Das kann dauern: Mit jeder Fuhre leert sich der Teich ein wenig.

Halver/Wipperfürth. Die rund 1700 Kubikmeter Gülle, die am 17. März von einem Hof in Halver-Kotten in den Neyebach geflossen sind, haben eine Spur der Zerstörung hinterlassen. „Der Bach in biologisch tot“, sagt der zuständige Revierförster Volker Leipzig. Dennoch versuchen er und seine Helfer zu retten, was zu retten ist. Möglicherweise haben die Teichmuscheln in einem der 15 Teiche am Einlass der Neyetalsperre den Gülle-Gau überstanden. Am Freitag, 27. März, haben Leipzig und seine Helfer begonnen, diesen Teich abzupumpen.

Flächen werden knapp

Immer wieder fährt ein schwerer Traktor mit Tankanhänger vor. Der Fahrer hält die Schlauchverbindung in den Teich. Der Tank füllt sich. Der kleine See leert sich um eine kaum wahrnehmbare Menge Brühe. Dann setzt sich der Schlepper wieder in Bewegung. Die Gülle-Wasser-Mischung wird auf einem der Felder in der Umgebung ausgebracht. Ein langwieriges Geschäft. Langsam werden die Flächen knapp. Ein Mitarbeiter der Landwirtschaftskammer muss am Freitag erst mal in seinen Unterlagen nachschauen, auf welchen Flächen das Gemisch noch verrieselt werden darf.

Förster befürchtet extremes Algen-Wachstum

Je weiter sich der Teich leert, umso mehr tote Tier tauchen auf.
Je weiter sich der Teich leert, umso mehr tote Tier tauchen auf.

„Der Gülle-Unfall wird uns noch lange beschäftigen“, sagt Volker Leipzig. Bei jedem Regenguss werde Material, das sich am Bachufer und anderen Stellen festgesetzt hat, wieder in den Bach gespült. Und: „Die nächste Katastrophe kommt bestimmt“, fürchtet der Revierförster. Es sei eine riesige Menge Nährstoffe in die Neyetalsperre geflossen. Deshalb rechnet er mit einem extremen Algenwachstum. „Das wird den Fischen dann den lebensnotwendigen Sauerstoff nehmen.“

Ausmaß und Folgen unterschätzt

Das Ausmaß des Gülle-Gaus und seine Folgen seien unterschätzt worden, glaubt Revierförster Volker Leipzig. „Die Behörden hätten gleich Katastrophenalarm geben müssen.“ Jetzt beschäftigen sich zahlreiche Stellen mit Überlegungen, wie solche Katastrophen verhindert werden können. Am Donnerstag hat Staatssekretär Peter Knitsch aus dem NRW-Umweltministerium den Hof in Kotten besucht, in seinem Gefolge Behörden- und Verbandsvertreter, darunter auch BUND-Landesvorsitzender Klaus Brunsmeier.

Brunsmeier übt scharfe Kritik am Verhalten der Bezirksregierung Köln. Sie hätte früher handeln müssen. Zudem sei die bezirksübergreifende Zusammenarbeit der beiden Bezirksregierungen Köln und Arnsberg in diesem Fall gescheitert. Auch Volker Leipzig fürchtet: „In diesem Grenzgebiet fühlte sich so keiner richtig zuständig.“

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