Null Bock
"Null Bock" entstand in Kierspe. Psychologin Heidrun Wendel in machte mit Hilfe von Kameramann Holger Weyland einen Lehrfilm zum Thema "Null Bock - Umgang mit nicht motivierten Jugendlichen". Foto: Rüdiger Kahlke

Kierspe. Statt rotem Teppich rote Sessel. Statt Studio ein Schreibtisch. Statt Schauspieler Menschen wie du und ich – Schülerinnen und Schüler vor allem. Sie sind die Stars in dem Streifen „Null Bock – Umgang mit nicht motivierten Jugendlichen“. Gedreht wird in der Gesamtschule in Kierspe und im Höferhofer-Institut von Heidrun Wendel. Der Kiersper Psychologin geht es in dem Lehrfilm um die Motivation junger Leute.

 „Unmotiviert ein Unwort“

Nicht motivierte Jugendliche hält sie eigentlich für ein Unwort. „Jeder hat irgendwelche Begabungen oder Talente. Die gilt es zu fördern“, ist ihre Devise.

Der Film, den der Meinerzhagener Holger Weyland dreht, ist ein praktisches Beispiel für Heidrun Wendels Ansatz: Junge Leute wirken im Film mit, schildern ihre Situation, führen Interviews. Praktikantin Gina Biczkowski etwa interviewt eine Lehrerin, fragt, wie sie Schüler motiviert und was sie selbst motiviert. Heidrun Wendel, die die Schülerin aus der 11. Klasse in ihrem Betriebspraktikum in ihrer Beratungspraxis betreut, dachte sich: „Was kann sie machen?“. Die Idee: einen Lehrfilm.

„Junge Leute früh einbinden“
Heidrun Wendel moderiert den Motivationsfilm, den sie bei Fortbildungen einsetzt. Foto: Rüdiger Kahlke

 

Ein Film von Jugendlichen für Jugendliche. Die Psychologin geht davon aus, dass Jugendliche früh eingebunden werden sollten, ihre Talente früh entfalten sollten. Diese Art der Einflussnahme und Partizipation sei eine Methode, junge Leute zu motivieren. Der „Drang zur Selbstdarstellung“ wird damit in sinnvolle Bahnen gelenkt. Während klassische Fächer wie Deutsch oder Mathematik in den Schulen zählen, kämen Nebenfächer wie Sport oder Kunst häufig zu kurz, jene Fächer also, in denen sich Schüler mit entsprechender Begabungen gut einbringen könnten.

„Verborgene Talente fördern“

Die Psychologin wirbt in ihrem Lehrfilm dafür, Kinder und Jugendliche besser zu verstehen, sie „nicht gleich abzustempeln“. Auch wenn es im Alltagsbetrieb schwer fällt, gelte es hinzusehen, „wo die Gründe für Schulmüdigkeit sind“. Der Film mit Interviews und Einspielern soll vor allem Pädagogen und Sozialarbeitern an beruflichen Schulen zeigen, dass die jungen Leute durchaus motiviert und zielorientiert sind. Wer sich mit Schule schwer tut oder gar nicht erst zum Unterricht erscheint, hat vielleicht Talente, die in der Schule nicht zum Tragen kommen.

„Ziele ernst nehmen“

Ziele, die Kinder hätten, würden zudem oft nicht ernst genug genommen. Sie sind aber die Motivation, etwas zu erreichen und sich dafür anzustrengen, meint Heidrun Wendel.

„Null Bock“ – der Motivationsfilm über scheinbar nicht motivierte Jugendliche hat schon am Dienstag, 24. Februar, in Dresden Premiere. Danach ist der Film aus dem Volmetal auch im Internet zu sehen – auf der Palttform: nrwision.de.

Depressionen durch Leistungsdruck

Und während in Höferhofer Institut in Kierspe noch die letzten Takes gedreht werden, plant Heidrun Wendel schon den nächsten Film. Dabei soll es um Depressionen bei Kindern und Jugendlichen gehen. Die Psychologin: „Das wird oft nicht erkannt.“ Der Grund: Leistungsdruck in der Schule und im Studium. Der geht soweit, schildert sie Fälle aus ihrer Praxis, dass sich Schüler schon nicht mehr über eine Zwei freuen können, weil die Erwartungen oder der Numerus Clausus inzwischen so hoch liegen.

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