Ein umfangreiches Besuchsprogramm hatte die Delegation aus NRW und Südwestfalen. „Durch die überaus positiven Gespräche und Eindrücke während der Reise wurden wir darin bestätigt im nächsten Jahr speziell eine Unternehmerreise für Automobilzulieferer und Maschinenbauer anzubieten“, sagte Frank Herrmann, Außenwirtschaftsexperte der SIHK zu Hagen. Foto: SIHK Presseabteilung

Hagen. Die mit dem Iran getroffenen Vereinbarungen ermöglichen nach Jahren der Wirtschaftssanktionen Schritte in Richtung Normalisierung der Wirtschaftsbeziehungen. Dazu sind Kontakte wichtig und notwendig. Die Südwestfälische Industrie- und Handelskammer veröffentlicht auf ihrer Webseite einen Bericht über eine jetzt stattgefundene Reise einer NRW-Wirtschaftsdelegation. Hier der Text im Wortlaut:

Keine Goldgräberstimmung, aber Optimismus

Ende Mai besuchten 80 Unternehmer aus NRW unter der Leitung von Wirtschaftsminister Garrelt Duin den Großraum Teheran. Ziel der von den Industrie- und Handelskammern organisierten Reise war es, individuelle Marktchancen auszuloten, Kontakte zu potenziellen Geschäftspartnern und Marktexperten zu knüpfen sowie die Rahmenbedingungen des sich öffnenden Marktes kennenzulernen. 14 Unternehmen aus Südwestfalen waren dabei.

Zu Füßen von auch im Sommer schneebedeckten Bergen inmitten einer wüstenhaften Hochebene liegt die 15-Millionen-Metropole Teheran, deren überfüllte Straßen tagsüber auch noch von drei Millionen Berufspendlern überbeansprucht werden. Satellitenstädte wie Parand sollen Entlastung bringen. Zudem umgibt die Megacity ein breiter Industriegürtel. Fast die gesamte iranische Automobilindustrie ist hier beispielsweise angesiedelt mit einer Jahresproduktion von 1,2 Millionen Pkw und ca. 200.000 Lkw und Bussen – mehr als in Italien.

Gute Perspektiven für den Abgassysteme-Spezialist HJS aus Menden: „Wir sehen unsere bisherigen Aktivitäten durch die Reise bestätigt. Luftreinhaltung und Automobilindustrie sind auch im Iran durchaus kompatibel“, sagt Philipp Schulte, Mitglied der Geschäftsleitung.

Bei den Besuchen der iranischen Unternehmen Crouse (größter iranischer Automobilzulieferer), Mammut (größter iranischer Anlagenbauer), Bronze (Tochter des Automobilzulieferers Azin Khodro), Iran Rotative (Vertretung Heidelberger Druckmaschinen) und Modava (Pharma) wurde deutlich, dass der Fortschritt hier in den letzten 10 Jahren nicht stehen geblieben ist.

Dennoch gebe es in fast allen Bereichen einen enormen Investitionsstau, sagte René Harun, Geschäftsführer der Deutsch-Iranischen IHK. Der Ausbau und die Modernisierung in den Bereichen Öl und Gas, der verarbeitenden Industrie, der Verkehrsinfrastruktur, der Energiewirtschaft, der Umwelt und des Gesundheitswesens habe hohe Priorität im aktuellen Fünfjahresplan. Noch bis 2007 war Deutschland Irans führender Lieferant, musste diese Rolle im Rahmen der Sanktionspolitik dann aber an China abtreten. Deutschland konnte zwar zuletzt seine Exporte nach Iran kräftig steigern (2014: 2,4 Mrd. US$), der Abstand zu China ist aber noch gewaltig (24,3 Mrd. US$). Allerdings sei in den letzten Jahren ebenfalls deutlich geworden, dass Firmen aus China häufig nicht oder nur eingeschränkt den iranischen Erwartungen entsprechen konnten, so Harun. Insbesondere die deutschen Maschinenbauer erhofften sich wieder die Rolle einzunehmen, die sie vor den Sanktionen hatten. So lag der Anteil deutscher Maschinenexporte 2006 bei 31% (1,57 Mrd. Euro).

Weiterhin viele Herausforderungen, aber auch Chancen

Neben Öl und Gas läge das große Plus des Landes im Humankapital, sagte der Deutsche Botschafter Michael von Ungern-Sternberg. Das Durchschnittsalter liege bei 28 Jahren, 50% der Studenten seien weiblich. In Teheran sei das zweitgrößte deutsche Sprachinstitut der Welt. Jetzt bräuchten die Reformer Rückenwind, denn die Arbeitslosigkeit sei hoch und die Wirtschaft springe nicht wirklich an. Letter of Credits seien schwierig, die iranischen Banken seien verschuldet und deutsche Hermes-Garantien gebe es erst im Laufe des Jahres, wenn alles gut läuft. Beim Korruptionsindex belege der Iran zudem einen der hinteren Plätze.

Von Goldgräberstimmung im Iran mag NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin nicht sprechen. Es seien noch einige Herausforderungen zu lösen. Doch er sei ausgesprochen positiv überrascht über die Offenheit, Freundlichkeit und das politische Klima in Teheran. „Die ausgestreckte Hand im Iran sollten wir unbedingt ergreifen“, sagte Duin.

„Durch die überaus positiven Gespräche und Eindrücke während der Reise wurden wir darin bestätigt im nächsten Jahr speziell eine Unternehmerreise für Automobilzulieferer und Maschinenbauer anzubieten“, betonte Frank Herrmann, Außenwirtschaftsexperte der SIHK zu Hagen.

Teilnehmer positiv überrascht

„Für uns war die Reise eine erste Markterkundung. Von der persönlichen Einladung in einen Produktionsbetrieb war ich positiv überrascht“, so Christian Kosak, Geschäftsführer des Metallformteile-Herstellers USD Formteiltechnik GmbH aus Meinerzhagen.

„Die Reise konnten wir sowohl nutzen, um Kontakte zu unseren vielen alten Kunden zu reaktivieren, als auch neue Projekte zu besprechen. Daher war sie ein voller Erfolg und ich bin zuversichtlich im Hinblick auf kommende Aufträge aus dem Iran“, betonte Peter Kordt, Geschäftsführer der Zink Körner GmbH aus Hagen.

„In 2015 hatten wir eine erste Anfrage von einem iranischen Produzenten, die wir in den letzten Monaten verfolgt haben. Durch die Reise erhoffen wir uns einen Zutritt auf den iranischen Markt, den wir zuvor gar nicht hatten“, betonte Andreas Dappa, Vertriebsleiter der Mendener IVA Schmetz GmbH.

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