In einem Zelt werden, vor Wind und wetter geschützt, die Streben für die fahrbahn angeschweißt und die Metallteile gestrichen. Foto: Rüdiger Kahlke

Lüdenscheid. 80 Jahre sollten sie halten – die Autobahnbrücken der A 45. Die erste der rund 50 Brücken zwischen Dortmund und der hessischen Grenze wird bereits neu gebaut. Die Lennetalbrücke mit knapp einem Kilometer Länge ist dabei eine besondere technische Herausforderung. „Ideal fürs Bauen wäre es, die A 45 vier Jahre zu sperren“, sagt Projektleiter Michael Neumann von Straßen NRW bei unserem Baustellen-Besuch. Das ist undenkbar.

Bundesweit einmaliges Bau-Konzept

Neben der Richtungsfahrbahn Frankfurt entsteht zur Zeit der erste Teil der neuen Brücke, der später verschoben wird. Foto: Rüdiger Kahlke

Die Ingenieure mussten umdenken – und haben eine Lösung gefunden. Die Brücke wird neu gebaut – neben der bestehenden Trasse. Wenn die erste Fahrbahn in Richtung Frankfurt fertig ist, wird die jetzige Fahrbahn abgerissen und die neue Brücke auf voller Länge etwa 15 Meter in Richtung Osten verschoben. Dahin, wo jetzt noch der Verkehr in Richtung Süden rollt. „Bundesweit einmalig“, heißt es bei Straßen NRW, wo die Experten schon ein bisschen stolz auf ihre Pioniertat sind.

Schwieriges Umfeld

„Technisch haben wir das im Griff“, betont Neumann. Die juristische Seite mit dem Baurecht sei schon schwieriger. Hoher Abstimmungsbedarf und Umweltprobleme seien weitere Herausforderungen für die Teams. Denn: gebaut wird in schwierigem Umfeld. Bahnanlagen, Industriebetriebe und schließlich das Flusstal. Alle Belange müssen berücksichtigt werden. Sperrzeiten für den Bahnverkehr müssen „drei Jahre im voraus angemeldet werden“, schildert Neumann einer Besucher-Gruppe die Planungs-Probleme. Die Mitglieder des Lions-Clubs aus Hagen und dem Volmetal informieren sich im Baubüro über den Stand der Arbeiten. Dabei erfahren sie auch, dass die Brücke 1967 freigegeben worden ist. Schon 1985 zeigten sich erste Schadensbilder an der Spannbeton-Brücke. Der Grund: die Lkw sind schwerer geworden, vor allem der Verkehr hat extrem zugenommen. Das hatte vor 50 Jahren kein Planer auf dem Schirm.

Seit 2009/20010 wurde die neue Brücke geplant. Im September 2013 erfolgte der

Hohlkörper aus Stahl, die vor Ort verschweißt werden, bilden den Kern der neuen A 45-Brücke über die Lenne. Foto: Rüdiger Kahlke
Hohlkörper aus Stahl, die vor Ort verschweißt werden, bilden den Kern der neuen A 45-Brücke über die Lenne.
Foto: Rüdiger Kahlke

Baubeginn für das neue Bauwerk. Diesmal wird es eine Stahl-Verbund-Brücke. Die tragenden Hohlkörper werden aus Zwickau angeliefert und auf der Baustelle verschweißt. Aus den „Takt-Kellern“ wird die Brücke Stück für Stück verlängert und auf die provisorischen Pfeiler vorgeschoben. Alle vier bis sechs Wochen wird die Brücke so um etwa 60 Meter länger. In der Mitte des Tales treffen dann die vorgeschobenen Brückenteile aufeinander. Etwa Mitte 2016 soll der Verkehr auf die neue Fahrbahn umgelegt werden.

Bauwerk soll 80 Jahre halten

Schweißkabinen an den Nahtstellen der Hohlkörper ermöglichen es, bei jedem Wetter zu arbeiten. Foto: Rüdiger Kahlke
Schweißkabinen an den Nahtstellen der Hohlkörper ermöglichen es, bei jedem Wetter zu arbeiten.
Foto: Rüdiger Kahlke

Dann wird die bestehende Brücke abgerissen und in Richtung Dortmund eine zweite Brücke, ebenfalls im Takt-Schiebe-Verfahren gebaut. Wenn die fertig ist, wird die knapp 1000 Meter lange Brücke, die derzeit im Bau ist, am Stück um 15 Meter in Richtung Osten auf die neuen Pfeiler verschoben. Acht bis zehn Stunden dauert das Prozedere, schätzt der Projektleiter. Auf Teflonplatten und einem Spülmittel, dass in der Ex-DDR jeder kannte, gleitet die Brücke dann an die neue Position. 2018 sollen die Autos in beiden Richtungen auf neuen Fahrbahnen übers Lennetal rollen. Auch die neue Brücke ist auf eine Lebenszeit von 80 Jahren ausgelegt. Theorie und Praxis sind aber zuweilen zwei paar Schuhe, wie die Sanierungsfälle an der A 45 zeigen. Und die Lennetalbrücke ist erst der Anfang. Die restlichen Brücken sollen bis 2030 erneuert werden.

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