IG Metall-Bilanz
Die IG Metall möchte möglichst viele Mitglieder zu Warnstreiks mobilisieren. Foto: TACH!-Archiv/Wolfgang Teipel

Lüdenscheid/Märkischer Kreis. Es geht um sechs Prozent mehr Lohn und flexiblere Arbeitszeiten für die Beschäftigten: Seit dem 1. Januar ist die sogenannte Friedenspflicht zwischen den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie und der IG Metall abgelaufen. Damit darf nun im Zuge der neuen Tarifrunde gestreikt werden. Am Dienstag, 9. Januar, finden in einigen Lüdenscheider Betrieben Warnstreiks statt. Im Laufe des Tages ist am Freisenberg, an der Bellmerei und im übrigen Stadtgebiet mit Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs zu rechnen.

Was für die Konjunktur gilt, muss auch für Löhne gelten

Rainer Schmolke, ehrenamtliches Mitglied des Vorstands der märkischen IG Metall Lüdenscheid, ist Betriebsrat in einem Lüdenscheider Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie. Er ist gewähltes Mitglied der Tarifkommission der IG Metall für den Bereich Nordrhein-Westfalen und entscheidet mit über die Tarifforderungen. Schmolke bekräftigt die Lohnforderungen der IG Metall in dieser Tarifrunde: „Meine Kolleginnen und Kollegen aus ganz NRW, die mit mir in der Tarifkommission sitzen, bestätigen den allgemeinen Trend in unserer Branche. Die Unternehmen verdienen gut. Das wird ganz wesentlich durch die Beschäftigten ermöglicht, denn sie arbeiten für diesen Erfolg. Deshalb müssen sie auch anständig an der wirtschaftlichen Entwicklung beteiligt werden. Wenn die Konjunktur nach oben zeigt, muss das für die Löhne genauso gelten.“

Arbeitnehmer wollen mehr Flexibilität

Gudrun Gerhardt, Erste Bevollmächtigte der IG Metall im Märkischen Kreis, ist Mitglied der Verhandlungskommission und sitzt bei den Verhandlungen direkt gegenüber den Vertretern der Arbeitgeberseite. Sie legt ihr Augenmerk auf die Forderungen zur Arbeitszeit in dieser Tarifrunde: „Die Arbeitgeber wollen mehr Flexibilität. Das wollen wir auch. Der Unterschied ist, dass für die Arbeitgeber Flexibilität weitestgehend die Abschaffung von Pausen- und Ruhezeiten bedeutet und eine Erreichbarkeit von möglichst 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche. Wenn wir über Flexibilität reden, meinen wir mehr Selbstbestimmung und Freizeit für die Beschäftigten. In Zeiten von Digitalisierung und Verdichtung von Arbeitsabläufen benötigen wir mehr Freiräume.

Reduzierung der Arbeitszeit

Gudrun Gerhardt: Auch die Arbeitnehmer wollen mehr Flexibilität

Deswegen fordern wir insbesondere für die Familienphasen die Möglichkeit, die Arbeitszeit auf 28 Stunden reduzieren zu können. Kindeserziehungszeiten oder Pflegezeiten für die eigenen Eltern sind mit enormem Aufwand verbunden. Dieser Aufwand ist ein großer Dienst an den Angehörigen – aber auch an der Gesellschaft selbst. Deswegen müssen wir hier endlich mehr Familienfreundlichkeit schaffen. Gerade für Frauen fordern wir hier ein verbindliches Rückkehrrecht auf Vollzeitarbeit. Ohne dieses Recht führt Teilzeitarbeit zu Altersarmut, weil möglicherweise zu wenig in die Rentenkasse eingezahlt wird. Hier besteht Handlungsbedarf und diesem Bedarf werden wir nun mit Warnstreiks Druck verleihen.“

Ein Hinweis der IG Metall: Da der Warnstreik bei Kostal vor dem Hauptpförtner an der Bellmerei stattfindet, ist insbesondere dort und auf dem Autobahnzubringer Brunscheider Straße mit Rückstaus zu rechnen.

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