Lüdenscheid hatte hohen Besuch: Die Ministerpräsidentin des Landes NRW Hannelore Kraft war zu Gast im Kulturhaus. Gordan Dudas (MdL), Inge Blask (MdL), Michael Scheffler (MdL) und Hannelore Kraft erläuterten Wahlinhalte und stellten sich den Bürgerfragen.

Lüdenscheid. Am 2. April 2017 trafen sich die Minsterpräsidentin des Landes NRW Hannelore Kraft und drei ihrer Landtagsabgeordneten mit interessierten Bürgern im Lüdenscheider Kulturhaus, um dort unter dem Motto „#NRWIR“, den laufenden Wahlkampf um das Ministerpräsidentenamt in NRW offensiv voranzutreiben. Und um Fragen zu beantworten.

Griechen- oder Wunderland?

In der ersten Reihe auch Bürgermeister Dieter Dzewas, die Bundestagsabgeordnete Petra Crone und die Bundestagskandidatin Nezehat Baradari.

Während die einen NRW ganz dramatisch als „das Griechenland der Deutschen“ beschreien (Bildzeitung, 2.4.2017), zeichneten die anwesenden Mitglieder des Landtages – allen voran die regierende Ministerpräsidentin Hannelore Kraft – ein ganz anderes Bild. Sie hielt den Anwesenden eine hoffnungsvolle Zukunft im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland mit seinen vielen Herausforderungen und Problemen vor Augen. Man wähnte sich als Zuhörer zeitweise in einem Wirtschaftswunderland, in dem nichts unmöglich ist und in dem in einer wunderbaren Zukunft – nämlich nach der gewonnenen Landtagswahl – Milch und Honig fließen wird. NRW-Tickets auch für Azubis, kostenfrei Kitas, mehr Lehrer und Altenpfleger und dazu noch reparierte Straßen ohne die ständigen Schlaglöcher – so stellt man sich als echter leidgeprüfter Westfale wahrlich das Paradies vor.

Powerfrau Hannelore Kraft

Hannelore Kraft im Gespräch mit Michael Scheffler (MdL).

Wie auch immer man sich diese Diskrepanz in der politischen Einschätzung als Politik-Laie auch erklären mag: Power hat sie, die Hannelore Kraft. Sie machte ihrem Namen an diesem Abend alle Ehre und zeigte den vielen interessierten Zuhörern, was eine politische „Harke“ ist. Unterstützt wurde sie dabei von ihren „Praktikanten“, den drei Landtagsabgeordneten Gordan Dudas, Inge Blask und Michael Scheffler.

Warum Praktikanten? Nun, diese drei absolvieren, wie alle  SPD-Abgeordneten in NRW, einmal wöchentlich in einem „normalen“ Betrieb ein eintägiges Praktikum.

Die richtig brisanten Fragen

Gordan Dudas (MdL) begrüßte die Gäste und stellte sich später auch unbequemen Fragen.

Gordan Dudas war zuletzt in der Förderschule für geistig behinderte Kinder an der Lüdenscheider „Höh“ tätig, Inge Blask absolvierte ein Praktikum bei einem Bäcker und Michael Scheffler war zu Gast bei den „Tafeln“. Inklusion, Ausbildung im Handwerk sowie die steigende Armut in NRW waren also gleich drei der brisanten Themen, mit denen die anwesenden MdL den Abend eröffneten.

Viel wurde darüber geredet, was man alles verbessern könnte und vor allem wollte. Hannelore Kraft legte dabei in sämtlichen Bereichen ein profundes Wissen an den Tag und scheute sich auch nicht davor zurück, ihren anwesenden Genossen den Kopf einmal gerade zu rücken, wenn diese nicht mehr so ganz richtig weiter wussten. Oder sich in die „falsche“ Richtung vergaloppierten.

Sie ließ sich nicht beirren

Wenn es jemals eine Frau gegeben hat, die sich in Anmutung, Coolness und starkem Auftreten auch nur ansatzweise mit Angela Merkel messen kann: An diesem Abend im Lüdenscheider Kulturhaus war man durchaus an Deutschlands taffe Kanzlerin erinnert. Hannelore Kraft machte ihre Sache gut, ließ sich nicht beirren, auch nicht von unbequemen Bürgerfragen, und bewies bis zuletzt genau das „Standing“, das man sich von guten Politikern wünscht.

Großer Andrang

Es war voll im Lüdenscheider Kulturhaus.

Man hatte als Zuschauer zudem den Eindruck, dass da vier Personen saßen, denen ihre Wähler tatsächlich am Herzen liegen und die sich der Tragweite von Kinderarmut, verrottenden Straßen und Arbeitslosigkeit zumindest so bewusst sind, dass sie tatsächlich etwas zum Positiven verändern möchten.

Zudem sind sie in Lüdenscheid offenbar Sympathieträger, was der große Andrang im Kulturhaus durchaus stimmig dokumentierte. Schätzungsweise besuchten über 240 Gäste die Veranstaltung.

Man fühlte sich wahrgenommen

Inge Blask erzählte von ihrem Praktikum als Bäckerin.

Als leidgeplagter Bürger, der sich schon viele Wahlversprechen angehört hat und ebenso vielen nicht eingehaltenen Versprechen wehmütig oder auch schlichtweg wütend hinterherschaut, würde man sich freuen, wenn zumindest einiges von dem, was an positiven Gedanken und Einsichten an diesem Abend „auf den Tisch“ kam, umgesetzt würde.

Inklusion, G8, Armut, Alleinerziehende und Kitabeiträge, dazu die Situation der Handwerker und der Auszubildenden, alles war durchgedacht und wurde auf Anfragen so beantwortet, dass man sich mehr als freuen würde, wenn auch nur die Hälfte davon umsetzbar wäre. Trotz vieler durchaus skeptischer Gesichter im Publikum fühlte man sich an diesem Abend als Bürger wahrgenommen und in seinen Nöten verstanden. An Einsicht, Wissen und dem Willen zur Umsetzung fehlt es jedenfalls nicht bei Hannelore Kraft und ihren Mitstreitern. Was sich im Landeshaushalt nicht zuletzt in einer „schwarzen Null“ niederschlägt. Sie machen ihre Arbeit gut.

In NRW liegt die SPD vorn

Ebenfalls vor Ort: Kulturhauschefin Rebecca Egeling (Mitte)

Trotzdem bleibt abzuwarten, wie sich die nächsten Jahre im bevölkerungsreichsten Bundesland angesichts von „Multikulti“, Flüchtlingsproblematik, steigender Kinder- und Erwachsenenarmut und dem nach wie vor seinen Bürgern gegenüber eher unbarmherzigen und menschenverachtenden Harz IV und seinen Folgeproblematiken gestalten.

Der NRW-Bürger jedenfalls hält der SPD nach wie vor die Treue. In allen Umfragewerten liegt sie deutlich vor der CDU. Was sicher auch daran liegt, dass man – trotz aller Unkenrufe zum Trotz – immer noch das Gefühl hat, dass hier „Menschen wie du und ich“ vor einem sitzen.

Bodenständige Politiker

Trotz der ernsten Themen: Es wurde auch viel gelacht im Kulturhaus.

Abgehoben sind sie nicht, die Vertreter der SPD. Sie wirkten eben auch an diesem Abend wie Leute aus dem Volk. Ehrlich betroffen, wirklich engagiert und echt Willens, vieles anzupacken und zu ändern.

„Schaun wir mal“, wie der Sauerländer in seiner sprichwörtlichen Geduld zu sagen pflegt. Und „an ihren Werken sollst Du sie erkennen, nicht an ihren Worten“ sagte ein anderer großer Mann, der vor langer Zeit einmal von einem Berg aus den Menschen wegen genau derselben Ungerechtigkeiten, wie sie heute Usus sind, ordentlich den Kopf gewaschen hat.

Die Landtagswahl am 14. Mai wird zeigen, was der Wähler seinen Abgeordneten wirklich zutraut. Und seinem Nordrhein-Westfalen, das in seiner ganzen so authentischen und lebendigen Unvollkommenheit bisher noch jeder Herausforderung die Stirn geboten hat.

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