Südwestfalen. Der eBusiness-Lotse Südwestfalen-Hagen und das Kompetenznetzwerk wisnet e.V. haben die Industrie der Region hinsichtlich ihrer Digitalisierungsstrategie durchleuchtet: Unter der Fragestellung „Wo steht der Mittelstand 1.0 zwischen Web 2.0 und Industrie 4.0“ wurden in einem ersten Online-Monitor 5.000 Unternehmens-Webseiten aus Südwestfalen branchenübergreifend verglichen und analysiert. Auch wenn die TOP Unternehmen über 300 Mal besser abschneiden als das Durchschnittsunternehmen macht die Studie deutlich, dass bei der heimischen Industrie ein großer Nachholbedarf im Bereich Online-Marketing besteht.

Elektro-Branche hat die Nase vorn

Im Ergebnis hat die Elektro-Branche die Nase vorn – die Metallbranche dagegen scheint sich im „Online-Zölibat“ zu befinden. Und für den b2b-Einkäufer gibt es in Südwestfalen fast gar nichts zu finden! Die verglichenen Unternehmen können am 10. Juni 2015 im Rahmen einer kostenlosen eBusiness-Lotsen Veranstaltung bei der Busch Jaeger Elektro GmbH in Lüdenscheid erfahren, wie z.B. ihr Unternehmen im Online-Test abgeschnitten hat. Zudem sind die Top 100 Unternehmen und Aufholer sowie die Studie ab sofort unter www.ebusinessloste–suedwestfalen-hagen.de abrufbar.

4942 Industrieadressen analysiert

Rund 70 Prozent der b2b-Entscheider beginnen ihre Lieferantensuche im Web. Bei über der Hälfte der Einkäufer geht es darum, Lieferanten zu identifizieren und die Webseiten der Lieferanten sind der wichtigste Grund für ihre Anfrage bzw. Kontaktaufnahme. Für die Masse der 4942 analysierten Industrieadressen aus Südwestfalen scheint das aber keine Rolle im Geschäftsmodell zu spielen. Um es mit dem Slogan der Region zu sagen: „Alles echt – nicht auffindbar“. Untersucht wurde das Verarbeitende Gewerbe aus dem Raum Märkischer Kreis, Ennepe-Ruhr Kreis, Oberbergischer Kreis, Hochsauerlandkreis, Kreis Olpe, Kreis Siegen-Wittgenstein und der Stadt Hagen.

Digitale Unsichtbarkeit

„Die digitale Unsichtbarkeit der stärksten Industrieregion Deutschlands wirft ein ganz neues Licht auf den Begriff ´Hidden Champion`. Wenn man unsichtbar so erfolgreich ist und jetzt noch die Sichtbarkeit für Einkäufer erhöht, muss die A45 achtspurig werden.“, so Prof. Dr. Peter Vieregge. Der Wirtschaftswissenschaftler ist Geschäftsführer der Forschungsinstitut für Regional- und Wissensmanagement gGmbH und Dozent für Gründungsmanagement an der privaten Fachhochschule Business and Information Technology School in Iserlohn.

Metallsektor im „Online-Zölibat“

Unter den 4942 analysierten Industrieadressen weisen 3357 messbare Werte auf, die eine gewisse Marktreichweite im Web signalisieren. Dies bedeutet auch, dass rund ein Drittel der Unternehmen keine Webseite hat, technische Probleme aufweist oder nur sehr schlecht mit gängigen Suchbegriffen zu finden ist. Den höchsten Anteil an TOP-Unternehmen stellt die Elektro-Branche. Sowohl in der absoluten Anzahl unter den Top 100, wie auch als Anteil der Branche ist hier eine Besonderheit zu erkennen: Unter die Kategorie fallen einige Unternehmen, die Gebäude bzw. Haushalte technisch ausstatten. Auch insgesamt ist festzustellen, dass unter den Top 100 Unternehmen – neben Konzernteilen, die in der Region ansässig sind – viele Unternehmen gute Werte erreichen, die Produkte produzieren, die eine Nähe zum Konsumenten haben. Einige Webseiten sind wie Händlerseiten gestaltet und nur über den Firmennamen und dessen Handelsregistereintrag wird sichtbar, dass es sich um einen Produzenten mit neuem Geschäftsmodell handelt. Da die Metallbranche viele Unternehmen umfasst und diese insgesamt schlecht abschneiden ist hier die regionale Problembranche auszumachen: Der Metallsektor lebt im „Online-Zölibat“.

Service-Anfragen über Facebook

Viele Unternehmen fragen sich auch, ob und wofür sie Social Media einsetzen sollen. Diese Frage haben zumindest die TOP-Unternehmen für sich positiv beantwortet. Man spricht auch davon, dass Unternehmen „social signals“ aus der Social Media Welt erhalten und senden. In Facebook verkauft man keine Kunststoffrohre oder Stahlträger? In Südwestfalen haben Unternehmen festgestellt, dass Serviceanfragen aus dem Ausland teilweise über Facebook einliefen, da dies der Kanal war, über den das Unternehmen leichter zu erreichen ist.

Es gibt nur individuelle Strategien

Die Digitalisierung macht die Erzeugung und Nutzung von Informationen möglich, überall. Die Industrieunternehmen in Südwestfalen werden sich in Zukunft viel stärker mit der Erzeugung, Analyse und Verwertung von Produktions- und Marktdaten beschäftigen. Es ist eben wichtig zu wissen, dass „lieferant schraube“ in Google nicht gesucht wird, „lieferant schrauben“ zehn Mal im Monat gesucht wird und „selbstsichernde schrauben“ 170 Mal im Monat.

Es gibt keine Patentrezepte, nur individuelle Strategien. Gerne hilft der eBusiness-Lotse da weiter. In einem ersten Schritt können die Unternehmen im Rahmen des Expertenwissen Workshops „Online Monitor: Industrie Südwestfalen – 5.000 Unternehmen im Vergleich“ am 10. Juni ab 17 Uhr beim Gastgeber Busch Jaeger Elektro GmbH in Lüdenscheid erfahren, wie z.B. ihr Unternehmen im Online-Test abgeschnitten hat. Vorgestellt und diskutiert werden die detaillierten Ergebnisse für das jeweilige Unternehmen sowie über eine mögliche Förderung für die persönliche Digitalisierungsstrategie informiert. Die kostenfreie Veranstaltung richtet sich an Fach- und Führungskräfte. wollen. Veranstalter ist der eBusiness-Lotse Südwestfalen-Hagen, als regionale Anlaufstelle der bundesweiten Förderinitiative „eKompetenz-Netzwerk für Unternehmen“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi).

Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen

Der eBusiness-Lotse Südwestfalen-Hagen ist Teil der Förderinitiative „eKompetenz-Netzwerk für Unternehmen“, die im Rahmen des Förderschwerpunkts „Mittelstand Digital – IKT-Anwendungen in der Wirtschaft“ vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) gefördert wird. Der Förderschwerpunkt unterstützt gezielt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie das Handwerk bei der Entwicklung und Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT). Weitere Infos unter www.mittelstand-digital.de. Träger des regionalen eBusiness-Lotsen ist die HAGENagentur GmbH, in Kooperation mit dem Wisnet e.V. und Partnern aus Wirtschaft und Wissenschaft der Region.

Ein Überblick über die untersuchten Unternehmens-Websites ist hier zu finden: Auskopplung 3-6-2015

 

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