Ein Teil des Sauerland-Centers soll zu Unterkünften für Asylbewerber umgebaut werden.

Lüdenscheid. Jeder Lüdenscheider kennt es. Das markante Gebäude in der Lüdenscheider Innenstadt mit den elf Stockwerken und dem 70er Jahre Plattenbaucharme an der Sauerfelder Straße. Doch während die breite Öffentlichkeit aktuell mit den Fragen beschäftigt ist, was rund um Projekte wie Rathaustunnel, Sternplatz-Forum und Peek & Cloppenburg-Neubau passiert rangiert das Stadtbildprägende Sauerland-Center zunehmend am Rande der Wahrnehmung.

Was passiert aktuell am Sauerland-Center?

Stellt man sich die Frage, was denn eigentlich aktuell am Sauerland-Center passiert, gelangt man recht schnell zu der Erkenntnis: Nichts. Ein Rundgang über das frei zugängliche Gelände des Centers und die ebenfalls zugänglichen Innenbereiche vermittelt dem interessierten Besucher eines ganz deutlich: Hier passiert nichts. Gar nichts. Leerstand, Müll, Schmutz und Beschädigungen wohin man schaut. Unmengen an Müll im Hinterhof, zerstörte Scheiben rund um das Gebäude und verwaiste Gewerbeeinheiten. Einzig der Unkrautwuchs floriert am Sauerland-Center aktuell.

Letzte Mieter und Hausmeister an einsamer Front

In der Nachbarschaft sieht es nicht viel besser aus. Der Schornstein dieses Gebäudes ist mittlerweile komplett ins Gebäude gestützt. Foto: Parnemann
In der Nachbarschaft sieht es nicht viel besser aus. Der Schornstein dieses Gebäudes ist mittlerweile komplett ins Gebäude gestützt. Foto: Parnemann

Wir wollten mit denen sprechen, die dem Sauerland-Center die Treue halten. Den letzten Mietern und dem Hausmeister. Die jedoch zu finden, ist gar nicht so einfach. Denn von den zahlreichen Gewerbeeinheiten am Fuße des Centers sind gerade einmal vier vermietet. Ein Pflegedienst, eine Spielothek, ein Kieferorthopäde, eine Lohnsteuerhilfe und der Hausmeister sind im Sauerland-Center noch anzutreffen.

Letzterer ist derjenige, der sich um die Instandhaltung des Gebäudes kümmern soll und muss. Und genau das macht Ralf Hönscher auch. Jedoch ist sein Job im Sauerland Center nicht einfach. Alleine verantwortlich für die Instandhaltung eines Gebäudes in dieser Größe und in diesem Zustand zu sein – das ist ein kleines Meisterwerk. Ralf Hönscher versichert uns im Gespräch: „In den letzten Jahren ist es hier ruhiger geworden.“ Damit meint er vor allem die Sachbeschädigungen am Gebäude oder die Besuche von Menschen, die das Umfeld des Sauerland-Centers für Alkohol und Drogenkonsum offenbar anziehend finden. „Aber trotzdem ist es nicht einfach hinterher zu kommen“, sagt Hönscher. „Ich gehe davon aus, dass“, so vermutet Hönscher, „eine notwendige Sanierung mit einer erfolgreichen Vermietung zusammenhängt.“ Ganz unrecht hat er mit dieser Vermutung nicht, wie sich später zeigt. Seit Jahrzehnten ist Ralf Hönscher nun Hausmeister im Sauerland Center und erinnert sich gerne an die Zeiten der Vollvermietung zurück: „Das war hier damals richtig toll, als alles vermietet war.“

Sauerland-Center in Gesellschaft. Auch das Forum steht immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Foto: Parnemann
Sauerland-Center in Gesellschaft. Auch das Forum steht immer wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Foto: Parnemann

Michael Schmidt, Geschäftsführer des Pflegedienstes im Sauerland-Center zeigte sich in unserem Gespräch hoffnungsvoll, dass sich am jetzigen Stand der Dinge etwas ändert: „Die aktuelle Situation ist eher schlecht. Aber ich hoffe, dass sich daran in der Zukunft nochmal etwas ändert und, dass sich das Umfeld im Gebäude verbessert.“ Schmidt, der seit Oktober 2011 als Mieter im Sauerland-Center beheimatet ist, hat auch schon daran gedacht auszuziehen: „Sicher gab es auch schon die Überlegungen wegzugehen. Es haperte bislang aber einfach daran, etwas Passendes für uns zu finden.“ Dass der Umzug als Option im Raume steht, verwundert nicht. Gerade auch wenn man Michael Schmidt nach den Stimmen seiner Kunden befragt: „Wir bekommen schon negatives Feedback unserer Kunden. Insbesondere der Außenbereich des Centers wird oft bemängelt.“ Trotz aller negativen Aspekte sieht Schmidt aber auch Vorteile im Sauerland-Center als Standort: „Wir sind hier sehr zentral und gut gelegen. Gerade auch die vielen Parkmöglichkeiten direkt im Haus durch das Parkhaus sind für uns ein echter Vorteil.“

Für viele Lüdenscheider der einzige Grund das Gebäude zu nutzen. Die Tiefgarage. Foto: Parnemann
Für viele Lüdenscheider der einzige Grund das Gebäude zu nutzen. die Tiefgarage. Foto: Parnemann

Die Parkmöglichkeiten im Sauerland-Center sieht auch Eike Musolf als Standort-Vorteil. Sie ist Angestellte der Lohnsteuerhilfe im Sauerland-Center. Neben dem Angebot an Parkflächen spielt für sie auch die Barrierefreiheit im Center eine entschiedene Rolle, um dem Standort die Treue zu halten. Und das macht die Lohnsteuerhilfe immerhin bereits seit rund 30 Jahren. Muslof würde sich allerdings ebenfalls wünschen, dass für die Instandhaltung des Gebäudes und der Umlage mehr Kräfte freigemacht werden. Auch sollte aus ihrer Sicht intensiver um Mieter geworben werden. Eicke Muslof fühlt sich in ihren Büroräumen im Center zwar wohl, die Umgebung im und um das Center empfindet sie allerdings als trostlos. „Unsere Kunden geben uns immer wieder negatives Feedback zur Umlage. Manche witzeln auch immer wieder und raten uns dazu, schnell wieder hinter ihnen abzuschließen oder ähnliches.“ Man habe auch bereits mehrfach den Kontakt zur Hausverwaltung gesucht. Hier sei man aber immer wieder mit leeren Versprechen vertröstet worden.

Sanierung nur mit Vermietung. Aber Vermietung auch ohne Sanierung?

Foto: Parnemann
Foto: Parnemann

Die Gebäudeverwaltung mit Sitz in Berlin gibt sich indes schweigsam. Zwar gebe es „Pläne für den Wohnturm, von deren Umsetzung auch die Planungen für die Gewerbeeinheiten abhängig sind“, so eine Mitarbeiterin auf die telefonische Nachfrage unserer Redaktion, jedoch wolle man „zum aktuellen Zeitpunkt noch nichts Genaueres zu den Plänen sagen.“ Besitzer des Gebäudes an der Sauerfelder Straße ist eine dänische Immobilienfirma.

Robert Andersen, Vizepräsident der TK Development in Dänemark, sieht vor allem die schwere allgemeine wirtschaftliche Lage als Hauptgrund, warum sich die Vermietung der Gewerbeeinheiten im Sauerland-Center so schwierig gestaltet. „Da sich der Markt aber aktuell etwas erholt, hoffen wir auf eine zunehmende Vermietung des Gebäudes und damit auch die Möglichkeit notwendige Investitionen zu tätigen“, so Andersen im Gespräch mit unserer Redaktion. „Aktuell gibt es keine konkreten Interessenten, aber wir hoffen, dass sich dies in den kommenden Monaten ändert. Wir sind uns durchaus bewusst, dass am Gebäude dringend Investitionen getätigt werden müssen. Das hängt aber von der zukünftigen Vermietung ab“, so Andersen weiter.

Sauerland-Center auch Thema im Rathaus

Selbstverständlich stellt sich auch die Frage, was denn die Stadtverwaltung zum Sauerland-Center zu sagen hat. Immerhin ist das Gebäude mit seinen elf Stockwerken inmitten der Innenstadt und in unmittelbarer Nähe zum Stadtzentrum derart stadtbildprägend, dass der aktuelle Stillstand an dieser Stelle nicht im Sinne der Stadtverwaltung sein kann. Auf Nachfrage im Rathaus sagte uns Lars Bursian vom Amt für Stadtplanung: „Das Sauerland-Center ist eine Bausünde und das Ergebnis einer fehlerhaften Planungsphilosophie.“ Zudem sieht Bursian die Eigentümer des Gebäudes in der Pflicht: „Wir müssen an die Eigentümer appellieren, damit etwas passiert.“

Auf unsere Nachfrage, was seitens der Stadt unternommen werde, um dem Missstand am Center entgegen zu wirken sagte Bursian: „Wir haben uns in den letzten Wochen mit der Bauleitplanung für das Areal beschäftigt und werden den Bebauungsplan überarbeiten. Denn in der Vergangenheit gab es immer wieder Anfragen von potenziellen Mietern für die Gewerbeflächen, die allerdings abgelehnt werden mussten, da der Bebauungsplan eine entsprechende Nutzung nicht vorsah. Um dies in Zukunft zu vermeiden, soll der Bebauungsplan geändert und neue Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden.“

Eine dringend notwendige Sanierung des Sauerland-Centers scheint also offenbar an eine zunehmende Vermietung gekoppelt. Ob sich jedoch Firmen finden, die sich in dem aktuellen Umfeld präsentieren wollen? Man wird es in den kommenden Monaten und möglicherweise Jahren weiter beobachten dürfen.

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Ich bin 31 Jahre jung und gehöre zur viel besprochenen Generation Y. Seit 1999 nutze ich digitale Kommunikationswege und seit 2012 bin ich Online-Unternehmer und berate und betreue Unternehmen als Social Media Experte.

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