Der Bebauungsplan Krankenhaus bildet die Grundlage für den Neubau des Seniorenzentrums. Quelle: Stadtverwaltung Plettenberg

Plettenberg. Wirtschaftliche vor private Interessen stellte die Mehrheit der Ratsmitglieder in der Ratssitzung am Dienstag (25. April) bei zwei Tagesordnungspunkten. So wird mit dem Satzungsbeschluss zum Bebauungsplan Krankenhaus die Voraussetzung für den Neubau des Seniorenzentrums geschaffen und dabei die Beeinträchtigung der Anwohner der Schillerstraße in Kauf genommen. Mit der Zustimmung zum Gewerbeflächenkonzept Märkischer Kreis wird u.a. die weitere Erschließung des oberen Elsetals als Industriefläche ins Auge gefasst, wodurch vor allem auf die Bewohner Köbbinghausens zusätzliche Belastungen zukämen.

Zum Bebauungsplan für das Krankenhausareal fasste Klaus Ising (CDU) das Ergebnis der Beratung im Planungs- und Umweltausschuss zusammen. Man habe intensiv über die im Beteiligungsverfahren eingereichten Anregungen und Bedenken diskutiert. Letztlich müsse man dem demnächst neuen Betreiber des Krankenhauses den Bau der neuen Pflegeeinrichtung ermöglichen.

Diethardt Küppers (parteilos) wandte ein, dass er Zweifel an manchen Aussagen der vorherigen Krankenhaus-Geschäftsführung habe: „Ist ein Seniorenzentrum mit 84 Plätzen wirtschaftlich? Brauchen wir das überhaupt noch? Oder können wir dieses hässliche Gebilde im bisher schönen Wohngebiet vermeiden?“

Bürgermeister Ulrich Schulte berichtete, dass Radprax als potenzieller neuer Besitzer des Krankenhauses an den Plänen für den Neubau festhalte. Im jetzigen Seniorenzentrum gebe es zu wenig Plätze. Außerdem hätten viele Zimmer noch ein Pendelbad (wird von zwei Zimmern aus genutzt), was nicht zeitgemäß sei.

Wolfgang Schrader (SPD) ergänzte, dass Pflegeeinrichtungen mit 80 Plätzen die aktuelle gesetzliche Vorgabe seien. „Das Seniorenzentrum ist wichtig für die Wirtschaftlichkeit des Krankenhauses, auch wenn es schade um den schönen Park ist.“

Bei einer Gegenstimme von Küppers wurde der Bebauungsplan beschlossen.

Industrieflächenkonzept listet „Suchräume“ auf

Der Märkische Kreis und die Gesellschaft zur Wirtschafts- und Strukturförderung im Märkischen Kreis (GWS MK) haben mit Unterstützung der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) unter Beteiligung der kreisangehörigen Städte und Gemeinden ein Gewerbe- und Industrieflächenkonzept erarbeitet. Darin werden sog. „Suchräume“ aufgelistet, die in der Folge weiter auf ihre Eignung als Industrieflächen untersucht werden sollen.

In allen Kommunen des MK stehen kaum noch Flächenreserven zur Verfügung. Wolle man den Betrieben auch in zehn Jahren noch Platz für Erweiterungen anbieten, müsse rechtzeitig geplant werden, so die einhellige Meinung der Plettenberger Ratsmitglieder. Das Konzept sieht auf Plettenberger Gebiet Möglichkeiten im oberen Elsetal (Bahnhof Heide/Köbbinghausen West) zwischen Hüinghausen und Köbbinghausen und im Bereich Leinschede. Die betreffenden Flächen werden derzeit landwirtschaftlich genutzt.

Eine Bürgerin aus Köbbinghausen hatte in der Einwohnerfragestunde eingangs der Ratssitzung ihre Bedenken gegen eine solche Planung geäußert. Gerade Köbbinghausen sei durch das vorhandene Industriegebiet, die Windkraftanlagen in Dingeringhausen und die geplanten auf der Hohen Molmert sowieso schon stark belastet. „Bald haben wir gar keine Grünflächen als Schutzraum mehr.“

Die Betriebe in Plettenberg müssten auch in Zukunft Möglichkeiten zur Entwicklung haben, betonte Klaus Ising. Dass das zu Lasten landwirtschaftlicher Flächen gehe sei klar, aber derzeit betrage deren Anteil in Plettenberg 80 Prozent gegenüber 20 Prozent Industrieflächen.

„Wir haben nicht mehr viel Platz. Daher müssen wir untersuchen, wo was möglich ist“, stellte Wolfgang Schrader fest.

Michael Schulte (FDP) sprach an, dass „falls irgendwann neue Flächen erschlossen werden, nicht nur die schon ansässigen Firmen berücksichtigt, sondern auch neue Unternehmen nach Plettenberg geholt werden“ müssten. Die Stadt solle bei der Vermarktungspolitik auch darauf achten, nicht nur Automobilzulieferer anzusiedeln.

Diethardt Küppers merkte an, dass bei zukünftigen Planungen auf den Lärmschutz für die Anwohner geachtet und dabei auch der sog. tieffrequente Schall berücksichtigt werden müsse.

Das Industrieflächenkonzept wurde vom Rat einstimmig befürwortet. Damit wird kein Planungsrecht geschaffen, sondern es soll dazu dienen, eine kreisweit abgestimmte Gewerbeflächenstrategie zu entwickeln.

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