Die "Nacht der offenen Kirchen" in der Oberrahmede hatte es in sich. Hier Björn Bergs und die Amy-Dancers. Fotos. Iris Kannenberg

Lüdenscheid. Im Rahmen der von der Westfälischen Landeskirche veranstalteten „Nacht der offenen Kirchen“ lockte es am Sonntagabend zahlreiche Gäste in die Christuskirche, die Erlöserkirche, in die Kreuzkirche nach Brügge und in die Evangelische Kirche Oberrahmede.

(Un)sichtbares und Verborgenes zeigen

Markus Opterbeck am Flügel.
Markus Opterbeck am Flügel.

Das Besondere an der Veranstaltung in der Oberrahmede: Dort hieß das Motto der „Nacht der offenen Kirchen“: „(Un)sichtbares und Verborgenes zeigen“. Die Intention dahinter: Jeder hat Gaben, jeder hat etwas zu geben. Manchmal muss man dem nur Raum geben und Menschen etwas zutrauen. Dann ist man überrascht, was alles an Talenten z.B. in so einer Gemeinde steckt. Und diese verborgenen Talente, denen an diesem Abend Raum gegeben wurde, hatten es in sich:

Syrische Künstlerin Rahaf Zaidia zeigte ihr Werk

Rahaf erzählt von Flucht und ihrem Leben in Syrien und hier.
Rahaf erzählt von Flucht und ihrem Leben in Syrien und hier.

Zu sehen waren u.a. Christine Nemitz mit einer Fotoserie, in der sie auf besondere Weise Landschaften und Menschen porträtierte. Die syrische Künstlerin Rahaf Zaidia zeigte ihr künstlerisches Werk, das in einem Workshop für Bildende Künster, der mit Schwerpunkt auf junge Migranten jeden Mittwoch um 15 Uhr in der VHS Lüdenscheid statt findet, entstanden ist. Dieser Workshop wurde von der Initiative „Localaid.eu“ und Kultstädte e.V. ins Leben gerufen, die dafür am 18. Dezember im Kulturhaus mit einer großen Veranstaltung für Flüchtlinge Spenden gesammelt haben.

Ihr künstlerisches Werk ging im Krieg verloren

Rahaf Zaida, ihre Brüder Mohammad und Hasan, sowie ihre Cousine und ihr Cousin und David, ebenfalls aus Syrien (ganz rechts).
Rahaf Zaida, ihre Brüder Mohammad und Hasan, sowie ihre Cousine und ihr Cousin und David, ebenfalls aus Syrien (ganz rechts).

Rahaf, die in Syrien bereits Kunst studierte, hat all ihre Werke dort in den Kriegswirren verloren und fängt in Lüdenscheid ganz neu an, sich ein Portfolio aufzubauen. So entstand Gezeichnetes und Gemaltes, aber auch Skulpturen, die allesamt etwas mit ihrer Flucht, aber auch mit dem friedlichen Leben vor dem Krieg und ihrer Sehnsucht danach, zu tun haben. Auch ihre beiden Brüder Mohammad und Hasan besuchen den Workshop und sind dort künstlerisch tätig. Die drei, die ohne Eltern nach Deutschland flüchten mussten, weil das Geld nicht ausreichte für eine Passage für alle, lernen mittlerweile Deutsch, gehen zur Schule und hoffen, bald ihre in Syrien abgebrochenen Studiengänge hier weiterführen zu können. Rahaf gab Monika Deitenbeck, der Pastorin der Ev. Kirche Oberrahmede, an diesem Abend auch noch ein bewegendes Interview, das niemanden kalt ließ und malte vor Ort live ein Bild in dem sie der Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben von Moslems und Christen Ausdruck gab.

Große Vielfalt an Kunst

Markus and Friends, ein Projektchor.
Markus and Friends, ein Projektchor.

Schön auch der Projektchor „Markus und Friends“, der aus Markus Opterbeck am Piano und Teilen des Gospelchors „Risecorn“ bestand und an diesem Abend Premiere feierte, der bewegende Aufrtitt einer Querflötenspielerin, das Gereimte von Antje Langenegger und die Auftritte vieler anderer Künstler, die ihre Bilder ausstellten oder auf der Bühne Musik machten.

Daniel Scharf, er wusste sein Publikum zu begeistern

Daniel Scharf, Singer-/Songwirter und kirchlicher Mitarbeiter.
Daniel Scharf, Singer-/Songwirter und kirchlicher Mitarbeiter.

Absolut überzeugend und professionell: Der kirchliche Mitarbeiter und Singer-/ Songwriter Daniel Scharf, der mit Gitarre und Stimme und seinen oft sehr kritischen Liedern für einen ganz besonderen Akzent an diesem Abend sorgte. Er versteht es immer wieder, selbst den verschlafensten Besucher mit einem Rumms zurück in die Realität zu holen, zu berühren, nachdenklich zu stimmen, aber auch für den einen oder anderen Lacher zu sorgen. Er ist einer dieser Vollblutentertainer, die man gerne sehr viel öfter auf der Bühne sehen möchte.

Björn Bergs, Ausnahmesänger aus Lüdenscheid

Björn Berg, sein Gesang verursachte Gänsehaut.
Björn Berg, sein Gesang verursachte Gänsehaut.

Ebenfalls herausragend: Björn Bergs, vielen bekannt als Teil von „Living Gospel“ und sicher einer der besten Sänger im Kreis. Er überzeugte erst mit gelooptem A-Capella-Gesang, bei dem die Technik zur Heiterkeit des Publikums leider manchmal nicht ganz mitspielte und danach zusammen mit den „Amy’s Dancers“ aus Bielefeld, mit denen er einen Auftritt hinlegte, den man besser auch nicht im Kulturhaus hätte sehen können.

Friedliches Miteinander von Christen und Moslems ist möglich

Gemeinsames Miteinander von Christen udn Moslems ist möglich!
Gemeinsames Miteinander von Christen und Moslems ist möglich!

Die Kirche und das Gemeindezentrum waren den ganzen Abend über gut gefüllt. Die Gemeinde selbst hatte für ein reichhaltiges Büffet gesorgt. Jeder der zahlreichen Besucher fühlte sich vom ersten Moment an gut aufgehoben. Durch den Abend führten in gewohnt souveräner Weise Pastorin Monika Deitenbeck und Gemeindemitglied und Sänger Marc Jürgens. Herausragend: Das Miteinander von Christen und Moslems an diesem Abend. Man sieht an solchen Vernstaltungen einmal mehr: Es ist möglich! Die beiden Weltreligionen können friedlich und in Eintracht koexistieren und sogar ganz wunderbare Events gemeinsam gestalten.

Workshop-Teilnahme erwünscht

Marcus Jürgens führte mit viel Schwung und Humor durch den Abend.
Marc Jürgens führte mit viel Schwung und Humor durch den Abend.

Für die jungen Migranten und auch Nichtmigranten: Wer Lust hat, wie Rahaf und ihre Brüder an dem Workshop für Bildende Kunst teilzunehmen kann dies gerne tun: Man trifft sich Mittwochs unter der Leitung von Iris Kannenberg und Anja Kowski um 15 Uhr in Raum 17 in der VHS gegenüber der Erlöserkirche. Zudem bieten localaid.eu und KultStädte e.V. noch zwei weitere Workshops an: Eine Band mit Tlako Mokgadi und den Video-Workshop von Christina Appelt. Für nähere Informationen dazu, wenden sich Interessierte bitte an den 1. Vorsitzenden von KultStädte e.V. Klaus Sonnabend, www.kultstaedte.de.

 

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