Heike Stroot und Silvia Apel vom Patienten-Informationszentrum (PIZ). Foto: Nicole Lüling

Lüdenscheid. Wie geht Pflege überhaupt? Was muss man dabei beachten? Und welche pflegerischen und finanziellen Hilfsmittel stehen einem eigentlich zur Verfügung? Das Patienten-Informations-Zentrum (PIZ) am Klinikum Lüdenscheid nimmt sich genau dieser und noch mehr Fragen an: berät, begleitet, informiert und unterstützt pflegende Angehörige. Immer mit dem Ziel Berührungsängste abzubauen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und praktische Anleitung zu geben.

400 Teilnehmer bei Modellprojekt

Als Teilnehmer des überregionalen Modellprojektes „Familiale Pflege“ der Universität Bielefeld konnte das PIZ im Jahre 2016 über 1000 Angehörige erreichen und landet damit unter mehr als 400 teilnehmenden Krankenhäusern, Psychiatrien und Rehakliniken in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Schleswig-Holstein auf dem ersten Platz.

Angehörige springen oft unvorbereitet ein

Ein Schlaganfall oder Herzinfarkt, ein folgenreicher Unfall oder eine schwere Erkrankung können einen ganz plötzlich aus dem Leben reißen. Von einem Tag auf den anderen steht die Welt Kopf – nichts ist mehr wie vorher. Besonders ältere Menschen erholen sich oft nicht mehr vollständig und können zum Pflegefall werden. Doch wer übernimmt die Pflege des Ehepartners oder der Großeltern? Nicht selten springen die engsten Familienangehörigen ein – völlig unwissend und unvorbereitet.

Sivia Apel: „Eine Mammut-Aufgabe“

„Als Tochter, Sohn, Enkelkind oder Ehepartner die Rolle der Pflege zu übernehmen ist erstmal eine Mammut-Aufgabe“, erklärt Silvia Apel, Pflegeexpertin im PIZ am Klinikum Lüdenscheid. Deshalb ist die Begleitung der Patienten und Angehörigen vom Krankenhaus in die häusliche Umgebung für die Mitarbeiter des PIZ ein wichtiger Auftrag, der den Krankenhausaufenthalt zur Zufriedenheit der Familie beendet. In dieser verletzlichen Phase kann eine vertrauensvolle und einfühlsame Begleitung die oftmals völlig neue und unsichere Situation voller Ängste lindern und erleichtern. Im ersten Schritt nehmen sich die Mitarbeiter des PIZ deshalb viel Zeit für Gespräche mit den Familien und beantworten gerne alle Fragen. Wie geht man beispielsweise mit Inkontinenz um? Wie kann man seinem Vater beim Aufstehen helfen? Wie unterstützt man seine Mutter beim Essen?

Begleitung bis zu sechs Wochen

Die Pflegeexperten im PIZ, Silvia Apel und Heike Stroot, informieren sich zunächst über die Diagnose des Patienten sowie über die Wohnsituation, um herauszufinden, wo Hilfe benötigt wird und welche Tätigkeiten vielleicht besonders schwer fallen. Sie begleiten die Familien bis zu sechs Wochen in ihrer häuslichen Umgebung und haben stets ein offenes Ohr bei Unsicherheiten oder Fragen. „Meist lösen sich dann anfängliche Ängste auf“, sagt die gelernte Krankenschwester Silvia Apel. Häufig steht aber auch die Familienberatung im Fokus. So übernehmen die Pflegeexperten nicht selten eine Vermittler-Rolle bei Konflikten und der gerechten Aufteilung von Aufgaben, je nach Stärken und Schwächen der pflegenden Angehörigen.

Beratung und kostenlose Kurse

Neben ihrer beratenden Funktion bieten die Mitarbeiter des PIZ monatlich kostenlose Pflegekurse an. Hier wird nicht nur der praktische Umgang mit Hilfsmitteln der Pflege geübt, sondern auch mit dementiellen Erkrankungen geschult. In einem Gesprächskreis haben pflegende Angehörige zudem die Möglichkeit, sich über persönliche Erfahrungen auszutauschen, einander zu motivieren und zu stärken.

Laienverständliche Literatur

Das PIZ entstand im Jahre 1999 als landesweit erstes pflegerisches Beratungszentrum für Gesundheit, Krankheit und Prävention am Klinikum Lüdenscheid. Als niederschwellige
Anlaufstelle für Menschen, die aufgrund von gesundheitlichen Einschränkungen Probleme in der Gestaltung und Bewältigung ihres Alltags haben, ist das PIZ von großer Wichtigkeit. Im
Klinikum Lüdenscheid werden Wissen und praktische Fähigkeiten im täglichen Umgang mit den Folgen einer Erkrankung vermittelt. Neben pflegepraktischen Schulungen und Beratungen steht in einer Bibliothek laienverständliche Literatur zu einer bunten
Themenvielfalt aus Pflege und Medizin zur Verfügung.

Reaktion auf immer älter werdende Bevölkerung

Das Modellprojekt der Universität Bielefeld reagiert auf die immer älter werdende Bevölkerung und hat sich deshalb auf die Fahnen geschrieben, pflegende Angehörige bei dem Übergang vom Krankenhaus in die häusliche Umgebung zu unterstützen und zu
begleiten. Dabei besteht eine Kooperation mit der Pflegekasse der AOK Rheinland/Hamburg sowie der AOK NORDWEST, die das Projekt finanziell unterstützen und erforderliche Hilfsmittel zur Verfügung stellen. Diese Unterstützung ist für die Patienten
krankenkassenunabhängig.

Das Klinikum Lüdenscheid beteiligt sich bei diesem Projekt, als einziges Krankenhaus im Märkischen Kreis, seit 2009 – mit Erfolg. Neben pflegepraktischem Wissen und Weiterbildungen, erhalten die Mitarbeiter auch wissenschaftliche Schulungen, beispielsweise
für ein Pflegetraining mit dem Themenschwerpunkt „Demenz“.

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