Mehr als zehn Prozent der Bürger in NRW sind überschuldet. Foto: pixabay

Hagen. „Mehr als zehn Prozent der Bürger in Nordrhein-Westfalen sind überschuldet, die Schuldenlast privater Haushalte ist in Deutschland in den letzten 10 Jahren stetig angestiegen“, sagt Regina Egler, Leiterin der Schuldnerberatung der Diakonie Mark-Ruhr. Sie stützt sich dabei auf den fünften Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung und den Ende 2016 von der Creditreform Wirtschaftsforschung veröffentlichten „SchuldnerAtlas“ für Deutschland. Die Diakonie ist sich sicher: „Nur eine ausreichende Beratung und Unterstützung kann diesem Trend entgegen wirken.“

Know-how und Kompetenz sind da

Denn: mit der sozialen Schuldnerberatung ist ein umfangreiches und wirksames Konzept zur Bewältigung des Problems privater Überschuldung entwickelt worden. „Know-how und Kompetenz sind da, können aber angesichts der meist unzureichenden Finanzierungsstrukturen nicht ausgeschöpft werden. Nimmt man die von Creditreform für 2016 ermittelte Zahl von 6,8 Millionen Überschuldeten in Deutschland in den Blick, wird deutlich, dass nur eine Minderheit der Überschuldeten überhaupt in einer der anerkannten, gemeinnützigen Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen beraten und betreut werden“, ergänzt Heidrun Schulz-Rabenschlag, Fachbereichsleiterin der Sozialen Dienste der Diakonie Mark-Ruhr.

Diakonie hilft seit 30 Jahren

Seit über 30 Jahren hilft die Diakonie Mark-Ruhr überschuldeten Men-schen in Hagen durch qualifiziertes Fachpersonal, einen Weg aus der Perspektivlosigkeit zu finden. Die Schuldnerberatung erfolgt kostenlos und ist in Hagen schon immer jedem Privathaushalt zugänglich. Regina Egler: „Es besteht ein hoher Bedarf bei den Ratsuchenden. Im Rahmen von offenen Sprechstunden ist oft nur reines Krisenmanagement auf Kosten nachhaltiger Stabilisierung möglich, unser Team arbeitet regelrecht am Rande der Überlastung“, macht sie auf die hohe Nachfragesituation aufmerksam. „Auf die Einleitung eines Verbraucherinsolvenzverfahrens muss ein Ratsuchender ca. 18 Monate warten.“ Zwar erhält die Diakonie für ihr Beratungsangebot öffentliche Zuschüsse, steuert aber auch einen Großteil finanzieller Eigenmittel bei, „wir erkennen die Notwendigkeit und den hohen Beratungsbedarf“, sagt Heidrun Schulz-Rabenschlag.
Anlässlich der bundesweiten „Aktionswoche der Schuldnerberatung“ und vor dem Hintergrund der anstehenden Bundestagswahl schließt sich auch die Schuldnerberatung Hagen der Forderung der Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatungen an: „Eine bedarfsgerechte und -deckende Finanzierung muss eine angemessene personelle und materielle Ausstattung der Schuldnerberatungsstellen sicherstellen und sollte jedem Ratsuchenden kostenlos und zeitnah zugänglich sein.

Rechtsanspruch einführen

Dafür bedarf es endlich eines Rechtsanspruches, der auch dazu führen würde, dass Schuldnerberatungsstellen nicht mehr von freiwilligen Zuschüssen abhängig sind. Der Schuldnerschutz ist zu stärken!“ Auch die Grundversorgung mit Energie gehöre zur Existenzsicherung. So müsse der (finanzielle) Anteil für Strom im Regelbedarf höher bemessen werden. Im Bereich der Krankenversicherung fordert die AG den Zugang zur Regelversorgung auch bei Beitragsschulden und die Öffnung der gesetzlichen Krankenversicherung für Kleinselbstständige mit niedrigen Einkommen.
Die Schuldnerberatung Hagen ist in der Böhmerstr. 19 zu finden, Ansprechpartnerinnen sind Regina Egler (02331/ 23701) und Inge Laschat (02331/ 3488260).

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