Meinerzhagen. Auf Städte und Gemeinden in Deutschland kommt eine große Aufgabe zu. Sie müssen sich weitaus stärker als bisher bei der Gestaltung der Pflege alter Menschen engagieren. Das ist ein Fazit der 4. Fachtagung des Arbeitskreises Demografie im Valberter Haus Nordhelle. Rund 80 Fachleute diskutierten hier am Dienstag unter dem Motto „Gepflegte Aussichten“, wie die Pflege der Zukunft organisiert werden kann.

Die Zahlen klingen dramatisch: Mehr als 150.000 Alten- und Krankenpfleger werden nach einer Modellrechnung des Statistischen Bundesamts im Jahr 2025 fehlen – ein größer Teil davon in stationären Einrichtungen für Senioren. „Die Lücke ist riesig“, sagt die heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone.

Jürgen Gohde setzt auf „Care-Orientierung

Wie kann sie geschlossen werden? „Nur wenn alle Akteure mitwirken“, sagt Dr. h. c. Jürgen Gohde, Vorstandsvorsitzender des Kuratoriums Deutsche Altershilfe. Er machte deutlich, wo die Herausforderungen liegen und wie sie angepackt werden müssen. Dabei setzt er auf eine „Care-Orientierung“, eine Kultur der gegenseitigen Sorge und Unterstützung, an der sowohl der Staat, professionelle Pflegeeinrichtungen, Ehrenamtliche und Angehörige von Pflegebedürftigen mitwirken. Die Kommunen, fordert Jürgen Gohde, müssen dafür die Voraussetzungen schaffen.

Alles vollzieht sich im sozialen Raum

Bauleitplanung, Gestaltung der Wohnbereiche, Wohnungsmarkt, Regelung des Verkehrs und Impulse für das soziale Leben im Quartier, die Sicherung bürgerschaftlichen Engagements, die Schaffung von Begegnungs- und Kommunikationsräumen sowie der regionale Arbeitsmarkt seien der Hintergrund vor dem die Entscheidungen für die pflegerische Infrastruktur und die Wahl über die Inanspruchnahme von Dienstleistungen getroffen würden, sagt er. Dies müsse sich zu einer regionalen Gesamtverantwortung und einer besonderen Aufgabe zur Gestaltung von Quartieren und Dorfgemeinschaften verdichten. Diese Gestaltung vollziehe sich im Sozialraum. Deshalb kämen den kommunalen Trägern in einer zukünftigen Pflege- und Versorgungslandschaft eine besondere koordinierende und gestaltende Funktion für die Sicherung und Weiterentwicklung personeller und generationsgerechten Infrastruktur zu.

Es gibt keinen Königsweg

Dabei gebe es keinen Königsweg. „Es müssen verschiedene Strategien kombiniert werden“, zitierte Jürgen Gohde aus einer Prognos-Untersuchung. Eins ist aber für ihn klar: „Die Zukunft der Pflege liegt im Quartier, sowohl ambulant als auch stationär.“

Rund 80 Fachleute aus zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen nahmen an der Fachtagung im Haus Nordhelle teil.
Rund 80 Fachleute aus zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen nahmen an der Fachtagung im Haus Nordhelle teil.

Pflege und Assistenz, fordert er weiter, dürften keine prekären Beschäftigungsbereiche sein. Außerdem: „Bei der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf ist bereits einiges geschehen. Es muss aber noch viel mehr passieren.“ Den Pflege-TÜV bewertet Jürgen Gohde als „nicht hilfreich“. Er erfasse nicht die subjektive Lebensqualität Pflegebedürftiger.

Sechs Foren

Bei der Fachtagung wurden sechs Foren zu den Themen Wohnberatung, regionale gesundheits- und Pflegenetzwerke, stationäre Pflege, Ausbildung/Fachkräfte, Sozialplanung für Kommunen und Pflege und Beruf angeboten.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone hat den Arbeitskreis "Demografie - lebenslanges Lernen" ins Leben gerufen.
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone hat den Arbeitskreis „Demografie – lebenslanges Lernen“ ins Leben gerufen.

Was notwendig ist, formulierte die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Crone im Verlauf der Tagung: „Was wir brauchen, ist eine ganz enge Vernetzung, eine Sozialplanung in den Kommunen, mehr Beratung, haushaltsnahe Dienstleistungen und mehr Barrierefreiheit, denn die meisten Menschen möchten auch im Alter so lange wie möglich zuhause leben.“

Info: „Wir müssen den demografischen Wandel positiv gestalten“, sagt Petra Crone. Deshalb hat sie 2010 zusammen mit der VHS Volmetal und dem Evangelischen Tagungszentrum Haus Nordhelle den Arbeitskreis ins Leben gerufen. Seither hat sich ein Netzwerk entwickelt, in dem sich zurzeit 38 Einrichtungen mit Fragen von Überalterung und Abwanderung, Bildung und mehr befassen. Dazu zählen beispielsweise Städte in Gemeinden aus der Region, Gewerkschaften, kirchliche Einrichtungen, Arbeitgeberverbände, die Agentur für Arbeit und engagierte Einzelpersonen.

 

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