Eine Aufnahme der "offiziell ausgewiesenen ökologischen Ausgleichsfläche ... am oberen Ende der Bebauung vom Schlader Weg in Küntrop", fügte Ulrich Naumann, Sprecher der Bündnisgrünen im Neuenrader Rat, seinem Leserbrief und der darin geäußerten Kritik an der Handhabung der Neuenrader Baumschutzsatzung bei. Foto: Bündnisgrüne Neuenrade

Neuenrade. Die Bündnisgrünen im Rat der Stadt Neuenrade sind weiterhin mit der Umsetzung von Naturschutz in Neuenrade unzufrieden. Sie machten das in diesem Jahr in den Fachausschusssitzungen zum Thema, fanden aber keine Mehrheit für ihre Änderungsvorschläge zur Baumschutzsatzung. Jetzt geht Grünen-Sprecher Ulrich Naumann mit einem konkreten Beispiel an die Öffentlichkeit, das aufzeigen soll, was an der aktuellen Praxis bemängelt wird und warum die Bündnisgrünen mehr konkrete Beteiligung und Mitsprache durch politische Gremien wollen.

Hier Ulrich Naumanns Leserbrief vom 16. August 2017 im Wortlaut:

Naturschutz passend gefräst

Wie sich bereits in den letzten Sitzungen des Ausschuss für Bau, Planung und Stadtentwicklung abzeichnete, scheint sich die Verwaltung weiterhin ihren Begriff für Naturschutz in Neuenrade selbst zurecht zu fräsen. Die fürchterlichen Ansichten, wenn mal wieder Wege mehr als erforderlich freigefräst wurden, sind wir ja mittlerweile gewohnt. Das sich die Gehölzfräse kürzlich allerdings auf einer ausgewiesenen ökologischen Ausgleichsfläche (an der Hecke einer Streuobstwiese) selbstständig machte, zeugt doch von einer hochgradigen Ignoranz gegenüber des Problems rasant aussterbender Insekten und Vogelarten.

Besonders brisant ist die Lage der Kleintierfauna in unserer Agrarlandschaft durch den Anbau von Monokulturen wie Mais und Raps, sowie dem dafür scheinbar erforderlichen Pestizid-Einsatz. Unsinnig war diese Aktion besonders, da von den direkten Anwohnern diese Hecke –natürlich im Winterhalbjahr – immer auf 1,50 Meter zurückgeschnitten wird und das angeblich in Absprache mit der Verwaltung. Da der Fräsdienst scheinbar ausgelastet sein muss und darum auch Kosten dafür anfallen, würde es doch geschickter wirken wenn man hier die Mittel einspart und stattdessen einen fachgerechten Schnitt der alten Obstbäume auf dieser Streuobstwiese finanziert.

Wenn aussagegemäß alle anderen Fraktionen diesbezüglich den fachlichen Entscheidungen der Verwaltung gerne blind vertrauen, muss man sich fragen, ob Meinungsbildung auf diesem Weg zum mustergültigen Ziel führt, nur um den Ausschuss zu entlasten.

Im übergeordneten Bundesnaturschutzgesetz kann man lesen welche Maßnahmen und zu welcher Zeit angebracht sind. Dort steht geschrieben: Es ist verboten, […] Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen. (§ 39 Abs. 5 S. 2 BNatSchG).

Natürlich kann man sich zur Gewissensberuhigung sagen – im Kleingartengelände zählt der Naturschutz nicht und die im Jahr 2016 geänderte Neuenrader Baumschutzsatzung greift hier auch wieder nicht. Fragen darf man sich gleichwohl, was das Bundesnaturschutzgesetz bewirken soll und welches Augenmaß bei zukünftigen „Bereinigungsaktionen“ angebracht ist.

Zum tiefgründigen Nachdenken sollte uns allerdings anregen, dass es den Stadtbienen in unseren Großstädten (trotz Abgasbelastungen) bereits deutlich besser geht als den Bienenvölkern auf dem Land.
Uli Naumann, Sprecher Bündnis 90/Die Grünen, OV Neuenrade

Links zum Thema

TACH-Bericht Bündnisgrünen-Antrag zur Fachausschusssitzung am 22. Juni 2017

Berichterstattung auf come-on.de zur Fachaussschusssitzung am 7. März 2017

Baumschutzsatzung der Stadt Neuenrade (eine pdf Datei)

 

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