Poetry Slam mit Format und Vielfalt präsentierte "World of Wordcraft" - Erfinder und Moderator Marian Heuser. Fotos: Daniel Scharf

Lüdenscheid. Komplett ausverkauft war am Samstag der Bühnensaal des Kulturhaus Lüdenscheid. Slam Poet Marian Heuser hatte zum Poetry Slam eingeladen und schaffte es auch diesmal wieder Künstler von echtem Format, nach Lüdenscheid zu holen. Fünf Jungs und ein Mädel battelten sich mit Niveau um die begehrte „Goldene Feder“ aus der Hand der Lüdenscheider Künstlerin Claudia Bäcker-Kirmse.

Abwechslungsreiches Programm

Der kautzige Jens Kotalla verkaufte Tragiktaschen.

Die Zuschauer kamen an diesem Abend voll auf ihre Kosten. Unterschiedlicher hätten die Poeten nicht sein können. Vom echten „Papa“-Charme eines Christian Gottschalk über den Lateinlehrer Christofer mit F, den kautzigen Jens Kotalla mit seiner „Tragiktasche“ und den sehr komischen Sven Hensel, bis hin zu der poetischen Jana Gabler, die die Männer samt und sonders um Haupteslänge überragte. Es war alles dabei, was das Publikumsherz sich an so einem Abend von „seinen“ Slam Poeten wünscht.

And the winner is …

Er war der Gewinner das Abends: Jason Bartsch.

Gewonnen hat den Wettbewerb völlig verdient Jason Bartsch, der sein Publikum nicht nur köstlich amüsierte, sondern dies auch noch auf eine so kluge und nette Art, dass ihm letztendlich niemand von seinen Kollegen etwas entsprechendes entgegenzusetzen hatte.

Mister „Fifty Points“ räumte an diesem Abend alles an Punkten ab, was es zu holen gab und reizte das Publikum beim finalen „Endkampf“ mit Sven Hensel auch zu dem mit Abstand längsten, lautesten und engagiertesten Beifall des Abends.

Wer schon einmal bei einem Poetry Slam war, weiß, dass es beim Finale anhand des Applaus manchmal nicht so einfach herauszuhören ist, wer jetzt der wirkliche, echte Liebling der Zuschauer war.

Beherztes Eingreifen

Moderator Marian Heuser war das „Sacrifice“.

Aber an diesem Abend war alles klar. Keine Zweifel, das Kulturhaus wurde nur durch das beherzte Eingreifen von Moderator Marian Heuser vor dem Einsturz bewahrt. Der durch das Publikum verursachte Lärmpegel war wirklich beachtlich.

„World of Wordcraft“-Erfinder Marian Heuser führte dabei auf gewohnt charmante Art durchs Programm. Bei seinen Veranstaltungen kann man sich darauf verlassen, dass der Abend absolut professionell verläuft. Mit einer dichten, guten Atmosphäre, einem wohlwollenden Publikum und immer wieder auch mit Menschen, die das allererste Mal bei einem Poetry Slam dabei sind. Diese Kunstform hat nach wie vor nichts von ihrer Faszination verloren.

Nichts für Feiglinge

Ein sehr aufmerksames und engagiertes Publikum.

Marian war an diesem Abend wieder einmal das „Sacrifice“ und musste deshalb als Erster „ran“. Nur zu Demonstrationszwecken, versteht sich. Aber: Mit einem neuen Text, der sich sehr ernst mit den gerade aktuellen weltpolitischen Themen auseinandersetzte.

Mit diesem Text, der alles andere als lustig war, schaffte er einen Einstieg, der auch den Neulingen klar machte, dass Poetry Slam eigentlich nichts für Feiglinge ist.

Nicht so ernst nehmen

Sich selbst nicht ganz so ernst nehmen. Eine Botschaft, die auch bei den ganz jungen durchaus ankommt.

Denn hier stellt man sich dem Leben in all seinen Facetten.

Mal witzig, mal tieftraurig und doch immer topaktuell, dokumentiert diese Kunstform sehr exakt und fast wie auf dem Seziertisch das „real life“.

Und ist von daher das, was Kunst sein sollte: Ernstzunehmen, facettenreich, aufrüttelnd und wegweisend. Dabei oft versehen mit einer großen Portion Humor, die auch den größten Pessimisten ermutigt, sich in diesem ganzen verrückten Treiben, das sich „Leben“ nennt, selbst nicht allzu ernst zu nehmen.

 

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