von der Realität entfernt. Viele Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr arbeiten in anderen Orten und können deshalb nicht zum Einsatz kommen. Daran ist leider nichts zu ändern.

Negative Anspielungen

Es gibt aber auch Kameraden der Feuerwehr die beispielsweise in Schalksmühle arbeiten oder in der näheren Umgebung wie Halver und Lüdenscheid. Sie würden gerne zum Einsatz kommen, aber sie dürfen nicht. Der Chef erlaubt es oft nicht. Viele Arbeitnehmer und besonders hochmotivierte Auszubildende trauen sich häufig noch nicht einmal den Vorgesetzten zu fragen, weil dieser im Vorfeld bereits negative Anspielungen gemacht hat. Diese Einstellung der Feuerwehr gegenüber kann im Ernstfall Menschenleben kosten. Deswegen möchte die Feuerwehr an dieser Stelle an die Vernunft und die soziale Verantwortung der Arbeitgeber appellieren.

Ihr Aufruf: „ Seien Sie froh, dass es noch Menschen gibt, die sich für andere einsetzen. Unterstützen Sie die ehrenamtliche Tätigkeit Ihrer Mitarbeiter und lassen Sie diese zu den Einsätzen fahren. Jeder braucht mal Hilfe. Was ist, wenn es Sie und Ihre Angehörigen das nächste Mal direkt betrifft?

Ausfall wird erstattet

Einsätze während der Arbeitszeit kommen vor, aber es passiert nicht ständig. Zudem besteht für jeden Arbeitgeber die Möglichkeit, sich den durch einen Einsatz erlittenen Verdienstausfall von der Gemeinde Schalksmühle erstatten zu lassen. Weder zeitlich noch wirtschaftlich gibt es somit ein zwingendes Argument dafür die Mitarbeiter nicht gehen zu lassen.

Die ehrenamtlichen Kräfte der Wehr (hier bei einer Übung auf dem Schalksmühler Bauhof) sind verpflichtet, auf Anforderung hin an Einsatz-, Übungs-, Ausbildungs- und Fortbildungsdienst sowie an sonstigen Veranstaltungen teilzunehmen. Foto: Wolfgang Teipel
Die ehrenamtlichen Kräfte der Wehr (hier bei einer Übung auf dem Schalksmühler Bauhof) sind verpflichtet, auf Anforderung hin an Einsatz-, Übungs-, Ausbildungs- und Fortbildungsdienst sowie an sonstigen Veranstaltungen teilzunehmen. Foto: Wolfgang Teipel

Zudem – und hierauf sei auch ganz ausdrücklich hingewiesen – sind alle Arbeitgeber gesetzlich dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter zu einem Einsatz der Feuerwehr fahren zu lassen. „Die ehrenamtlichen Angehörigen der Feuerwehr und die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der anerkannten Hilfsorganisationen sind auf Anforderung hin zur Teilnahme am Einsatz-, Übungs-, Ausbildungs- und Fortbildungsdienst sowie an sonstigen Veranstaltungen verpflichtet. “

(…) „Während der Dauer der Teilnahme an Einsätzen, Übungen, Aus- und Fortbildungen (…) entfällt für die ehrenamtlichen Angehörigen der Feuerwehr und die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der anerkannten Hilfsorganisationen die Pflicht zur Arbeits- oder Dienstleistung.“ – Dies bestimmt Paragraph 20 des Gesetzes über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz des Landes NRW. Ein Entscheidungsspielraum für  Arbeitgeber und Mitarbeiter besteht deshalb eigentlich gar nicht.“

Arbeitgeber, die Fragen haben, können sich an die Gemeinde Schalksmühle oder die Feuerwehr wenden. Viel wichtiger sei es aber, dass Chefs und Mitarbeiter über dieses wichtige Thema sprächen und einvernehmliche Lösungen fänden, empfiehlt die Feurwehr. „Damit die Feuerwehr auch in Zukunft nicht zu spät kommt.“

 

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