Hagen. Auf dem seit 2002 jährlich stattfindenden Internationalen Tag gegen die Todesstrafe am Samstag, 10. Oktober, 15 Uhr, stellt Dr. Stephanie Marra von der TU Dortmund in einem Vortrag im Auditorium des Kunstquartiers Hagen die unterschiedlichen Delikte, die zu einer Verurteilung zum Tode führten, und vorgesehenen Strafen vom Mittelalter bis in die Neuzeit vor. Vorgestellt werden aber auch die Akteure, die Opfer und Täter unterschiedlicher Verbrechen, das rechtliche Regulativ in Person des Scharfrichters sowie die Richtstätten, als Orte des ritualisierten Strafvollzugs.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen für diese Urteile waren unterschiedlich, zuletzt auch, während der nationalsozialistischen Herrschaft, auch willkürlich und verbrecherisch. Vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit wurden auch im Raum Hagen immer wieder aus Todesstrafen ausgesprochen und vollzogen.

Die Funktion des Scharfrichters als ausführendes Organ der Strafrechtspflege verlieh ihm ein besonderes Standesgefühl, für das auch die überlieferten Scharfrichter-Tagebücher aus dieser Zeit sprechen. Zugleich gehörten Scharfrichter und ihre Familien aber zu den gesellschaftlich ausgegrenzten Personengruppen im Mittelalter und Früher Neuzeit; eine ambivalente Position also, die im Vortrag ebenfalls ergründet werden soll.
Eine weitere Frage ist, wo im Raum Hagen die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Richtstätten lagen, welche Bedeutung sie besaßen und wie ihre Überreste bis heute gedeutet und wahrgenommen werden. Die Richtstätten, auf denen Todes- und rituelle Körperstrafen vollzogen wurden, waren „Theater des Schreckens“. Schon während ihrer Nutzung galten sie als geheimnisvolle Orte, die von Legenden und Mythen umwoben waren – und es bis heute noch sind. Mittlerweile beschäftigt sich auch die Archäologie mit früheren Richtstätten.

Der Veranstaltungsort – das Kunstquartier Hagen – ist dabei von einem besonderen Interesse, da er auf dem Gelände einer Hinrichtungsstätte liegt. Im Hof des früheren Polizei- und Gerichtsgefängnisses in der Prentzelstraße wurden seit den 1830er Jahren bis 1912 zum Tode verurteilte Menschen mit dem Handbeil enthauptet. Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden im Hof und im Keller des Gefängnisses ausländische Zwangsarbeiter durch Mitarbeiter der Gestapo ermordetet.

Der Vortrag ist eine Gemeinschaftsveranstaltung des Fachbereichs Kultur der Stadt Hagen, des Emil-Schumacher-Museums und des Karl-Ernst-Osthaus-Bundes. Der Eintritt beträgt 5 Euro.

Referentin
Dr. Stephanie Marra studierte Geschichte, Prähistorische Archäologie und Romanistik in Bochum und Genua. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Aspekte der Sozial- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit (u.a. Rechtsgeschichte und Adelsgeschichte) sowie Westfälische Landesgeschichte. Sie leitet an der Technischen Universität Dortmund das Fachreferat für Geschichte, Kunst und Theologie in der Universitätsbibliothek und ist die Leiterin des Universitätsarchivs.

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