Lüdenscheid. Reiner Hänsch ist eine Marke. Als Sänger der Kult-Gruppe „Zoff“ begeistert er sein Publikum schon seit 30 Jahren. Inzwischen macht er auch als Buchautor und Comedian von sich reden. Auf Einladung des Nachrichtenportals „UnserLünsche“ gastierte der Sauerland-Barde am 20. März in der Gaststätte Dahlmann.

Zu Beginn seiner Ein-Mann-Show gab er dem Publikum mit der Stimme und einem Foto des 2013 verstorbenen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki zu bedenken: „Ich möchte Sie warnen vor zwei Stunden verschwendeter Lebenszeit.“ Gut gebrüllt Löwe. Die Ironie hätte Reich-Ranicki sicher gefallen. Das neue Buch des Musikers hätte er wahrscheinlich verrissen.

Ein Schicksalsschlag nach dem anderen

Reiner Hänsch verfasst keine Hochliteratur. Sein neues Werk „Die Faxen dicke“ handelt vom ganz normalen Wahnsinn, den die Touristen-Familie Knippschild aus dem Sauerland bei einem Pauschalurlaub durchmacht. Sie wagen sich aus ihrem Kaff nach Ko Samui in Thailand, geraten wettermäßig vom Regen in die Traufe, versinken mit ihrem Jeep im Dschungelschlamm und entgehen nur knapp einem Schicksalsschlag, der fast alle anderen Mitreisenden trifft, die von einer Eisbombe, einer Überraschung zum ersten Urlaubsabend genascht haben. „Das Wunder von Ko Samui wurde als üble Seuche entzaubert“, notiert Hänsch in „Die Faxen dicke“. Das körperlich Leid der der Knippschild-Reisekollegen demonstrierte ausgiebig und ließ dabei üble Geräusche durch den Dahlmann-Saal schallen. Witzig und äußerst unterhaltsam.

Schöne Songs

Zwischendurch greift Reiner Hänsch zur Gitarre und präsentiert gekonnt „Schöne Grüße vom Arsch der Welt“. Die Wortkargheit der Bewohner seiner neuen Nachbarn im niedersächsischen Varel hat der Mann aus Letmathe im Song „Jau, wa“ verpackt. Er singt mit der Stimme von Freddy Quinn, der in den 1960er Jahren die deutschen Hitparaden stürmte und entlarvt ihn ganz nebenbei als den ersten Urlauber. „Junge, komm bald wieder“, „Hundert Mann und ein Befehl“ – alle Texte, o Wunder, passen auf das Knippschild-Schicksal in Thailand.

Meister der Dialekte

Reiner Hänsch imitiert fachkundig deutsche Dialekte und kommt zu dem Schluss: „Schwäbisch ist keine Sprache, sondern eine Halskrankheit. Die Schwaben nudeln alles durch eine Art Wortwolf.“ Dabei stützt er sich auf sein Erzähltalent und auf die jahrzehntelange Bühnenerfahrung.

Das Eis bei Dahlmann war schnell gebrochen. Reiner Hänsch ist nah am Publikum. Seine Texte sind frisch, der Mann ist authentisch und wahrscheinlich hätte sogar der Intellektuelle Marcel Reich-Ranicki mitgesungen, als der ehemalige Zoff-Frontmann seinen Hit „Sauerland“ anstimmte. Das Publikum ließ sich jedenfalls nicht lange bitten.

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