Vor einigen Tagen haben wir beim TACH! einen Beitrag veröffentlicht, in dem es um eine Einbrecherbande geht, die offenbar aus albanischen Mitmenschen besteht. Kurze Zeit darauf wurden wir von einem Leser auf Facebook darauf hingewiesen, dass man mit der Bezeichnung „albanische Einbrecherbande“ ja doch nur noch mehr Grundlage für hetzerische Kommentare und braunes Gedankengut liefern würde.



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Kurz darüber nachgedacht, einen Blick in den Pressekodex geworfen und schon habe ich die betreffende Meldung abgeändert. Aus der „Albanischen Einbrecherbande“ wurde eine einfache „Einbrecherbande“.

Doch, war das richtig? Schon kurz nach der Änderung plagten mich erhebliche Zweifel am eigenen Vorgehen. Denn immerhin gibt es gegenüber den Medien immer wieder Vorwürfe, dass man Tatsachen verschweigen würde. Und tun wir nicht genau das, indem wir Meldungen so abändern? Nach vielem Hin und Her, Beratungen in der TACH!-Redaktion und dem Lesen von Kommentaren anderer Medien zum Thema bin ich zu der Überzeugung gekommen, dass ich falsch gehandelt habe.

Der Auftrag: umfänglich, ehrlich und objektiv berichten

Als lokale Online-Zeitung haben wir einen klaren Auftrag. Und zwar den, unsere Leser über das Geschehen in der eigenen Stadt zu informieren. Und das so umfänglich, ehrlich und objektiv wie möglich. Immerhin steht auch in unserem Logo: „24/7, Ausgesprochen, Ehrlich“. Und wenn wir dabei Tatsachen verschweigen, legen wir uns selbst einen Maulkorb an und spielen eben genau mit diesem Verhalten denjenigen in die Karten, die sich bei jeder Möglichkeit über die böse „Lügenpresse“ beschweren.

„Soll ich jetzt denken, dass alle Albaner Einbrecher sind?“, fragte uns der Kommentator bei Facebook. Die Antwort: Nein, selbstverständlich nicht! Ebensowenig sind nicht alle Italiener Pizzabäcker, wenn ich über einen italienischen Pizzabäcker berichte. Es sind auch nicht alle Amerikaner Waffenlobbyisten, wenn ich über „amerikanische Waffenlobbyisten“ berichte. Und es sind nicht alle Albaner Einbrecher, wenn ich über die albanische Einbrecherbande berichte.

Dass diese besagte Einbrecherbande aber überwiegend oder komplett aus Albanern besteht, ist eine Tatsache. Eine Tatsache, die es auch zu berichten gilt, wenn man ehrlich berichten will. Genauso wäre es die deutsche, italienische oder amerikanische Einbrecherbande gewesen, wenn sich die Tatsachen so dargestellt hätten. Haben sie aber nicht.

Der Zwiespalt

Dass gewisse politische Strömungen die Nachricht über eine „albanische Einbrecherbande“ gerne aufgreifen, ist uns durchaus bewusst. Deshalb aber Tatsachen verschweigen ist nicht der richtige Weg. Das kann am Ende dazu führen, dass sich die Vorurteile gegenüber der sogenannten „Lügenpresse“ weiter verstärken. Am Ende liegt es am Leser zu verstehen, dass selbstverständlich nicht alle Albaner Einbrecher sind.

Ebenso liegt es auch am Leser selbst zu begreifen, dass aufgrund der Ereignisse an Silvester in Köln nicht alle Flüchtlinge kriminell sind. So viel Leser-Kompetenz muss und sollte man als Medium von seinen Lesern erwarten dürfen. Genauso muss ein Medium auch politische Straftaten benennen können. Wenn es also Menschen gibt, die Flüchtlingsheime in Brand setzen, ist das eine rechte Straftat.

Und wo wir grade bei Ehrlichkeit sind: In jeder Ethnie gibt es verbohrte Vollidioten, die straffällig werden. Deshalb gibt es auch unter Flüchtlingen, Albanern, Deutschen, Italienern und Türken Straftäter. Deshalb sind aber eben nicht alle Vertreter der jeweiligen Gruppe Straftäter. Lernt endlich zu differenzieren. Außer Frage steht, dass Straftäter mit aller nötigen Härte bestraft werden sollten. Egal, welcher Gruppe sie angehören.

Der TACH! 24/7, Ausgesprochen, Ehrlich.

Ein Kommentar von Sven Parnemann (Herausgeber von TACH!)

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TACH! Herausgeber und Inhaber der Social Media und Digital-Agentur PARNEMANN MEDIA in Lüdenscheid. 30 Jahre alt und Visionär der Vision Lüdenscheid2020.

1 KOMMENTAR

  1. DANKE!
    Ich bin nicht doof! Ich kann das genau so differenzieren, wie Sie es dargestellt haben!
    Der Pressekodex ist falsch! PC ist falsch. Wir sind alle mündige Bürger und brauchen kein Neusprech!

    Vielen Dank für Ihren Mut!

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