Mine, der wohl außergewöhnlichste Live-Act auf dem Festival an der Heesfelder Mühle in Halver. Fotos: Iris Kannenberg

Halver. Ein Musik-Festival der Extraklasse – das boten Ilka Werkshagen und Robin Brunsmeier, die für die „Soundbäckerei gGmbH“ an der Heedfelder Mühle den größten Teil der Organisation dieses Events hauptverantwortlich übernommen hatten, ihren zahlreichen Gästen, die ab 16 Uhr auf das Gelände des Vereins strömten. Bei bestem Wetter und inmitten einer Location, die mit ihrem Mühlrad und den perfekt renovierten Dorfhäusern irgendwie an Disneyland erinnert, fuhren die Veranstalter einen Live-Act nach dem anderen auf.

Hohe Qualität der Live-Acts

Den Zuschauern gefiel es sehr.
Den Zuschauern gefiel es sehr.

Und die hatten es in sich: Diese acht Acts waren von einer hohen Qualität, wie man sie so geballt nur äußerst selten zu sehen bekommt. Im Sauerland schon einmal gar nicht. Viele der Gäste konnten ihr Glück kaum fassen, tatsächlich war die Auswahl der Bands DAS Gespräch des Abends.

Immer, wenn man dachte, jetzt geht es eigentlich nicht mehr besser, toppte die nächste Band die bereits sehr gute davor. Das muss man erst einmal hinbekommen!

Zwei Bühnen und ein Konzept

Zwei Bühnen und ein Konzept, das so rund war, das es nur ein Erfolg werden konnte. Wirklich einziger Risikofaktor: Das Sauerländer Wetter, das den Veranstaltern jedoch wohl gesonnen war. Nicht zu warm, nicht zu kalt und vor allem trocken, ließ es sich den ganzen Nachmittag und Abend über gut aushalten auf den frisch gemähten Wiesen.

Den Anfang machte „Finka“

"Finka" aus Hagen. Sie waren der "Opener".
„Finka“ aus Hagen. Sie waren der „Opener“.

Den Anfang machte „Finka“, aus Hagen, eine Formation, die an diesem Tag durch die Sängerin und den Gitarristen vertreten war.  Die schönen selbstgeschriebenen Songs mit Tiefgang und deutschen Texten wurden vom Publikum mit viel Applaus belohnt.

Immerhin machten die beidem jungen Musiker sehr professionell den Auftakt der Veranstaltung, was ganz generell ja nicht immer ganz so einfach ist. Die beiden hatten nicht nur den Mut dazu, sondern auch das Können.

Besondere Originalität

Lukas Herbertsson, eine Band aus Heidelberg im Halveraner "Outback".
Lukas Herbertsson, eine Band aus Heidelberg im Halveraner „Outback“.

Weiter ging es auf der großen Bühne nebenan mit Lukas Herbertson. „Der Herr Herbertson“ war mit seiner Band aus Heidelberg angereist und zeichnete sich durch eine Musik aus, die ebenfalls mit deutschen Texten glänzte und dazu noch mit einer besonderen Originalität punktete.

Bandleader Lukas leistete sich dabei gemeinsam mit seinen Bandkollgen Patrick Bischler (Gitarre und Gesang), Benedikt Breitwieser (Bass) und Thomas Dannenmann (Schlagzeug) den einen oder anderen Schlagabtausch mit dem einzigen Mädchen in der Truppe, Isabell Müller (Gesang, Glockenspiel und Casio), die sich jedoch tapfer zu wehren wusste. Ein „lebendiger Haufen“ da auf der Bühne und als „Opener“ perfekt. Nach ihrem Auftritt war die Laune des Publikums spürbar noch einmal um diverse Prozentpunkte gestiegen.

Zwei Herren mit ihren Gitarren

ByeBye aus Leipzig.
ByeBye aus Leipzig.

Weiter ging es mit einem Duo, das sich ByeBye nannte und aus zwei Herren mit ihren Gitarren bestand. Byebye ist die Band der beiden Sänger und Songwriter Oliver Haas und Tim Ludwig aus Leipzig, die meist mit zwei akustischen Gitarren, zweistimmigem Gesang und deutschen Texten auftritt. So auch an diesem Abend. Witzig und keine Minute langweilig, was die beiden da zum Besten gaben. Originell noch dazu. Nach ihrem Auftritt ging es für die Gäste, die mittlerweile ein paar hundert Menschen zählten, zurück zur großen Bühne, wo Binyo bereits wartete.

Ohne Stress und mit viel Spaß

Viele fleißige Helfer: Der Verein um die Heedfelder Mühle herum hatte alles im Griff und trug rot.
Viele fleißige Helfer: Der Verein um die Heedfelder Mühle herum hatte alles im Griff und trug rot.

Überhaupt die zwei Bühnen: acht Stunden lang gingen die Gäste hin und her, wechselten von einer Bühne zur anderen. Niemand beschwerte sich auch nur einmal, im Gegenteil, irgendwie genossen es alle, diesen Wechsel der Bühnen, brachte dies doch eine Dynamik in das Festival, die nicht nur dafür sorgte, dass man sich die Beine vertreten konnte, sondern auch den Ständen mit Essen zu Gute kam.

Oben gab es Cocktails und Eis, unten Flammkuchen und Würstchen. Getränke wurden vor beiden Bühnen verkauft. Über allem lag eine absolut friedliche Atmosphäre und eine Schar Helfer in roten T-Shirts sorgte den ganzen Abend dafür, das das komplette Gelände später so ordentlich verlassen wurde, wie man es betreten hatte. Als Gast konnte man bei so viel perfekter Organisation nur staunen.

Die Musiker der Herzen

Wer kann ihm schon widerstehen? Genau: Niemand!
Binyo. Wer kann ihm schon widerstehen? Genau: Niemand!

Binyo und seine Band waren natürlich die Musiker der Herzen. Wer liebt Binyo nicht? Ein Stein vielleicht, aber auch den wird er mühelos erweichen, wenn er es will. Er hat einen sehr hohen Sympathiewert, den niemand so schnell toppen kann.

Dafür muss er eigentlich nur wenig sagen, seine Songs reichen vollkommen aus. Dazu seine riesengroße blaue Augen und ein „Smile“ im Gesicht. Läuft! Unterstützt wurde er an diesem Abend von seiner kompletten Band, die die Sympathiewerte zusätzlich noch einmal nach oben trieb.

Saxophonist Rudolf F. Nauhauser im knallroten Hemd setzte dabei mit seinem Saxophon wie immer besondere Akzente, die der eh schon beschwingten Binyo-Musik noch einmal einen besonderen „Drive“ gaben.

Gefeatured von HonigMut

HonigMut, in Gestalt von Nando Andreas, Melina Fuhrmann und Patrick Honzig.
HonigMut, in Gestalt von Nando Andreas, Melina Fuhrmann und Patrick Honzig.

Dazu wurde Binyo gefeatured von HonigMut, dem Lüdenscheider Band-Projekt um Melina Fuhrmann und Nando Andreas herum. Warum Projekt? Nun, ihr Markenzeichen ist es mittlerweile, dass sie mit einer ganzen Truppe junger, sehr begabter Musiker unterwegs sind. Den Kern bilden die zwei „Sweeties“, um sie herum hat sich etwas sehr dynamisches, spannendes gebildet.

Man weiß nie genau, wer alles mit auf der Bühne steht, wenn man HonigMut bucht, aber eines garantieren sie stets: Wer auch immer mit ihnen auftritt, ist von ausgesuchter Güte. An diesem Abend war es der erfolgreiche Lüdenscheider Rapper Alim Koroma, der die beiden ebenso unterstützte wie der Mann an der Cajon, Patrick Honzig, der einmal mehr zeigte, dass er sein Instrument wirklich beherrscht.

Liann brachte die Romantik mit

Liann. Romantisch mit Cello, Kontrabass und später auch mit Geige.
Liann. Romantisch mit Cello, Kontrabass und später auch mit Geige.

Nach Binyo und seinen Gästen, ging es zurück zur kleinen Bühne, auf der eine Formation wartete, die aus München kam und Liann heißt. Sehr besondere Musik, dargeboten in einem Mix aus modernem Singer- / Songwriter, erweitert um klassische Instrumente wie Kontrabass, Cello und Geige. Sehr spannend, außergewöhnlich und dabei noch schön anzusehen. Die Truppe umwehte ein Hauch von Romantik und auch ein bisschen Tragik á la „Wuthering Hights“. Auch sie eine Bereicherung.

Mine, der außergewöhnlichste Act des Abends

Mine oder doch Alice im Wunderland?
Mine oder doch Alice im Wunderland?

Danach bewegte sich die mittlerweile auf gut 600 Personen angewachsene Fan-Gemeinde – wie sollte es anders sein – zur Hauptbühne zurück. Und hier wartete der für die meisten sicher außergewöhnlichste Act des Abends auf die Gäste. Mine!

Was soll man zu dieser Band sagen? Außergewöhnlich hatten wir ja schon. Faszinierend passt zudem, charismatisch, unfassbar gut und perfekt. Wie ein Mann bzw. Frau aufeinander eingespielt. Man nimmt sie fast homogen war, wie ein Wesen. Das ganze kombiniert mit Texten, die poetisch sind, lyrisch und so geheimnisvoll wie die Werke eines Novalis oder Lewis Carroll. Alice im Wunderland steht dabei in der Person von Mine mitten auf der Bühne.

Gebannt von dieser Formation

Performance mit Regenschirm. Passt!
Performance mit Regenschirm. Passt!

Wer von Mine nicht fasziniert war, war einfach nicht da an diesem Abend. Das anwesende Publikum war jedenfalls samt und sonders von dieser Formation gebannt und stand mit offenem Mund und noch offeneren Ohren vor der Bühne. Und verlangte nach mehr. Mine geht in der deutschen Independent-Szene gerade steil ab. Nach ganz oben.

Nach diesem Auftritt weiß man zumindest in und um Halver herum, dass man sie sich im nächsten Jahr wahrscheinlich nicht mehr so ohne weiteres leisten kann. Sie ist definitiv eine Kandidatin für die großen Arenen unseres Landes. Genau dort wird man sie wiedertreffen. Dazu muss man kein Prophet sein, man muss sie nur einmal live erlebt haben.

Hazefeld mit Hanna und Koroma

Hazefeld hier mit Rudolf und Koroma.
Hazefeld hier mit Rudolf und Koroma.

Nach Mine gings „brav“ zurück zur kleinen Bühne. Hier warteten „Hazefeld“, vertreten durch Binyo und seinen „Buddie“ Sebastian Kreinberg. Dazu hatten sie sich für einige Songs Hanna Kramer aus Wuppertal eingeladen, vielen Lüdenscheider sicher bekannt durch ihre  Stimme und viele Auftritte in und um Lüdenscheid herum.

Die kleine Hanna zeigte den beiden Burschen neben sich, dass man auch als einzelnes Mädchen zwei Jungs durchaus an die Wand singen kann. Zu dritt waren Hazefeld an diesem Abend nicht nur gewohnt professionell und dabei äußerst gut gelaunt, sondern auch noch sehr hübsch anzusehen. So ein Mädchen unter zwei Rapper-Jungs macht eben auch optisch etwas her. Sebastian und Robin rappten dabei um die Wette und heizten dem Publikum ordentlich ein. Dann holten sie sich auch noch Koroma dazu. Viermal Sonnenschein und geballte Power auf der Bühne, da kann definitiv nichts schief gehen.

Sängerin kam direkt aus Simbabwe

Jamaram hatten es drauf. Sie bezogen das Publikum voll mit ein in die Show.
Jamaram hatten es drauf. Sie bezogen das Publikum voll mit ein in die Show.

Und sie waren zudem die perfekte „Vorband“. Denn was zum Abschluss auf der großen Bühne auftrat war eine echte, große Showband, wie man sie nur selten live und dazu „mitten in der Pampas“ zu Gesicht bekommt. Die Gruppe Jamaram hatte ihre Sängerin extra aus Simbabwe einfliegen lassen und stand gleich mit acht Musikern auf der Bühne. Reggae, Ska, Weltmusik aber auch Jazz vom Feinsten wechselten sich rasant ab. Diese Band machte Stimmung.

Wer einmal ein ganzes Festival geschlossen tanzen sehen will, sollte Jamaram dringend engagieren. Bei ihrem Auftritt wurde gefeiert, dass der Wiesenboden bebte. Die Feedbacks aus dem Publikum: Was für ein einzigartiges Niveau! Das hatte man in dem kleinen Halver „irgendwo im nirgendwo“ so echt nicht erwartet.

Was für ein Abend

Binyo mit Band und einigen Mitgliedern seines Teams. Eine gute Truppe.
Binyo mit Band und einigen Mitgliedern seines Teams. Eine gute Truppe.

Robin und sein Verein toppte an diesem Nachmittag und Abend alles, was man sich als Gast vorgestellt hatte und ließ dabei jedes sogenannte „kleinstädtische“ weit hinter sich zurück.

Wahrlich ein „Music Fever“, da hatten die Veranstalter nicht übertrieben. Feuerwerk hätte noch besser gepasst. Suchterzeugend für alle Fans guter Musik. Davon will man mehr, mehr, mehr. Halver meets mit dieser Veranstaltungen „the Rest of the Welt“. Und der wird sich spätestens im nächsten Jahr in Richtung Heesfelder Mühle aufmachen. Gutes spricht sich herum. Das ist mal sicher ..

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