In den Standorten der ABC-Erkundungskraftwagen wird der Umgang mit den unterschiedlichen Messgeräten auch unter Vollschutzanzug regelmäßig trainiert. Eine Übung mit allen Erkundungsfahrzeugen hat das Ziel, die Zusammenarbeit, die bei einer großflächigen Gefahrstoffausbreitung erforderlich wird, zu optimieren.

Märkischer Kreis. (pmk). Nach einem fiktiven Bahnunfall in Hagen werden großflächig giftige Stoffe freigesetzt, deren Ausbreitung die Bevölkerung im Märkischen Kreis gefährden könnte. Das ist das Szenario für eine Feuerwehr-Großübung „Ü-Messen 2“ im Regierungsbezirk Arnsberg am Samstag, 8. November. Geprobt werden sollen der Einsatz der ABC-Erkundungskraftwagen zur Feststellung von Gefahrstoffkonzentrationen und die Zusammenarbeit der Führungsstäbe der Feuerwehren bei Messeinsätzen über die Kreisgrenzen hinweg. Die Messergebnisse helfen bei der Auswahl geeigneter Gefahrenabwehrmaßnahmen zum Schutz von Mensch und Umwelt. Regional eingebunden sind dabei die Kreisleitstelle des Märkischen Kreises, die Feuerwehren Plettenberg, Hagen, Altena, Nachrodt-Wiblingwerde sowie die Werkfeuerwehren der Momentive GmbH Iserlohn-Letmathe und Krupp-VDM GmbH Werdohl. Erstmals wird die Kommunikation über Digitalfunk erfolgen. Die Übung wird durch Schiedsrichter an den entscheidenden Stellen beobachtet und beurteilt. Zudem können die Übungsteilnehmer Schwachpunkte und Verbesserungsvorschläge in sogenannten Optimierungslisten vermerken. Aufgabe des Arbeitskreises ABC-Messen im Regierungsbezirk Arnsberg wird es sein, die gewonnen Erkenntnisse aufzuarbeiten und neue Regelungen zu definieren.

Industriebrände, bei denen Gefahrstoffe freigesetzt werden oder Verkehrsunfälle mit Gefahrguttransportern stellen nicht nur die Feuerwehr vor besondere Herausforderungen. Zur Feststellung der Gefahrstoffkonzentrationen, die bei derartigen Szenarien in die Umwelt gelangen können, halten die Feuerwehren eine Grundausstattung von Messmitteln, z.B. Prüf-röhrchen vor. Bei größeren Einsätzen, wie beispielsweise beim Brand der Firma Compo in Krefeld vor zwei Jahren, bei der die Schadstoffwolke über Großteile des Ruhrgebietes zog, reichen die Messmittel einzelner Feuerwehren aufgrund der Größenordnung nicht mehr aus. Für diese Fälle hat das Land NRW ein Konzept erarbeitet, das die Zusammenarbeit der Feuerwehren bei Messeinsätzen regelt. In diesem Konzept werden in der untersten Stufe die Kreise und kreisfreien Städte aufgefordert, entsprechende Messzüge mit einer eigenen Führung aufzustellen.

Diese Messzüge können bei entsprechenden Lagen auch überörtlich eingesetzt werden. Daher werden sie mit „Ü-Messen 1“ (Überörtliches Messen, Stufe 1) bezeichnet. Im Märkischen Kreis wird diese Einheit durch Fahrzeuge aus insgesamt 7 Feuerwehren zusammengesetzt. Bei der nächsthöheren Stufe „Ü-Messen 2“ werden die Regierungsbezirke in die Verantwortung genommen.

Seit 2002 verfügt der Regierungsbezirk Arnsberg dazu über 7 Spezialfahrzeuge „ABC-Erkundungskraftwagen“, die durch den Bund beschafft und in unterschiedlichen Feuerwehren stationiert wurden. Diese Fahrzeuge sind neben den bereits erwähnten Prüfröhrchen mit Spezialmessgeräten wie einem Photoionisations-Detektor und einem Ionenmobilitätsspektrometer ausgestattet. Darüber hinaus befinden sich ein Dosisleistungsmessgerät, ein Kontaminationsnachweisgerät sowie ein Gamma-Spektrometer zum Nachweis von radioaktiver Strahlung an Bord. Eine Besonderheit dieser Fahrzeuge ist, dass die Messungen auch während der Fahrt durchgeführt und die Messwerte in einem PC dargestellt werden können.
Entscheidend ist aber, dass die beschriebene Ausstattung allein keine Messwerte liefert, denn dazu ist gut ausgebildetes Personal erforderlich, das neben der feuerwehrtaktischen Ausbildung gerade im naturwissenschaftlichen Bereich (Chemie, Physik) entsprechendes Fachwissen vorweisen kann. Die Besatzungen der 7 Fahrzeuge haben in den vergangenen 12 Jahren sehr intensiv zusammengearbeitet und verfügen auch durch mehrere gemeinsam abgewickelte Einsätze über ein hohes Erfahrungspotenzial. In einem Arbeitskreis auf Bezirksebene findet auf fachlicher Ebene ein ständiger Austausch statt.

Im vergangenen Jahr hat das Land NRW für einen Betrag von ca. 7,5 Mio. Euro zusätzliche Fahrzeuge beschafft. Im Regierungsbezirk Arnsberg stehen seitdem für „Ü-Messen 2“ insgesamt 14 ABC-Erkundungskraftwagen zur Verfügung. Nach der Indienststellung dieser Fahrzeuge mussten sich die neuen Mannschaften zunächst mit der Technik vertraut machen. Jetzt geht es darum mit allen Fahrzeugen zielführend zusammenzuarbeiten. Das Konzept sieht vor, im Regierungsbezirk Arnsberg zwei „Ü-Messen 2-Einheiten“ zu bilden.

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