Normaler Straßenmarkt in Wischgorod. Zwei Kürbisse werden für 50 Cent verkauft. Foto: H. Willnat

Kierspe. Widersprüchliche Eindrücke haben die Vorstandsmitglieder des Vereins Kinder von Tschernobyl e.V. von ihrer Reise in die Ukraine mitgebracht. Sie haben die dortigen Partner  besucht, mit deren Unterstützung der Verein seine Hilfsprogramme durchführt. Der Kiersper Verein unterstützt dort chronisch kranke Kinder bei der Beschaffung erforderlicher Medikamente, finanziert eine Armenküche und bietet Kindern in zwei Gruppen Erholung an.

Panjewagen im normalen Straßenverkehr gehören zu den Widersprüchlichkeiten in der Region um Wischgorod. Foto: H. Willnat
Panjewagen im normalen Straßenverkehr gehören zu den Widersprüchlichkeiten in der Region um Wischgorod.
Foto: H. Willnat

„Ohne zuverlässige Partner vor Ort wäre die Arbeit nicht durchführbar“, so der Vorstand. Eine realistische Einschätzung der Situation in der Ukraine zu geben sei sehr schwer. Außenstehenden fehle es an Einblick. Die ukrainischen Partner hätten so viel damit zu tun, dass sie ihr eigenes Leben organisiert bekommen, dass sie meist nur ihre unmittelbare Lebensumgebung wahrnehmen können.

Rein optisch entwickelt sich Wischgorod rasant. In den letzten wenigen Jahren sind in Wischgorod riesige Hochhauskomplexe hochgezogen

Neue Wohnkomplexe sind in Wischgorod entstanden. Viele Kiewer ziehen dahin. Folge ist ein verkehrschaos. Foto: H. Willnat
Neue Wohnkomplexe sind in Wischgorod entstanden. Viele Kiewer ziehen dahin. Folge ist ein Verkehrschaos.
Foto: H. Willnat

worden mit Tausenden von Wohnungen. Um diese Komplexe herum herrscht das pure Parkchaos, weil es nicht genug Stellplätze gibt. Im vergangenen Jahr entstanden viele kleine neue Geschäfte. Einschlägige Veröffentlichungen berichten über einen grundsätzlichen Umbau der Wirtschaft. Die gegenseitigen Warenblockaden von und nach Russland erzwingen eine stärkere Ausrichtung nach Westen. Es gibt eine deutliche Bewegung, ukrainische Waren zu kaufen, so das Fazit der Kiersper.

„Deutsche“ Planung übernommen

Eigenartig erschien ihnen, dass in den Geschäften und bei Dienstleistungen alles sehr unpersönlich abläuft. Niemand lächele bei der Bedienung. Bei jedem merke man, dass er und sie nur einen Job erledige und das nicht gern. Kenne man aber jemanden privat, sehe die Welt ganz anders aus.

Lena Popowitsch, die Vorsitzende des Partnervereins „Bereginja“, hat inzwischen die „deutsche“ Planung übernommen, und alles ist von Anfang an perfekt organisiert. Genauso färbt auch die ukrainische Art bei den Deutschen ab. Man wird flexibler in der Durchführung und kann viel besser improvisieren. Vorsitzende Gisela Steinbach sprach die anstehenden Aktivitäten mit Lena Popowitsch und mit der Ärztin Tatjana Safonowa durch, die für die Betreuung der „Medikamentenkinder“ verantwortlich zeichnet. Auch der Termin für den nächsten besuich der Kinder in Kierspe wurde bereits festgelegt: 18.6. bis 8.7.2017.

Krankheit oft Weg in die Armut

Von Marijas Rente kann die-Mutter nicht einmal die Pampers für die geistig-behinderte Marija bezahlen. aber arbeiten kann sie auch nicht wegen Marija. Foto: H. Willnat
Von Marijas Rente kann die-Mutter nicht einmal die Pampers für die geistig-behinderte Marija bezahlen. aber arbeiten kann sie auch nicht wegen Marija.
Foto: H. Willnat

Gisela Steinbach und Helmut Willnat besuchten viele der „Medikamentenkinder“, die der Verein über die Ärztin Tatjana Safonowa unterstützt. In allen Familien kommt die Hilfe tatsächlich an und die Menschen bedanken sich sehr bei den deutschen Spendern. Der Verein sucht dringend weitere solche Unterstützer, weil noch sehr viele Kinder Hilfe bei der Beschaffung von Medikamenten benötigen. Erhält ein Kind die Diagnose „Diabetes mellitus“, „Mukoviszidose“, „Asthma“, „rheumatoide Arthritis“, oder ähnliche chronische Krankheiten oder sogar „Leukämie“ oder „Bluterkrankheit“, dann ist das im Prinzip der Weg in die Armut für die ganze Familie. Die Medikamente sind teuer und müssen selbst bezahlt werden. Das übersteigt immer das Familienbudget. Da ist die Unterstützung des Kiersper Vereins eine große Hilfe, den Kindern ein fast normales Leben zu ermöglichen.

Die Armenküche in Bila Zerkwa kocht werktäglich für etwa 60 Menschen. Sie wird betrieben von einer kleinen Kirchengemeinde, welche diesen Menschen auch bei anderen kleinen und größeren Problemen Unterstützung bietet.

Alternativ-Angebote für Jugendliche

Außerdem unterhält diese Kirchengemeinde im Dorf Dymer eine engagierte Kinder- und Jugendarbeit. Das Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen eine sinnvolle Alternative zu bieten zum ungezügelten Fernseh- und Internetkonsum. So geben sie Unterricht für verschiedene Musikinstrumente oder bieten Spiel- Sport- und Bastelkreise an. Deshalb bitten Sie um gebrauchte Musikinstrumente aller Art, transportable Sportgeräte oder auch Geräte um Popcorn und Zuckerwatte herzustellen.

Wer mehr über die Arbeit des Vereins erfahren möchte, kann sich an Gisela Steinbach (02359/903173) wenden oder sich auf der Homepage des Vereins informieren (www.kvt-kierspe.de).

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