Das Interesse an der Aufwertung der Lüdenscheider Altstadt ist riesengroß. Rund 200 Besucher quetschten sich am Donnerstagabend in den Roten Saal des Kulturhauses. Sie wollten beim „Zukunftsforum Altstadt“ erfahren, was das sogenannte Integrierte Handlungskonzept für das Quartier zwischen Gasstraße und Sauerfelder Straße, Wilhelmstraße und Hochstraße bringen kann. Gleichzeitig waren die Ideen aller gefragt, die die Altstadt zu einem lebendigen liebens- und lebenswerten Stadtteil Lüdenscheids entwickeln wollen.

Nichts Halbes und nichts Ganzes

Offenbar gibt es viel zu tun. Gut zwei Drittel der Besucher sind der Altstadt in besonderer Weise verbunden. Sie leben dort, betreiben ein Geschäft, besitzen eine Immobilie oder arbeiten im historischen Stadtkern. Sie selbst, das zeigt eine Abstimmung, stellen ihrem Arbeits- und Lebensumfeld eher mittelmäßige Noten aus. „Sie sehen selbst, das ist nichts Halbes und nichts Ganzes“, sagte Reinhart Richter von der Osnabrücker Richter Beratung, als er das Abstimmungsergebnis präsentierte.  Die grünen Punkte, mit denen die Besucher ihre Einschätzung zu insgesamt zehn Kriterien markieren konnten, bewegten sich überwiegend zwischen knapp unter gut und mangelhaft.

Nur nur „platonische Liebe“

Sie selbst, das machte Bürgermeister Dieter Dzewas zu Beginn des Zukunftsforums klar, müssen selbst mit anpacken, wenn die Situation verbessert werden soll. „Bei einer platonischen Liebe zur Altstadt darf es nicht blieben“, zitierte der Rathaus-Chef sinngemäß aus einem Presseartikel. Die Stadt hoffe zudem, dass sie über einen schlüssigen Förderantrag Mittel beim Land Nordrhein-Westfalen loseisen kann.

Ein wichtiger Schritt sei zudem schon vollzogen worden. „Mit dem Bau des Parkdecks Corneliusstraße ist die Stadt in Vorleistung gegangen.“ Die Aussichten, Landeszuschüsse zu erhalten, seien gut. Das Land stelle in der nächsten Zeit zusätzliche Gelder für Quartiersentwicklungen mit den Schwerpunkten Kultur und Bildung zur Verfügung. Dieter Dzewas warnte aber vor überzogenen Vorstellungen. „Aus der Stadt der sieben Berge können wir kein Münster machen.“

Leben vom reizvollen Kontrast

Martin Bärwolf, Leiter des Fachbereichs Planen und Bauen, ist sicher, dass die Altstadt mit ihren kleinteiligen Strukturen vom Kontrast zu den großen Plätzen in der Innenstadt leben kann. „Das könnte das Markenzeichen sein“, sagte er in einer Talkrunde mit Sigrid Schröder (Altstadtverein), Stefan Frenz (Fachbereich Kultur und Denkmalschutz) Tim Hendrik Maack (ERCO) und Karl Heinz Kördell (Bezirksregierung Arnsberg).

Stefan Frenz wies auf das Potenzial hin, dass die Altstadt für mehr Kultur- und Städtetourismus entwickeln könne. „Da geht noch was.“ Für Sigrid Schröder vom Altstadtverein müssen in erster Linie die Leerstände wieder mit Leben gefüllt werden. „Wir setzen auf eine Art Aufbruchsstimmung.“ Tim Hendrik Maack hält die Altstadt für „sehr schön“.  Seinen Kunden fehle aber das „Drumherum.“ „Sie vermissen das Flair.“

Impulse für die Workshops

Die Talkrunde lieferte zahlreiche Impulse für die anschließenden Workshops im Kulturhaus. Die Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit dem Image und dem Stadtbild der Altstadt, der Gestaltung von Wegen und Plätzen sowie der Beleuchtung, dem Angebot von Einzelhandel und Gastronomie, der Wohnqualität, dem Kultur- und Bildungsangebot sowie der Erreichbarkeit und dem Abbau etwaiger Barrieren.

Die Vorschläge und Anregungen werden jetzt gesammelt und ausgewertet. Bei einem Ideenforum Ende Februar kommen sie auf den Tisch. Dann werden sich die Teilnehmen intensiv mit den Themen Wohnen und Gewerbe beschäftigen. Bei einer zweiten Konferenz Anfang März soll die Zukunft der Kultur- und Bildungslandschaft im Mittelpunkt stehen.

„Ein sportliches Programm“, räumte Martin Bärwolf ein. Aber nur so sei der Weg zu einem schlüssigen Förderantrag zu bewältigen. Das Papier soll immerhin schon im August bei der Landesregierung vorliegen.

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