Lüdenscheid. Aufgrund der überaus positiven Resonanz auf das Pilotprojekt 2012 im Lüdenscheider Kulturhaus hatte der „Rotary-Club Lüdenscheid Zeppelin“ auch in diesem einem Wettbewerb zum Thema Mobbing ausgeschrieben. In Zusammenarbeit mit der Polizei wurden unter dem Titel „take care – be fair“ Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen dazu aufgerufen, sich mit diesem sensiblen, aber sehr aktuellem Thema zu beschäftigen. Der Schwerpunkt lag dabei auf Cyber-Mobbing in sozialen Netzwerken wie zum Beispiel Facebook oder dem Messenger-Dienst „WhatsApp„.

Ziel ist Sensibilisierung

Sie machen sich stark gegen Mobbing in jeder Form. Die Rotarys und die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. Foto: Parnemann
Sie machen sich stark gegen Mobbing in jeder Form. Die Rotarys und die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler. Foto: Parnemann

Junge Leute kennen es gar nicht mehr anders: Schnell noch ein aktuelles Bild bei Facebook einstellen, posten, mit wem man wann wo ist und danach eventuell noch weitere Freunde dazu über WhatsApp einladen. Mit Smartphone und Co. ist das heute kein Problem mehr. Doch diese Leichtigkeit wird von vielen Jugendlichen unterschätzt. Teilweise sogar so sehr, dass auch sehr private und intime Details aus dem Leben in den sozialen Netzwerken landen. Diese Kombination verleitet dazu. Jemanden, den man nicht mag, auf diesem Weg das Leben schwer zu machen.

Was früher auf dem Schulhof von Angesicht zu Angesicht begann, wird heute zum Großteil in der Anonymität der sozialen Netzwerke losgetreten. Ein falscher Satz, die falsche Mode oder einfach Missgunst können der Auslöser dafür sein, Klassenkameraden bis aufs Blut zu demütigen – anonym versteht sich. Auf diesen Zug springen dann oft auch andere Mitschüler auf. So können Einzelne von heute auf morgen zu ausgegrenzten Einzelgängern werden.

Mit dem Projekt „take care – be fair“ wollen die Rotararier die Jugendlichen für diese Thematik sensibilisieren und ihnen den richtigen Umgang mit sozialen Netzwerken näher bringen. Zudem stand die Frage im Mittelpunkt des Wettbewerbs: Was tun, wenn man selbst Opfer von (Cyber-)Mobbing wird?

Einleitung mit realen Fällen

Moderator Matthias Czech erzählt zur Einleitung von Megan. Foto: Parnemann
Moderator Matthias Czech erzählt zur Einleitung von Megan. Foto: Parnemann

Zu Beginn der Veranstaltung im Lüdenscheider Filmpalast erzählte Moderator Matthias Czech den Anwesenden von realen Mobbing-Fällen. So zum Beispiel von Megan Meier aus Los Angeles. Die 13-jährige Amerikanerin wurde über ein gefälschtes Profil in einem sozialen Netzwerk so lange gemobbt, bis sie sich im Oktober 2006 schließlich selbst im Kleiderschrank ihres Kinderzimmers erhängte. Anhand von weiteren realen Fällen aus Europa und den USA machte Matthias Czech deutlich, dass das Thema Cyber-Mobbing nicht nur ein harmloser Streich ist. Denn in allen Beispielen trieben solche Aktionen Jugendliche in den Selbstmord.

Auseinandersetzung durch eigene Beiträge

Damit die Jugendlichen sich mit dem Thema Cyber-Mobbing möglichst intensiv befassen, wurden sie dazu aufgefordert folgende Fragen mit einem eignen Beitrag zu beantworten: „Was können wir als Schüler/Klasse gegen Cyber-Mobbing tun?“ Und: „Wie verhalten wir uns richtig im Internet?“ Um ihre Sichtweise auf das Thema zu verdeutlichten, entschieden sich drei der insgesamt vier zum Wettbewerb angemeldeten Gruppen für jeweils einen Video-Beitrag. Darin stellten sie mögliche Fälle von Cyber-Mobbing dar.

Mit ihren Filmen teilten sich das Lüdenscheider Bergstadt-Gymnasium, die Realschule Halver sowie die Theodor-Heuss Realschule den 2. Platz. „Wir haben uns aufgrund der hervorragenden Filmbeiträge, dazu entschlossen, den 2. Platz gleich drei Mal zu vergeben“, sagte Moderator Matthias Czech kurz vor Bekanntgabe der Gewinner. Den 1. Platz belegte die Richard-Schirmann-Realschule mit ihrem Sketch über „Maria“. Darin geht es um „die Neue“ an der Schule – Maria. Sie begeht in der ersten Pause lediglich den Fehler, sich mit einem Mitschüler freundlich zu unterhalten. Damit zieht sie die Missgunst anderer Mädchen auf sich und macht sich damit zur Zielscheibe von Spott und Hänseleien.

Im Anschluss zeigten die Schülerinnen und Schüler der Richard-Schirmann-Realschule, wie sie an ihrer Schule mit dem Thema Mobbing umgehen. So haben sich die Jugendlichen unter anderem zum Ansprechpartner für Mobbingopfer erklärt und bieten Mitschülern an, den „Facebook-Führerschein“ zu absolvieren. Dabei wird ihnen der richtige Umgang mit dem Medium beigebracht. Sie machten aber auch deutlich, dass ein Gespräch mit Eltern, Lehrern, Freunden oder auch ein Anruf bei der „Nummer gegen Kummer“ ein Weg sein kann, um sich Mobbing entgegenzustellen.

Mehr Teilnehmer gewünscht

Obwohl immerhin vier Schulen teilgenommen haben und herausragende Beiträgen eingereicht haben, hätten sich die Organisatoren von „take care – be fair“ mehr Teilnehmer für ihr Projekt gewünscht. 2012 füllte die Pilotveranstaltung im Kulturhaus Lüdenscheid immerhin einen Saal mit rund 600 Jugendlichen. Schulen können sich aber bereits jetzt, direkt bei den Rotary Lüdenscheid Zeppelin, für das Jahr 2015 bewerben. Außer dem Lernprozess winken den Schülern auch attraktive Preise. So ging es in diesem Jahr um einen Tag im Phantasialand inklusive Bustransfer für den 1. Platz und ein Film nach Wahl inklusive Snacks und Getränke für den 2. Platz.

Übrigens: die anwesenden Polizisten waren von der Qualität der gezeigten Filmbeiträge derart begeistert, dass sie die Filme in Zukunft gerne zur Präventionsarbeit einsetzen wollen.

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