Das Altenaer Vinzenz-Krankenhaus hat am 3. Januar den Betrieb eingestellt

Altena. Currywurst mit Pommes und Tomatensalat oder Haxe mit Sauerkraut und Püree: Das steht für Mittwoch auf dem Speiseplan des Altenaer Vinzenz-Hospital. Wer wird noch etwas bestellen? Die im Jahr 1882 gegründete Klinik hat ihren Betrieb eingestellt. Die Kantine bleibt immerhin geöffnet und das das Pflegeheim, das dem Vinzenz angegliedert ist, wird weiter betrieben. Auch die Website ist vom Netz. Zu sehen ist lediglich ein Bild des Krankenhauses und der Hinweise, dass die Seite überarbeitet wird und – Überraschung: der aktuelle Speiseplan.

Am Dienstag haben die letzten Patienten das Hospital verlassen. Die Mitarbeiter sind freigestellt. Ein Trauerspiel an der Lenne.

Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Achim Thiele hat zur Schließung am Dienstag folgende Erklärung abgegeben:

Verhandlungen über Sozialplan

„Zur Vermeidung weiterer Verluste musste der Klinikbetrieb der Lenne-Kliniken GmbH Anfang Januar 2017 eingestellt werden. Die im Klinikbetrieb tätigen Arbeitnehmer sind mit sofortiger Wirkung von der Arbeit freigestellt. Kündigungen gegenüber den betroffenen Arbeitnehmern wurden bisher nicht ausgesprochen. Der Insolvenzverwalter hat jedoch mit dem Betriebsrat der Lenne-Kliniken GmbH Verhandlungen über den Abschluss eines Interessenausgleichs sowie eines Sozialplanes aufgenommen, um solche Kündigungen aussprechen zu können.

Pflegeheim wird fortgeführt

Das ebenfalls von der Lenne-Kliniken GmbH betriebene Pflegeheim wird demgegenüber uneingeschränkt fortgeführt. Die wirtschaftlichen Perspektiven des Pflegeheimes sind im Gegensatz zu denen des Klinikums nach Einschätzung des Insolvenzverwalters als positiv anzusehen.

Ärzteschwund wegen Kündigungen

Hintergrund der Einstellung des Klinikbetriebes ist der Umstand, dass im laufenden Geschäftsbetrieb der Klinik gravierende Verluste erwirtschaftet werden, die auch zu entsprechenden Liquiditätsabflüssen führen. Eine Fortführung des Betriebes war daher im Interesse der Gläubiger nicht mehr zu verantworten. Hinzu kam, dass die medizinische Versorgung der Patienten zuletzt ebenfalls nur noch unter Schwierigkeiten aufrechterhalten werden konnte, da zahlreiche Ärzte ihre Arbeitsverhältnisse gekündigt haben. Zuletzt hatte der Chefarzt der Inneren Abteilung des Klinikums kurzfristig sein Vertragsverhältnis zum 31. Dezember 2016 beendet.

Keinen Investor gefunden

Schließlich hat die Insolvenzverwaltung bereits im November 2016 eine strukturierte Investorensuche eingeleitet, um für den Geschäftsbetrieb der Lenne-Kliniken GmbH, also sowohl den Klinikbetrieb als auch das Pflegeheim, einen Erwerber zu finden. Im Rahmen der lnvestorensuche hat sich in den letzten Wochen gezeigt, dass kein Investor bereit ist, den Betrieb in seiner jetzigen Form kurzfristig zu angemessenen wirtschaftlichen Konditionen zu erwerben.

Insolvenzverwalter: Schritt unvermeidlich

Der Insolvenzverwalter der Lenne-Kliniken GmbH, Rechtsanwalt Achim Thomas Thiele aus der Kanzlei Husemann Eickhoff Salmen & Partner in Dortmund, kommentiert die Situation wie folgt: „Es ist sehr schade, dass der Klinikbetrieb der Lenne-Kliniken GmbH eingestellt werden muss. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen haben diesen Schritt jedoch leider unvermeidlich werden lassen. Andererseits bin ich zuversichtlich, dass es uns gelingt, kurzfristig einen zuverlässigen Investor zu finden, der das Pflegeheim der Lenne-Kliniken GmbH übernimmt und auch für das bestehende Gebäude positive Perspektiven für die Stadt Altena aufzeigt.“

Zum Hintergrund: Die Lenne-Kliniken GmbH hatte am 26. Oktober, ein Insolvenzverfahren über ihr Vermögen zu eröffnen. Während des Insolvenzeröffnungsverfahrens wurde der Geschäftsbetrieb weitgehend aufrechterhalten. Bereits vor Beantragung des lnsolvenzverfahrens hatten allerdings insbesondere hochqualifizierte Mitarbeiter, darunter viele Ärzte, bereits ihr Arbeitsverhältnis bei der Lenne-Kliniken GmbH gekündigt.

Am 20.Dezember wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen der LenneKliniken GmbH durch das zuständige Amtsgericht eröffnet. Der bei Eröffnung des lnsolvenzverfahrens bereits ruhende Betrieb der chirurgischen Abteilung des Klinikums wurde mit der Insolvenzeröffnung eingestellt. Die Einstellung des Klinikbetriebes der inneren Abteilung des Klinikums erfolgte nun vor dem oben geschilderten Hintergrund.
Die Lenne-Kliniken GmbH hatte erst im Februar 2016 die Klinik und das Pflegeheim aus der lnsolvenzmasse der in Insolvenz gegangenen St. Vinzenz Altena GmbH erworben.“

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