Arbeiternehmer sollen flexibel sein. Das fordert die IG Metall auch von den Arbeitgebern. Foto: pixabay.com

Märkischer Kreis. Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. Diesem Wandel stellt sich auch die IG Metall. Deswegen hat sie unter dem Titel „Mein Leben – Meine Zeit: Arbeit neu Denken“ eine Beschäftigtenbefragung im Bundesgebiet durchgeführt. Rund 680.000 Beschäftigte bundesweit beziehungsweise rund 4.000 Beschäftigte im Märkischen Kreis haben an der Befragung teilgenommen.

Viele wollen weniger arbeiten

Gudrun Gerhardt: Kräftige Lohnerhöhungen und Arbeitszeit sind die Themen.

Inhaltlich ist die Erhebung in zwei Abschnitte aufgeteilt gewesen: Einerseits interessierte sich die Gewerkschaft für die Meinung der Arbeitnehmer zum Thema Arbeitszeit. Andererseits wurden Fragen mit Bezugspunkt zur Bundestagswahl gestellt. Für Gudrun Gerhardt, Erste Bevollmächtigte der IG Metall, macht beides Sinn: „Im kommenden Winter werden wir die nächste Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie bestreiten. Hier wird es nicht nur um eine kräftige Lohnerhöhung gehen, sondern auch um die Arbeitszeit. Und zur Bundestagswahl wissen wir genau, was die Beschäftigten in unseren Branchen von der Politik erwarten. Und das werden wir auch in den nächsten Monaten klar einfordern.“

Jede Menge Überstunden

68 Prozent der Befragten im Märkischen Kreis geben an, 35 Stunden oder weniger in der Woche arbeiten zu wollen. Aufgrund von Überstunden und anderen Faktoren liegt die tatsächliche Arbeitszeit nur für 27 Prozent der Befragten in diesem Rahmen, obwohl vertraglich eine niedrigere Arbeitszeit vereinbart ist. Fast ein Viertel der Befragten gibt an, bis zu 48 Stunden und mehr zu arbeiten. Während Beschäftigte mit planbaren Arbeitszeiten (insbesondere im Verwaltungs- und Bürobereich) zu 79 Prozent zufrieden beziehungsweise eher unzufrieden sind, zeigen sich Arbeitnehmer mit wechselnden Arbeitszeiten (zum Beispiel im Schichtdienst) nur zu 37 Prozent zufrieden. Gleichzeitig sagen rund 60 Prozent der Befragten im Märkischen Kreis, dass sie sich bei der Arbeit zunehmend gehetzt und unter Zeitdruck finden.

Weniger Zeitdruck, mehr Ruhe

Torsten Kasubke, 2. Bevollmächtigter der IG Metall: „Die Gewerkschaft will Auszeiten für Arbeitnehmer – beispielsweise für die Kindererziehung.“ Foto: Wolfgang Teipel

„Diese Aspekte darf man nicht außer Acht lassen“, sagt Torsten Kasubke, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis. „Die Arbeitgeber fordern mehr Flexibilität ein. Damit meinen sie volle Erreichbarkeit, weniger Ruhezeit und mehr Zeitdruck. Unsere Befragung zeigt, dass sie sich damit nicht auf dem richtigen Kurs befinden. Wir wollen auch Flexibilität. Wir meinen damit aber, dass Beschäftigte auch Auszeiten nehmen können – zum Beispiel für Pflege der Eltern oder die Kindererziehung. Dazu gehört dann auch das Rückkehrrecht von der Teilzeit- zur Vollzeitstelle.“ Klar sei, dass die Beschäftigten mehr Verbindlichkeit einfordern. Kasubke: „Nur ein Rechenbeispiel: Eine Stunde pro Woche mehr Arbeitszeit bedeutet im Arbeitsleben ein ganzes Jahr mehr zu arbeiten. Der Unterschied zwischen 35 und zum Beispiel 48 Stunden in der Woche beläuft sich auf 13 Arbeitsjahre. Das geht auf den Rücken und die geistige Gesundheit. Hier muss mehr Maß gehalten werden.“

Prekäre Jobs abschaffen

Thema Bundestagswahl: 93 Prozent der vor Ort Befragten geben an, dass sie sich mehr Sicherheit und berufliche Perspektive im Zuge der Digitalisierung wünschen. 89 Prozent fordern von der Politik, sachgrundlose Befristung, Minijobs und prekäre Beschäftigung abzuschaffen. Einer Verlängerung der Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes bei gleichzeitigen Qualifikationsmaßnahmen wünschen sich 80 Prozent der befragten Arbeitnehmer im Märkischen Kreis. Verbindlichere Ruhzeiten und das „Recht auf Abschalten“ fordern 96 Prozent. 82 Prozent der Befragten fordern eine bessere Infrastruktur für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein inklusive flexibler Arbeitszeitmodelle mit Rückkehrrecht zur Vollzeit. Über 90 Prozent fordern die Politik auf, der Flucht aus Tarifverträgen durch Firmenausgliederungen einen Riegel vorzuschieben.

Tarifbindung muss besser gesichert werden

„Die Parteien werden sich dieser Befragung stellen müssen“, so Gudrun Gerhardt. „Der Wunsch ist klar: Es muss mehr getan werden, um die Tarifbindung zu sichern. Das Recht auf Ruhe heißt eben nicht, 24 Stunden an sieben Tagen erreichbar zu sein. Und gerade unsere Betriebe hier, die von der Digitalisierung oder auch des schleichenden Rückzugs der Verbrennungsmotoren betroffen sind, benötigen eine berufliche Perspektive. Die Sorgen sind an dieser Stelle begründet. Deswegen muss endlich Schluss damit sein, prekäre Jobs oder den schnellen Abstieg ins Arbeitslosengeld 2 als Alternative zu sehen. Die Beschäftigten benötigen Sicherheit und Qualifizierung.“

 

 

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